Ein Politikjournalist in Großbritannien berichtet, wie eine Warnung wegen hoher Herzfrequenz auf seiner Apple Watch auf eine gefährliche Medikamentenwechselwirkung hinwies. Seine Schilderung zeigt, welche Rolle smarte Uhren im Alltag spielen können.
Stephen Pollard, politischer Kolumnist, wird wegen Leukämie mit einer abendlichen Tablette behandelt, die er als seine „Wunderpille“ bezeichnet. Zusätzlich nimmt er drei weitere Medikamente gegen Nebenwirkungen ein. Nachdem sich ein Husten zu einer scheinbaren Brustinfektion entwickelt hatte, suchte er eine Hausarztpraxis auf. Dort bekam er ein Antibiotikum verschrieben – der Beginn weiterer Probleme.
Am Abend setzte zunächst ein starker Kopfschmerz ein, den Pollard auf die heftigen Hustenanfälle zurückführte. Er hoffte, dass eine Nacht Schlaf ausreichen würde. Statt Erholung folgten jedoch extreme Übelkeit und ein massives Schwindelgefühl, das er mit schwerer Seekrankheit vergleicht. Beim Versuch aufzustehen verschlimmerte sich der Zustand deutlich. An Schlaf war nicht zu denken, dennoch beschloss er zunächst abzuwarten – eine Entscheidung, die er rückblickend selbst kritisiert.
In dieser Nacht meldete seine Apple Watch mehrfach einen stark erhöhten Puls, obwohl er im Bett lag. Pollard führte die Warnungen auf seine Unruhe und das allgemeine Unwohlsein zurück und maß den Hinweisen vorerst wenig Bedeutung bei.
Am nächsten Tag kontaktierte Pollard eine weitere Ärztin aus derselben Praxis. Diese setzte das Antibiotikum sofort ab und erklärte, es hätte ihm angesichts der laufenden Leukämiebehandlung gar nicht verschrieben werden dürfen. Dann stellte sie gezielt Fragen zu möglichen Herzrasen-Beschwerden. Pollard erinnerte sich an die Warnmeldungen seiner Apple Watch zur Herzfrequenz in der Nacht.
Als er diese Details erwähnte, wurde die Ärztin deutlich besorgter. Aus ihrer Sicht war entscheidend, ob der Puls nach der letzten Antibiotika-Dosis wieder sinken würde. Nur dann würde sich auch die Übelkeit zurückbilden und eine bleibende Schädigung ließe sich wahrscheinlich vermeiden. Falls die Herzfrequenz jedoch erhöht bliebe, müsste bereits von einem eingetretenen Schaden ausgegangen werden. Bis zur Entwarnung sei daher eine engmaschige Kontrolle nötig, mindestens stündlich.
Glücklicherweise zeigte sich, dass noch keine dauerhaften Schäden entstanden waren. Pollard konnte mithilfe seiner Apple Watch regelmäßig seinen Puls überprüfen und feststellen, dass die Werte wieder zurückgingen. Im Nachhinein schreibt er dem Herzsensor eine zentrale Rolle zu. Die Uhr habe möglicherweise sein Leben gerettet oder zumindest „großen Ärger“ verhindert – sein Ausdruck für einen Herzinfarkt.
Die behandelnde Ärztin formulierte es noch klarer: Er solle sich bei seiner Uhr ausdrücklich bedanken, denn ohne sie wäre er womöglich nicht mehr am Leben. Pollard schließt seinen Bericht mit dem Appell, ernsthaft über das Tragen einer Smartwatch oder eines Fitness-Armbands nachzudenken.
Der Fall wurde ursprünglich von der britischen Zeitung The Times veröffentlicht und später unter anderem von 9to5Mac und dem brasilianischen Portal MacMagazine aufgegriffen.
Via: https://9to5mac.com
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