Vibe Coding sorgt aktuell für einen massiven Zustrom an Apps im App Store. Apple reagiert bereits mit strengeren Richtlinien, doch das allein dürfte das Problem nicht lösen.
Ein Blick auf frühere Ideen aus der Entwickler:innen-Community zeigt, welche Alternativen Apple prüfen könnte, ohne die Qualität des App Store zu gefährden.
Auf der WWDC wurde deutlich, welche Dimension der aktuelle Trend erreicht hat: Über 1.000 Apps werden pro Stunde eingereicht. Da sich Apps inzwischen deutlich schneller entwickeln lassen, führt das zu einer wahren Flut an Einreichungen. Das ist besonders heikel, weil es auf dem iPhone weltweit im Wesentlichen nur einen zentralen Distributionsweg für Apps gibt.
Apple hat darauf mit einer höheren Hürde für App-Store-Freigaben reagiert. Die neuen Richtlinien sollen verhindern, dass Apps zugelassen werden, die dem App Store keinen Mehrwert bieten. Dieser Schritt geht zwar in die richtige Richtung, wirkt aber eher wie eine Teillösung.
Wer während der Corona-Zeit in der Entwickler:innen-Szene unterwegs war, erinnert sich vielleicht an „Airport“. Dabei handelte es sich um eine Art App Store für TestFlight-Apps. Entwickler:innen konnten ihre noch nicht veröffentlichten Apps teilen und damit eine deutlich größere Zielgruppe erreichen als nur Freund:innen, Familie oder Follower in sozialen Netzwerken.
Airport verschaffte vielen unabhängigen Entwickler:innen eine Bühne, die sie sonst wohl nicht gehabt hätten. Nutzer:innen entdeckten kleine, spannende Apps, ohne dass diese jemals den App Store berühren mussten. Die Grundlage dafür war TestFlight, das außerhalb des App Store eigentlich der wichtigste Distributionsweg ist – neben alternativen Marktplätzen und Sideloading in der EU und einigen weiteren Regionen.
TestFlight bringt allerdings einige Einschränkungen mit: Maximal 10.000 Tester:innen pro App sind erlaubt, und standardmäßig lassen sich Apps nur über einen geteilten Link oder eine E-Mail-Einladung verbreiten. Eine echte Entdeckungsfunktion gibt es bisher nicht. Genau diese Lücke schloss Airport, doch Apple wollte die App selbst nie im App Store zulassen. Am Ende verschwand das Projekt wieder.
Im aktuellen Vibe-Coding-Zeitalter, in dem viele kleine Werkzeuge entstehen, die nur mit einem überschaubaren Publikum geteilt werden sollen, erscheint ein neues, von Apple getragenes „Airport“ durchaus sinnvoll. Schon eine einfache Entdecken-Registerkarte in der TestFlight-App könnte hier eine Rolle spielen.
Dafür müsste Apple wohl auch die Grenze von 10.000 TestFlight-Nutzer:innen überdenken. Angesichts der weniger strengen Prüfstandards für TestFlight-Apps wäre es naheliegend, bei nachweislich erfolgreichen Projekten zusätzliche Plätze auf Anfrage zu ermöglichen.
Allein neue App-Store-Richtlinien werden die Menge an Vibe-Coding-Apps kaum verringern. Menschen werden weiterhin Dinge entwickeln und teilen wollen. Apple braucht daher vermutlich eine bessere Distributionslösung, die die Qualität des App Store erhält und gleichzeitig Raum für kleinere Projekte lässt. Ein verbesserter TestFlight-Verteilungsprozess mit Entdeckungsfunktionen könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein.
Via: https://9to5mac.com
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