Der Razer Iskur V2 steht jetzt im Nebenzimmer und wartet auf ein neues Zuhause. Ersetzt hat ihn der C7 Morpher von FlexiSpot, ein ergonomischer Bürostuhl, mit dem der Hersteller erstmals in einer Liga antritt, in der sonst Sedus, Interstuhl und Steelcase spielen. Rund 800 Euro ruft FlexiSpot dafür auf, und das ist für eine Marke, die ihre Stühle sonst zwischen 150 und 460 Euro platziert, ein selbstbewusster Sprung.
Mit FlexiSpot hatte ich dieses Jahr schon zweimal zu tun, beim MotionX WP01 und beim 3-in-1-Heimtrainer. Beide Male ging es um Bewegung am Schreibtisch. Diesmal geht es um das, was die meisten von uns dort trotzdem den Großteil des Tages machen: sitzen.
Der C7 Morpher kommt in zwei Paketen, und das hat einen Grund. FlexiSpot trennt Fußkreuz und Sitzeinheit vom Lehnenteil samt Armlehnen, jedes größere Bauteil steckt zusätzlich in Schutzfolie. Transportschäden werden so unwahrscheinlicher, dafür bleibt am Ende ein beachtlicher Haufen Kunststoffmüll übrig. Die Kartons wiegen laut Hersteller 18,2 und 15,3 Kilogramm, der fertige Stuhl bringt rund 26,5 Kilogramm auf die Waage. Beim Weg in den Keller brauchte ich wegen der sperrigen Pakete dann doch Hilfe.
FlexiSpot gewährt fünf Jahre Garantie, räumt 30 Tage Rückgaberecht ein und unterhält ein Lager in Deutschland samt deutscher Servicenummer. Die Lieferung erfolgte mehr oder minder problemlos – der Paketdienst stellte sich ziemlich bei den beiden großen Paketen an, das ist aber nicht die Schuld von FlexiSpot.
Der Aufbau selbst entschädigt. FlexiSpot liefert die Baugruppen praktisch fertig montiert, Inbusschlüssel und eine ausführliche bebilderte Anleitung liegen bei, und der ganze Vorgang besteht aus vier Arbeitsschritten: Rollen und Gasdruckfeder ans Fußkreuz, dann Sitzmechanik, Lehne und Armlehnen, zum Schluss Ober- und Unterteil verbinden und die Kopfstütze aufstecken.
Bei mir war das eigentliche Verschrauben nach zehn Minuten erledigt. Das ist allerdings meine Zeit mit bereits ausgepackten Teilen und einiger Übung im Möbelaufbau. Wer die Anleitung Schritt für Schritt liest und das Auspacken mitrechnet, plant realistisch eine halbe Stunde ein. Zwei Tipps aus der Praxis: Der größere Karton lässt sich hochkant hervorragend als Montagehilfe nutzen, und die Schaumstoffeinlage schützt das polierte Aluminium beim Einstecken der Rollen vor Kratzern.
Verglichen mit dem Iskur V2 ist das ein spürbarer Unterschied. Razers Stuhl kommt zwar ebenfalls gut vorbereitet, aber die schwere Lehne einhändig an der Sitzschale auszurichten, während man die Schrauben ansetzt, hat mich damals deutlich länger beschäftigt.
Das Herzstück steckt im Rücken. FlexiSpot nennt die Konstruktion DynaFollow, und der Name ist ausnahmsweise kein reines Marketing. Der bewegliche Teil der Lehne besteht aus einer Stütze für Schulter- und Brustwirbelbereich sowie einem separaten Element für die Lendenwirbel. Beim Zurücklehnen gleitet dieser Teil in einer leicht konkaven Führung gleichzeitig nach unten und nach vorn, wodurch sich die Lehne verformt, statt einfach nur wegzukippen.
Was davon im Alltag ankommt, merke ich vor allem beim Vorbeugen zur Tastatur. Wo mich der Razer irgendwann allein gelassen hat, weil die Lehne zurückgefedert ist, bleibt der C7 Morpher am Rücken. Die Lehne lässt sich zusätzlich in vier Stufen in der Höhe verstellen, was wichtiger ist, als es klingt: Sitzt sie falsch, arbeitet auch die Lordosenstütze an der falschen Stelle.
