Apple prüft derzeit Speicherchips des chinesischen Herstellers ChangXin Memory Technologies (CXMT) für iPhones und MacBooks. Ein Bericht des „Wall Street Journal“ zeichnet ein komplexes Bild aus Technik, Politik und Lieferketten.
Laptop-Hersteller wie HP und Acer setzen bereits Speicherchips von CXMT in Geräten ein, die außerhalb der USA verkauft werden. Apple führt laut Bericht dagegen noch frühe Gespräche mit CXMT über eine Belieferung von Geräten, die in China verkauft werden sollen, und wartet auf ein Signal aus dem Weißen Haus, bevor weitere Schritte erfolgen.
Die „Financial Times“ hatte im vergangenen Monat gemeldet, Apple habe mit der Qualifizierung von CXMT-Arbeitsspeicher (DRAM) begonnen. Der aktuelle Bericht konkretisiert nun, dass diese Tests sich auf bestimmte Produktkategorien wie iPhones und MacBooks beziehen. Damit rückt CXMT als möglicher weiterer Speicherlieferant für Apple näher in den Fokus, auch wenn bisher noch keine Vereinbarung bekannt ist.
Ein zentrales Hindernis für eine mögliche Kooperation sind US-Vorschriften, die amerikanischen Unternehmen den Technologietransfer an CXMT verbieten. Das umfasst auch Gespräche über technische Details und Produktspezifikationen. Exportjurist Kevin Wolf von der Kanzlei Akin Gump erklärte dem „Wall Street Journal“, Apple könne zwar Standardkomponenten von CXMT kaufen und über den Preis verhandeln, dürfe aber keine Chips in Auftrag geben, die nach eigenen Anforderungen entwickelt werden.
Apple lässt Speicherbausteine üblicherweise speziell für das Zusammenspiel mit den eigenen Chips anpassen. Wenn das Unternehmen auf Standardkomponenten zurückgreifen müsste, könnte das Anpassungen an Teilen der Hardware nach sich ziehen oder zu einer weniger optimalen Leistung führen. Wie stark sich das in der Praxis auswirken würde, bleibt offen, macht die Lage für Apple aber komplizierter.
Die politische Dimension spielt ebenfalls eine Rolle: Eine parteiübergreifende Gruppe von US-Senator:innen unter Führung von Chuck Schumer hat Apple aufgefordert, auf den Einsatz chinesischer Speicherchips vollständig zu verzichten. Eine Antwort auf dieses Ersuchen wird bis zum 21. August erwartet.
Parallel dazu kämpft Apple mit klassischen Liefer- und Kostenfragen. CXMT soll seine Produktionskapazitäten für dieses Jahr bereits weitgehend ausgeschöpft haben und damit wenig Spielraum für neue internationale Kundschaft bieten. Der Hersteller habe seine inländischen Kund:innen wie ByteDance, Tencent und Xiaomi priorisiert, heißt es in dem Bericht.
Hinzu kommt: Die Preise von CXMT sollen in etwa auf dem Niveau, teils sogar über denen der etablierten Anbieter Micron, SK Hynix und Samsung liegen. Für Apple ist das ungünstig. Ein vierter Speicherlieferant bringt nur dann Vorteile, wenn er ausreichend Kapazitäten bereitstellt und gleichzeitig günstiger liefern kann. Laut Bericht trifft aktuell beides nicht zu.
Apple hatte im Juni die Preise für viele Produkte angehoben, mit Ausnahme der iPhone-Modelle. Als Begründung nannte das Unternehmen gestiegene Speicherkosten, die durch die hohe Nachfrage nach Infrastruktur für Künstliche Intelligenz getrieben werden. Vor diesem Hintergrund erscheint die Suche nach zusätzlichen Speicherquellen wie CXMT nachvollziehbar, bleibt aber durch Politik, Regulierung und Kapazitätsengpässe deutlich eingeschränkt.
Via: https://www.macrumors.com
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