Apple hat ein Billionen-Geschäft auf selbst entwickelten Chips aufgebaut, kommt bei spezialisierter KI-Hardware aber nicht hinterher. Jetzt schaut sich der Konzern nach Zukäufen um.
Apples KI-Server schaffen es nicht allein
Der iPhone-Hersteller sondiert laut einem Bericht von The Information Übernahmen im Bereich KI-Chips. In den vergangenen Monaten soll Apple mit Banken über mögliche Deals gesprochen und Chip-Start-ups direkt gefragt haben, ob sie zum Verkauf stehen. Für Apple, das große Übernahmen traditionell meidet, wäre das ein ungewöhnlicher Schritt.
Auslöser ist ein technisches Problem, das sich nicht mehr verbergen lässt. Die eigenen KI-Server, die auf intern entwickelten M2-Ultra-Chips basieren, geraten an ihre Leistungsgrenzen. Die rechenintensiven Aufgaben hinter der neuen, von Gemini unterstützten Siri laufen daher derzeit auf Nvidia-Chips in der Cloud von Google. Apple versuchte zunächst, die eigenen Maschinen dafür zu nutzen, doch diese reichten offenbar nicht aus.
Verzögerter Server-Chip und teurere Zukäufe
Apple arbeitet zwar an einem eigenen Server-Chip mit dem Codenamen Baltra. Ursprünglich sollte er dieses Jahr erscheinen, doch der Zeitplan hat sich verschoben. Laut Bloomberg ist ein Chip, der leistungsmäßig mit Nvidia konkurrieren kann, wohl frühestens 2029 zu erwarten. Zwischenzeitlich soll ein Upgrade auf M5 Ultra die Lücke schließen.
Ein Zukauf wäre für Apple ein Bruch mit der bisherigen Einkaufspolitik. Die bisher größte Übernahme war 2014 der Kauf von Beats für 3 Milliarden US‑Dollar (rund 2,75 Milliarden Euro). Das heutige Chip-Imperium fußt auf einem deutlich kleineren Deal: der Übernahme von PA Semi im Jahr 2008 für 278 Millionen US‑Dollar (rund 255 Millionen Euro).
Auch die jüngsten Ausgaben wirken im Vergleich zur Konkurrenz überschaubar. In diesem Jahr zahlte Apple etwa 2 Milliarden US‑Dollar (rund 1,83 Milliarden Euro) für das israelische KI-Start-up Q.ai, die zweitgrößte Übernahme in der Firmengeschichte.
Mehr Geld, neue Chefs – und Abhängigkeiten
Zwei Entwicklungen deuten darauf hin, dass Apple bereit ist, mehr zu investieren. Finanzchef Kevan Parekh kündigte gegenüber Analyst:innen an, man werde das bisherige Ziel aufgeben, ähnlich viel Bargeld wie Schulden zu halten. Das schafft finanziellen Spielraum, zumal Apple Ende März auf 45,6 Milliarden US‑Dollar (rund 41,7 Milliarden Euro) an Barmitteln saß.
Die andere Veränderung betrifft das Management. Tim Cook übergibt den Vorstandsvorsitz im September an den bisherigen Hardware-Chef John Ternus, und Chip-Chef Johny Srouji verantwortet künftig die gesamte Hardware. Beide sind Ingenieure und könnten eher dazu tendieren, sich mit Übernahmen aus technischen Engpässen zu befreien.
Dennoch setzt Apple nicht nur auf Akquisitionen. Der Konzern verhandelt mit PrismML, einem Start-up, das große KI-Modelle so verkleinert, dass sie auf einem iPhone laufen können. Außerdem hat Apple sich jüngst verpflichtet, bis 2031 Chips im Wert von 30 Milliarden US‑Dollar (rund 27,5 Milliarden Euro) von Broadcom zu beziehen und diese Partnerschaft verlängert.
All diese Schritte weisen in dieselbe Richtung. Apple will die Abhängigkeit von Nvidia reduzieren und zugleich dem Engpass bei Speicher und Hardware entkommen, der die Branche derzeit verändert. Eigene Chips zu entwerfen, bleibt die langfristige Strategie. Zukäufe könnten jedoch ein kurzfristiger Ausweg sein. Für ein Unternehmen, das seine Unabhängigkeit sorgfältig schützt, ist bereits dieser Bedarf der eigentliche Kern der Geschichte.