Dazu kommt eine Synchronmechanik mit dreistufig einstellbarem Neigungswiderstand und vier arretierbaren Positionen zwischen 110 und 143 Grad. Ganz hinten liegt man fast. Interessanter finde ich die Gegenrichtung: Per Drehregler kippt die Lehne stufenlos bis zu zehn Grad nach vorn. Beim konzentrierten Schreiben verhindert das dieses langsame Nach-vorn-Absacken, das man abends im Nacken spürt. Wem die gleitende Lehne zu unruhig ist, schaltet DynaFollow komplett ab.
Die Lordosenstütze wird aufgeblasen. Über eine kleine Pumpe reguliert ihr das Volumen selbst und seid damit nicht auf drei vorgegebene Rastpunkte angewiesen, wie es sonst üblich ist. Wer ein ausgeprägtes Hohlkreuz hat, pumpt mehr Druck auf, wer im Lendenbereich empfindlich ist, lässt Luft ab. Die Feinabstimmung dauert. Zu viel Luft erzeugt einen punktuellen Druck, der nach zwei Stunden nervt, zu wenig Luft macht die Stütze wirkungslos. In der richtigen Einstellung gehört sie für mich zum Besten, was der Stuhl zu bieten hat.
Die Kopfstütze bewegt sich um 80 Grad in der Neigung, sieben Zentimeter in der Tiefe und 70 Grad im Winkel. Der große Einstellbereich ist notwendig, weil eine zu hoch montierte Kopfstütze den Kopf nach vorn schiebt und damit genau das Gegenteil dessen bewirkt, was sie soll. Richtig positioniert stützt sie den Nacken statt den Hinterkopf.
Bei den Armlehnen wird es fast albern flexibel: Die gepolsterte Auflage dreht sich um 360 Grad, die Halterung darunter um 270 Grad, dazu kommen siebenstufige Höhenverstellung sowie Verschiebung nach vorn, hinten und zur Seite. Damit findet man fürs Tippen und fürs Zurücklehnen jeweils eine eigene Position. Die Kehrseite dieser Beweglichkeit: Die Rasterung ist so leichtgängig, dass ein beherzter Stoß beim Aufstehen die Auflage schon mal verdreht.
Sitzhöhe und Sitztiefe decken einen großen Bereich ab, und hier lohnt der genaue Blick auf die Variante. Die gepolsterte Ausführung, die bei mir steht, hat eine neuere Gasfeder bekommen: zwölf Zentimeter Hub und eine Sitzhöhe von 45,5 bis 57,5 Zentimetern. Die Mesh-Version arbeitet noch mit der vorherigen Gasfeder und kommt auf 45 bis 54 Zentimeter. Wer deutlich über 1,80 Meter groß ist, sollte das im Hinterkopf behalten. Die Sitztiefe variiert in beiden Fällen um 4,5 Zentimeter zwischen 43,5 und 48 Zentimetern. Freigegeben ist der Stuhl für 1,60 bis 1,95 Meter Körpergröße und bis 163 Kilogramm. Geführt wird er nach EN 1335, der europäischen Norm für Büroarbeitsstühle, die Maße, Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit regelt. Ein Nachweis dafür, dass ein Stuhl individuelle Rückenprobleme löst, ist das ausdrücklich nicht.
FlexiSpot bietet den C7 Morpher mit unterschiedlichen Sitzflächen an, wahlweise mit Netzbespannung oder gepolstert. Bei mir steht die gepolsterte Version. Das ist eine echte Entscheidung und keine Farbfrage. Netz bleibt im Sommer merklich kühler und lässt sich leichter absaugen, das Polster fühlt sich weniger nach Bürostuhl-Bespannung an und verzeiht dünne Kleidung besser. Nach einer Woche mit Temperaturen um die 25 Grad war Schwitzen für mich kein Thema, aber ich würde die Netzvariante trotzdem jedem empfehlen, der im Dachgeschoss arbeitet.
Meine Ausführung hat zusätzlich die ausziehbare Fußstütze. Zwei gepolsterte Pads sitzen unter der Sitzschale, werden nach vorn herausgezogen und nach oben geklappt. Rund 30 Euro Aufpreis kostet das Extra, je nach Aktion. Beim Arbeiten spielt es keine Rolle, in Kombination mit weit zurückgelehnter Lehne und Kopfstütze entsteht daraus aber eine brauchbare Liegeposition für Telefonate oder einen langen Text. Vollwertigen Halt für die Beine liefert die kompakte Ablage nicht, je nach Körpergröße liegen eher Waden oder Fersen auf. Unabhängig davon trägt das Fußkreuz an seinen Enden zusätzliche Ablageflächen, auf denen die Füße im Schneidersitz Platz finden.
