Vor 18 Jahren zog Steve Jobs das erste MacBook Air aus einem internen Briefumschlag. Seitdem hat sich die dünne mobile Mac-Reihe technisch stark verändert, ihren Kern aber behalten.
Heute ist das Apple‑Silicon‑Modell kaum noch mit dem Original vergleichbar – außer beim Namen und der Rolle als Standard-Notebook für viele Nutzer:innen.
Der legendäre Auftritt im Umschlag
Wir schreiben das Jahr 2008, die Ära von George W. Bush geht zu Ende, das Wunsch-Smartphone heißt iPhone 3G, und ein MacBook ist noch gut einen Zoll dick. In vielen Unternehmen kursieren interne Briefumschläge für Hauspost – genau diese nutzt Jobs als Bühne für das erste MacBook Air.
Nach dem Mac aus der Tasche 1984, dem iPod aus der Hosentasche 2001 und dem iPhone aus Jeans 2007 folgt nun der nächste Show-Moment: Jobs zieht ein komplettes Notebook aus einem unscheinbaren Umschlag. Dieser Auftritt prägt die Geräteklasse der Ultrabooks und bleibt vielen bis heute präsent.
Das MacBook Air startet auf der Macworld 2008 unter dem Motto „Da liegt etwas in der Luft“. Es ist Apples vorletzter Auftritt auf der Messe und zugleich die letzte Macworld-Keynote von Steve Jobs. Schon damals wirkt das Gerät extrem dünn, obwohl heutige Modelle es deutlich unterbieten.
Das erste Air misst 0,76 Zoll in der Höhe, 12,8 Zoll in der Breite, 8,94 Zoll in der Tiefe und wiegt 3 Pfund. Das M4‑MacBook Air von 2025 ist nur noch 0,44 Zoll hoch, 11,97 Zoll breit, 8,46 Zoll tief und wiegt 2,7 Pfund. Damit bleibt es kleiner und leichter, obwohl es deutlich leistungsstärker ist.
Kompromisse, Kritik und der lange Weg zur Reife
Jobs positioniert das MacBook Air 2008 als Gegenentwurf zu damaligen leichten Notebooks. Er kritisiert kleinere Displays, verkleinerte Tastaturen und schwache Prozessoren der Konkurrenz, lobt aber ein Gewicht von rund 3 Pfund – ein Wert, den Apple selbst nicht unterbietet. Gleichzeitig betont er, das Air gehe bei Tastatur und Bildschirm keine Kompromisse ein.
Ganz ohne Zugeständnisse kommt das Gerät allerdings nicht. Die New York Times hebt vor allem das Fehlen eines integrierten optischen Laufwerks hervor; ein externes Laufwerk kostet 99 US‑Dollar (rund 90 Euro) Aufpreis. Heute wirkt dieser Punkt nebensächlich, damals ist er noch diskussionswürdig.
Schwerer wiegen Leistungsprobleme: Das erste Air ist langsam und neigt zur Überhitzung. Apple liefert ein Software-Update, das die CPU-Steuerung verbessern soll, doch Berichte zeigen gemischte Ergebnisse. Gleichzeitig konzentrieren sich viele Tests stark auf Design und Gewicht.
Engadget beschreibt das Air als besonders attraktiven Laptop, kritisiert aber die spärliche Anschlussausstattung mit nur einem USB‑2.0‑Port in einer Klapptür, Micro‑DVI und Kopfhörerbuchse sowie eine Akkulaufzeit von rund dreieinhalb Stunden. CNET lobt Konstruktion und Ingenieursleistung, weist aber darauf hin, dass die Einschränkungen vor allem Nutzer:innen treffen, die nicht primär mit WLAN, Bluetooth und gelegentlichen USB‑Verbindungen leben.
2010 überarbeitet Apple die Baureihe grundlegend, führt neben einem überarbeiteten 13‑Zoll‑Modell auch eine 11‑Zoll‑Variante ein und senkt die Einstiegspreise deutlich. Das 11‑Zoll‑Air startet bei 999 US‑Dollar (rund 910 Euro), das 13‑Zoll‑Modell bei 1.299 US‑Dollar (rund 1.180 Euro). Gleichzeitig werden Leistung und Mobilität verbessert, was die Abgrenzung zu MacBook und MacBook Pro erschwert.
Von Intel zu Apple Silicon: Das Air wird zum Standard-Mac
In den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2015 erhält das MacBook Air vor allem Prozessorupdates. Erst 2018 folgt wieder ein größerer Schritt: Das 13,3‑Zoll‑Display mit 2560×1600 Pixeln ersetzt die frühere 1280×800‑Auflösung, Intel‑UHD‑Grafik 617 ermöglicht externe Displays mit bis zu 5K über Thunderbolt 3, die Laufzeit nähert sich „ganztägigen“ 10 Stunden. Gleichzeitig schrumpft das Volumen gegenüber dem Vorgänger um 17 Prozent, das Gewicht sinkt auf 2,75 Pfund.
2019 kommen True Tone und eine veränderte Tastatur, 2020 neue Intel‑Prozessoren der Ice‑Lake‑Generation mit Unterstützung für 6K‑Displays wie das Pro Display XDR und der Wechsel von der Butterfly- auf die Magic‑Keyboard-Tastatur. Spätestens jetzt gilt das Air als Sweet Spot im Mac‑Laptop‑Portfolio und als günstigstes mobiles Mac‑Modell.
Mit Apple Silicon ändert sich Ende 2020 alles. Statt in einem neuen MacBook debütiert der M1‑Chip im MacBook Air sowie im 13‑Zoll‑MacBook Pro und im Mac mini. Das M1‑Air rückt leistungsmäßig sehr nahe an das Pro heran, bleibt aber durch das keilförmige Design weniger gut kühlbar.
Der Umstieg auf den M2‑Chip bringt eine spürbare Mehrleistung, ohne den Sprung des M1 zu wiederholen. 2022 verschwindet die ikonische Keilform zugunsten eines neuen, flacheren Designs. 2023 ergänzt Apple ein 15‑Zoll‑M2‑Air mit 1080p‑FaceTime‑Kamera und MagSafe‑Ladeanschluss.
2024 folgen M3‑Versionen beider Größen, 2025 der Sprung auf den M4‑Chip samt Center‑Stage‑Kamera und neuer Farbe Himmelblau. Größere Designänderungen bleiben aus, dennoch bleibt das Air die zentrale Empfehlung für viele Mac‑Käufer:innen.
Für die erste Hälfte 2026 wird ein M5‑MacBook‑Air erwartet. Spekulationen zu einem OLED‑Display richten sich eher auf einen späteren Zeitpunkt, etwa 2028. Bis dahin dürfte das MacBook Air mit jährlichen Leistungsupdates seinen Platz als Standard‑Mac im mobilen Bereich behalten.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild: Apple
