Apple-Chef John Ternus will keine künstliche Intelligenz um ihrer selbst willen veröffentlichen. Amazon setzt dagegen Milliarden für KI-Infrastruktur ein – und meldet zugleich einen negativen freien Cashflow.
Apple stellt den Nutzen in den Mittelpunkt
In einem Gespräch mit dem Magazin „Wired“ verteidigte Apple-Chef John Ternus die bisherige Haltung des Unternehmens zur künstlichen Intelligenz. Apple wolle keine KI-Funktionen auf den Markt bringen, nur um bei dem Thema präsent zu sein. Entscheidend sei, dass die Technik einen konkreten Nutzen biete.
Apple wurde in den vergangenen Jahren häufig als Nachzügler bei KI beschrieben. Besonders die Verzögerung einer leistungsfähigeren Version von Siri stand dabei im Fokus. Die überarbeitete Sprachassistenz erschien schließlich im Sommer. Ternus’ Aussage setzt einen anderen Schwerpunkt: Nicht die Zahl der angekündigten Funktionen, sondern ihr tatsächlicher Wert soll zählen.
Für Euch als Nutzer:innen bleibt damit die praktische Frage, was die verfügbaren Funktionen im Alltag leisten. Der Themenvorschlag stellt Apples Anspruch dem tatsächlichen Nutzen gegenüber. Die zugrunde liegenden Angaben nennen allerdings keine einzelnen Funktionen oder Nutzungsergebnisse. Ein umfassender Vergleich konkreter KI-Angebote lässt sich daraus daher nicht ableiten.
Amazon baut KI-Infrastruktur aus
Amazon verfolgt eine deutlich investitionsstärkere Strategie. Das Unternehmen erklärte, dass seine Ausgaben für KI den freien Cashflow stark belastet hätten. Für die zwölf Monate bis September lag dieser bei minus 42,4 Milliarden US-Dollar (rund 39,0 Milliarden Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte Amazon noch einen positiven freien Cashflow von 14,8 Milliarden US-Dollar (rund 13,6 Milliarden Euro) ausgewiesen.
Gleichzeitig kündigte Amazon an, 2027 noch mehr in künstliche Intelligenz investieren zu wollen. Die Zahlen für das dritte Quartal zeigen jedoch auch wachsende Umsätze und höhere operative Erträge: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden US-Dollar (rund 185,5 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis legte von 17,4 Milliarden US-Dollar (rund 16,0 Milliarden Euro) auf 28,1 Milliarden US-Dollar (rund 25,8 Milliarden Euro) zu. Die operative Marge betrug 13,9 Prozent.
Amazon Web Services, kurz AWS, wuchs laut dem Bericht um 39 Prozent. Die Angaben machen deutlich, dass Amazon trotz des negativen freien Cashflows weiterhin steigende Umsätze und operative Erträge verzeichnet. Sie benennen jedoch nicht, welche konkreten KI-Funktionen Kund:innen bereits nutzen oder welchen messbaren Vorteil diese ihnen bringen.
Unterschiedliche Maßstäbe, offene Fragen
Apple begründet seine Zurückhaltung mit dem Anspruch, KI nur dann einzusetzen, wenn sie einen erkennbaren Zweck erfüllt. Amazon investiert dagegen in großem Umfang in die Infrastruktur, die KI-Angebote ermöglichen soll. Beide Ansätze setzen unterschiedliche Prioritäten: hier der geforderte Nutzwert einzelner Funktionen, dort der Ausbau der technischen Grundlage.
Ob sich Amazons Investitionen lohnen, lässt sich anhand der vorliegenden Zahlen allein nicht beurteilen. Ebenso wenig belegen Apples Aussagen, dass die angebotenen Funktionen bereits alle Erwartungen erfüllen. Für Euch zählt am Ende, ob KI im Alltag tatsächlich hilft. Die verfügbaren Informationen zeigen die unterschiedlichen Strategien – konkrete Belege für den Nutzen einzelner Angebote liefern sie nicht.
Via: thenextweb.com · techcrunch.com
