Mehr KI im Alltag, neue iPhone-Apps und ein umstrittenes Meta-Patent zeigen, wie stark sich digitale Dienste verändern. Zugleich stellen Forscher:innen drängende Fragen zu Ethik und Datenschutz.
Meta-Patent: KI-Avatare Verstorbener und „spektrale Arbeit“
Ein von Business Insider aufgegriffenes Patent von Meta beschreibt ein System, das die Aktivitäten von Nutzer:innen nach ihrem Tod simuliert. Auf Basis von Social-Media-Daten könnten große Sprachmodelle Chats und Beiträge Verstorbener nachahmen. Meta hatte das Patent 2023 eingereicht, betont aber laut Bericht, derzeit „keine Pläne zu haben, mit diesem Beispiel fortzufahren“. Dennoch sorgt die Idee für Diskussionen, weil sie direkt in die Infrastruktur von Plattformen eingebettet wäre.
Ein Forschungsteam der Hebräischen Universität Jerusalem und der Universität Leipzig untersuchte mehr als 50 reale Fälle aus den USA, Europa, dem Nahen Osten und Ostasien. Dabei wurden Stimmen, Erscheinungsbilder und Persönlichkeitsmerkmale Verstorbener per generativer KI rekonstruiert. Die meisten Anwendungen waren bislang eher maßgeschneiderte Projekte von Familien, Initiativen, Museen oder Start-ups und an spezifische emotionale, politische oder wirtschaftliche Kontexte gebunden. Laut Studie werden so jedoch „dringende rechtliche und ethische Fragen rund um posthume Aneignung, Eigentum, Arbeit und Kontrolle“ aufgeworfen.
Die Forschenden sprechen von „spektraler Arbeit“, also der Idee, dass Tote durch die Wiederbelebung ihrer Daten erneut „arbeiten“ und so Engagement, Inhalte und wirtschaftliche Werte erzeugen können. Aktuelle Rechtsrahmen behandeln digitale Überreste meist als vererbbare Güter oder als zu schützende Privatsphäre. KI macht diese Daten jedoch zu interaktiven Agenten, die sich verändern und Umsatz generieren. Die Autor:innen fordern deshalb explizite, informierte Einwilligungen schon zu Lebzeiten für den Einsatz solcher posthumen Simulationen. Ohne klare Regeln könnte Untätigkeit stillschweigend als Zustimmung gewertet werden.
Apple: KI-Gadgets mit „visueller Intelligenz“ und Sport-App-Ausbau
Apple arbeitet laut einem Bloomberg-Bericht an einer ganzen Reihe von KI-Geräten, in denen „visuelle Intelligenz“ eine zentrale Rolle spielen soll. Dahinter steckt die Nutzung von Computer Vision, um Geräten gewissermaßen „Sehvermögen“ zu geben. Geplant sind demnach neue AirPods mit Kameras, eine erste eigene Brille sowie ein KI-Anhänger, der an ein gescheitertes Produkt von Humane erinnert.
Die Einsatzszenarien ähneln bekannten Funktionen anderer Hersteller: So sollen etwa Speisen erkannt, Zutaten identifiziert und Aufgaben anhand von visuellen Informationen erklärt werden. Navigationshinweise könnten sich an konkreten Wahrzeichen orientieren, und Geräte würden euch an Dinge erinnern, wenn ihr euch bestimmten Orten oder Objekten nähert. Vergleichbare Funktionen gibt es bereits bei Brillen wie den Ray-Ban-Meta-Modellen, die Objekte erkennen, Texte übersetzen oder bei Rezepten helfen. Zugleich gelten diese Systeme als fehleranfällig und im Alltag oft schwer integrierbar, auch weil viele Lösungen auf Modellen wie ChatGPT oder künftig Gemini basieren.
Parallel treibt Apple klassische Dienste voran: Die Apple-Sport-App für das iPhone ist nun in zahlreichen weiteren Ländern in der Karibik und in Lateinamerika verfügbar, darunter Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, Jamaika und Peru. Die App, die 2024 zunächst in den USA, Kanada und Großbritannien gestartet war und später nach Europa sowie Mexiko kam, zeigt Spielstände, Statistiken, Tabellen, anstehende Begegnungen und mehr. Neu ist die Unterstützung von sechs weiteren lateinamerikanischen Männerfußballligen sowie einer eigenen Kategorie „Fußball“ im Suchbereich. Außerdem können Fans Männer- und Frauenturniere der NCAA jetzt in Echtzeit verfolgen, inklusive übersichtlicher Turnierbäume. Die Neuerungen sind Teil von Version 3.8, die im App Store bereitsteht.
Acme Weather: Neuer Wetterdienst der Dark-Sky-Macher:innen
Das frühere Dark-Sky-Team meldet sich mit einer neuen iPhone-App namens Acme Weather zurück. Dark Sky war 2020 von Apple übernommen und 2022 zugunsten der Integration in die iOS-Wetter-App eingestellt worden. Acme Weather will insbesondere die Unsicherheit klassischer Vorhersagen sichtbar machen, bei denen unterschiedliche Modelle oft zu abweichenden Ergebnissen führen.
Dafür setzt die App auf „alternative Vorhersagen“. Nutzer:innen sehen neben der Hauptprognose eine Bandbreite möglicher Entwicklungen im Tagesverlauf. Liegen diese Linien eng beieinander, signalisiert das hohe Prognosesicherheit, bei auseinanderlaufenden Linien sinkt sie. Ergänzend erlaubt eine Community-Funktion das Teilen von Echtzeit-Wetterlagen per Symbole oder Emojis, um schnelle Veränderungen besser abzubilden. Kartenansichten mit Radar, Blitzen, Niederschlag, Wind und weiteren Layern gehören ebenfalls zum Funktionsumfang.
Acme Weather verschickt Benachrichtigungen zu relevanten Wetteränderungen und offiziellen Warnungen und nutzt experimentelle Hinweise aus „Acme Labs“, etwa auf Regenbögen oder besonders schöne Sonnenuntergänge. Die App bietet einen zweiwöchigen Testzeitraum und kostet danach 25 US-Dollar (rund 23 Euro) pro Jahr. Die iOS-Version ist bereits verfügbar, eine Android-Variante soll folgen.
Via: www.404media.co · gizmodo.com · www.macrumors.com · www.engadget.com