Apple hat die umstrittene ICEBlock-App aus dem App Store entfernt. Die App war durch Berichte über angeblich bedenkliche Inhalte und politische Einflussnahme in den Fokus geraten.
Apple hat die ICEBlock-App, die Nutzer:innen vor dem Auftauchen von US-Einwanderungsbehörden warnen konnte, aus dem App Store entfernt. Die Entwickler:innen berichteten von einer Mitteilung des Apple App Review Teams. Dieses begründete die Entfernung mit „anstößigen Inhalten“. Die Entwickler:innen vermuten politischen Druck aus der US-Regierung unter Präsident Trump als Auslöser dafür. Sie kündigten an, Apples Entscheidung anfechten zu wollen.
Die ICEBlock-App erreichte im Sommer eine hohe Platzierung in den App Store-Charts, vor allem nachdem Vertreter:innen der Trump-Regierung die App öffentlich angriffen. Kristi Noem, die US-Heimatschutzsekretärin, nannte die App eine „Behinderung der Justiz“. Die Generalstaatsanwältin Pam Bondi bezeichnete sie im amerikanischen Fernsehsender Fox als „keine geschützte Meinungsäußerung“. Bondi ließ verlauten, ihr Ministerium habe sich direkt an Apple gewandt und die Entfernung der App gefordert — Apple kam dieser Aufforderung nach. Sie argumentierte, dass ICEBlock gezielt Angriffe auf Vollzugsbeamt:innen ermögliche. Entwickler Joshua Aaron widersprach dem entschieden. Er erklärte, Apple habe angegeben, Hinweise von Strafverfolgungsbehörden erhalten zu haben, nach denen die App Beamt:innen gefährde. Aaron betonte, dies sei falsch und die App habe über 1,1 Millionen Nutzer:innen.
Apple hat bereits 2019 eine ähnliche Entscheidung getroffen, als die Protest-App HKMap aus dem Store entfernt wurde. Der Tim Cook rechtfertigte dies damals mit angeblich glaubwürdigen Hinweisen, die App ermögliche gezielte Übergriffe auf einzelne Polizeibeamt:innen. Damals protestierten Politiker:innen beider Parteien im US-Kongress gegen die Einschränkung von Meinungsfreiheit durch Apple. Sie warfen Apple und anderen Konzernen vor, wirtschaftlichen Interessen wie den Zugang zum chinesischen Markt Vorrang zu geben und dadurch Zensur zu ermöglichen.
Die aktuelle Situation reiht sich in eine größere politische Debatte in den USA ein. Mit Verweis auf eine angeblich zunehmende Bedrohung durch „Antifa“ werden zugleich weitere Einschränkungen der Redefreiheit diskutiert. Unklar bleibt dabei, was tatsächlich als „antifa“ klassifiziert wird. Die Bandbreite reicht laut politischen Argumenten von Online-Foren und Protesten bis hin zu Apps wie ICEBlock, die von Nutzenden zur Meldung von ICE-Einsätzen genutzt werden konnten. Kritiker:innen werfen Apple vor, der Politik mit Store-Entscheidungen nachzugeben.
ICEBlock sollte Nutzer:innen ermöglichen, Standorte von ICE-Mitarbeitenden anonym im Umkreis von acht Kilometern (fünf Meilen) zu melden. Die Entwickler:innen versichern, keine persönlichen Daten zu speichern und auf Apples Sicherheitsmechanismen zu vertrauen. Ein unabhängiger Entwickler bestätigte, dass persönliche Nutzungsdaten nicht direkt weitergegeben werden. Dennoch gab es Kritik: Die Entwickler:innen des Android-Betriebssystems GrapheneOS äußerten Zweifel an der Privatsphäre-Versicherung der iOS-App. Sicherheitsingenieur und Journalist Micah Lee beschrieb ICEBlock als „Aktivismus-Theater“ und bezeichnete einige Aussagen des Entwicklers als unzutreffend. Er verwies zudem darauf, dass ein zum App-Betrieb genutzter Server veraltete Software mit bekannten Sicherheitslücken einsetzte.
Apple hat sich bislang gegenüber The Verge und anderen nicht offiziell zur Entfernung von ICEBlock im App Store geäußert. Weitere Stellungnahmen stehen noch aus.
Via: https://www.theverge.com
Titelbild: Screenshot
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