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Apple entfernt eigene VPN‑Clients aus russischem App Store

Apple hat offenbar weitere VPN‑Apps aus dem russischen App Store entfernt. Betroffen sind diesmal vor allem Werkzeuge für eigene Proxy‑ und VPN‑Konfigurationen, während der Telegram‑Zugriff weiter eingeschränkt wird.

VPN‑Apps verschwinden aus Russland und China

Berichte des russischen Tech‑Portals Kod Durova zufolge hat Apple mehrere Proxy‑Tools und VPN‑Clients aus dem russischen App Store genommen. Demnach sind die Anwendungen Streisand, V2Box, v2RayTun und Happ Proxy Utility dort nicht mehr verfügbar. Daten der Beobachtungsplattform AppleCensorship, die die weltweite Verfügbarkeit von App‑Store‑Apps verfolgt, bestätigen, dass diese Anwendungen sowohl in Russland als auch in China aus dem Store entfernt wurden.

Im Unterschied zu bekannten VPN‑Diensten wie NordVPN oder Surfshark erlauben diese Apps die Verbindung zu eigenen privaten Servern oder manuell eingerichteten Proxys. Die Maßnahme fällt in eine Phase verschärfter Maßnahmen gegen VPN‑Nutzung im Land und fällt zeitlich mit der laufenden Blockade des Messenger‑Dienstes Telegram zusammen.

Apple hatte zu einer ähnlichen Thematik bereits im Jahr 2024 Stellung genommen. Damals entfernte das Unternehmen WhatsApp und Threads aus dem chinesischen App Store und erklärte gegenüber der britischen Zeitung The Guardian, man sei „verpflichtet, die Gesetze in den Ländern zu befolgen, in denen wir tätig sind, auch wenn wir anderer Meinung sind“.

Gezieltes Vorgehen gegen individuelle Proxys

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple Medienberichten zufolge VPN‑Dienste aus dem russischen App Store entfernt. Allein im Jahr 2024 soll der Konzern mindestens 60 VPN‑Apps ausgelistet haben, darunter Angebote bekannter Anbieter wie NordVPN, ExpressVPN und Proton VPN. Die Zensurmaßnahmen haben sich nach Einführung eines Gesetzes im Jahr 2024 deutlich verschärft, das die Verbreitung von Informationen zur Umgehung von Internet‑Sperren unter Strafe stellt.

Der oder die Entwickler:in hinter v2RayTun veröffentlichte in Telegram einen Screenshot einer E‑Mail von Apple, die im Zusammenhang mit der aktuellen Entfernung stehen soll. Nutzer:innen, die die betroffenen Apps bereits auf ihren Geräten installiert haben, können sie weiterhin verwenden. Da die Anwendungen aber aus dem Store entfernt wurden, erhalten sie keine Updates mehr, darunter sicherheitsrelevante Patches, Fehlerbehebungen und neue Funktionen.

Während iOS‑Nutzer:innen in Russland die genannten Tools also nicht mehr neu herunterladen können, berichtet Kod Durova, dass dieselben Anwendungen im Google‑Play‑Store für Android‑Nutzer:innen im Land weiterhin verfügbar sind.

Zusammenhang mit Telegram‑Blockaden

Die jüngsten App‑Store‑Entfernungen fallen in eine Zeit, in der ein verlässlicher VPN‑Zugang in Russland für viele besonders wichtig ist. Seit rund zwei Wochen klagen Einwohner:innen über massive Verbindungsprobleme mit Telegram, dem dort beliebtesten Messenger. Kurz vor Beginn dieser Störungen hatte der Regierungsbeamte Andrey Swintsow erklärt, die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor habe technische Möglichkeiten entwickelt, VPN‑Verkehr gezielt einzuschränken. Er warnte, Umgehungswerkzeuge würden nicht helfen, die Telegram‑Blockade zu umgehen.

Gegenüber TechRadar erklärte Amnezia‑VPN‑Gründer Mazay Banzaev, dass sich die grundlegenden Sperrmechanismen zwar nicht grundlegend verändert hätten, aber präziser und effizienter geworden seien. Die verbesserte Erkennung von VPN‑Verkehr, Hosting‑Infrastruktur und zugehörigen Diensten habe direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Telegram. Gleichzeitig betonte Banzaev, dass Amnezia Free und Amnezia Premium die Telegram‑Sperren weiterhin umgehen könnten.

Laut Banzaev verändert sich zudem die grundsätzliche Strategie beim Blockieren von Webseiten. Zuvor hätten sich die Zensor:innen auf einzelne Schwachstellen wie bestimmte Server, Proxys oder Content‑Delivery‑Netzwerke konzentriert. Nun werde breiter und aggressiver blockiert, mit weniger Rücksicht auf Kollateralschäden und unbeabsichtigte Ausfälle.

Die aktuelle Sperrwelle im App Store markiert damit eine neue Phase der russischen Internetzensur. Indem Roskomnadsor nicht mehr nur große, vorkonfigurierte VPN‑Dienste, sondern zunehmend Werkzeuge für eigene Proxy‑Konfigurationen ins Visier nimmt, werden verbliebene Schlupflöcher für technisch versierte Nutzer:innen geschlossen. Für iPhone‑Nutzer:innen in Russland könnten die Möglichkeiten, noch relativ frei auf das Netz zuzugreifen, damit weiter schrumpfen.

Via: https://www.techradar.com
Titelbild: KI (zur Illustration)

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Michael Reimann

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