Der ehrlichste Satz über diesen Stuhl lautet: Er sitzt nicht gut, wenn ihr ihn auspackt. Er sitzt gut, wenn ihr eine Stunde investiert habt. Sitzhöhe, Sitztiefe, Lehnenhöhe, Kopfstützenwinkel, Armlehnenposition, Neigungswiderstand und Luftdruck in der Lordosenstütze hängen alle voneinander ab. Ändert ihr die Sitztiefe, sitzt die Lordosenstütze plötzlich falsch. Verstellt ihr die Lehnenhöhe, wandert die Kopfstütze mit.
Das klingt anstrengender, als es ist, weil jede einzelne Verstellung sauber funktioniert. Nichts klemmt, nichts rutscht ungewollt zurück, die Mechanik läuft gleichmäßig. Aber es ist Arbeit, und wer einen Stuhl sucht, den man hinstellt und danach nie wieder anfasst, wird hier zwangsläufig ungeduldig. Geholfen hat mir eine feste Reihenfolge: erst Sitzhöhe, dann Sitztiefe, dann Lehne, dann Lordosenstütze, danach Armlehnen und Kopfstütze und zum Schluss der Neigungswiderstand. Von oben nach unten zu justieren führt dagegen zuverlässig ins Chaos.
Nach mehreren Anläufen über die Woche stand eine Position, die auch nach acht Stunden noch stimmt, und genau da zahlt sich der Aufwand aus. Der Unterschied zum Iskur V2 ist deutlicher, als ich erwartet hätte. Razers Stuhl polstert und stützt, der C7 Morpher hält die Haltung aktiv. Man sinkt weniger ein und rutscht deutlich seltener in diese schleichende Sackhaltung, in der man abends merkt, dass der untere Rücken den ganzen Tag mitgearbeitet hat.
Am Ende bleiben hier vor allem drei Punkte. Die Größe ist der offensichtlichste. Mit 109 bis 142,5 Zentimetern Gesamthöhe, 56 Zentimetern Lehnenbreite und einem ausladenden Aluminium-Fußkreuz ist der C7 Morpher wuchtig. Elegant ist das nicht mehr. In einem eingerichteten Arbeitszimmer geht das durch, in der Schreibtischecke im Schlafzimmer dominiert er den Raum. Auch die sichtbare Mechanik ist Geschmackssache.
Zweitens fehlt den Rollen eine lastabhängige Bremse, wie sie bessere Bürostühle mitbringen. Sie laufen leicht und hinterlassen auf Hartboden keine Spuren, aber sie stehen eben nicht fest, wenn ihr euch draufsetzt.
Regulär verlangt FlexiSpot rund 799 Euro, mit Fußstütze etwa 829 Euro. Der Hersteller rabattiert allerdings regelmäßig und deutlich, so auch derzeit. Aktuell wird die Variante mit Fußstütze für 559,99 Euro angeboten – die Variante ohne kommt auf 529,99 Euro – ein sehr guter Preis. Die Aktion läuft bis 05. Oktober.
Ich habe schon teurere Stühle hier stehen gehabt, und dieser hier ist der beste. Die Verarbeitung wirkt durchgehend hochwertig, Fußkreuz und Armlehnenhalterungen bestehen aus poliertem Aluminium-Druckguss, die Mechanik arbeitet präzise, und die Kombination aus gleitender Lehne und aufblasbarer Lordosenstütze löst ein Problem, das bei mir bislang jeder Stuhl offengelassen hat. Dass FlexiSpot mit dem C7 Morpher in der Premiumklasse ankommt, halte ich nach dieser Woche für gerechtfertigt.
Meine Empfehlung gilt deshalb mit Ansage: Der C7 Morpher belohnt Geduld und bestraft Bequemlichkeit – für einen Stuhl ist das eine erstaunlich passende Eigenschaft.
Das Testmuster wurde uns von FlexiSpot für diesen Test zur Verfügung gestellt. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine kleine Provision, für euch ändert sich der Preis nicht.
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