Google startet eine neue Desktop-App, mit der Ihr Suche und das KI-Modell Gemini direkt vom Schreibtisch aus nutzen könnt. Die Anwendung soll den Zugriff auf Google-Dienste und KI-Funktionen deutlich beschleunigen.
Schnellzugriff per Tastenkürzel und Overlay
Auf Windows und Mac setzt Google auf ein ähnliches Konzept: Ein Tastenkürzel öffnet ein kompaktes Overlay über allen Fenstern, ohne dass Ihr den aktuellen Kontext verlassen müsst. Unter Windows reicht Alt-Leertaste, auf dem Mac öffnet Option-Leertaste eine schwebende Chat-Blase, über die Ihr Fragen stellen und Inhalte teilen könnt. In macOS lässt sich zusätzlich per Option-Umschalt-Leertaste eine Vollbild-Ansicht von Gemini aufrufen, die Belegung könnt Ihr in den Einstellungen anpassen.
Das Overlay reagiert direkt auf Eure Eingabe, ohne dass Ihr vorher in ein Eingabefeld klicken müsst. So wird die App vor allem zu einer sehr schnellen Suchleiste, die den Umweg über Browser oder neuen Tab spart. Dabei kombiniert Google klassische Suche mit Zugriff auf Gemini und Lens.
Tiefer Zugriff auf Google-Dienste und Bildschirmkontext
Die Desktop-App bindet verschiedene Google-Dienste ein, darunter Gmail, Drive und Fotos. In Tests beantwortete sie Fragen zu Inhalten aus E-Mails, Dokumenten und PDF-Anhängen, etwa zu Sitzplätzen bei einem Konzert oder Terminen in der Schule, inklusive Datum, Uhrzeit, Ort und Antwortstatus. Solche Informationen wären auch manuell auffindbar, über die App tauchen sie aber schneller auf.
Über die integrierte Lens-Funktion könnt Ihr per Maus einen Bildausschnitt auf dem Bildschirm markieren. Die App erkennt Text in Bildern, sucht nach Produkten oder liefert zusätzliche Informationen zu gezeigten Inhalten. In einem Beispiel wurden mehrere Dutzend Zeilen Text aus einem Dokumentfoto zuverlässig extrahiert und zur Weiterverarbeitung bereitgestellt.
Ein zentrales Merkmal der neuen Mac-App ist das Teilen von Fenstern und lokalen Dateien, um „sofortigen Kontext“ zu liefern. Ihr könnt etwa ein komplexes Tabellenblatt oder ein Diagramm freigeben und Gemini um eine Zusammenfassung oder Hilfe bei Formeln bitten. Ebenso lässt sich eine Matheaufgabe im Browser anzeigen und an Gemini übergeben, um sich Rechenwege erklären zu lassen, ohne direkt die Lösung zu erhalten.
Wie in den Web- und Mobilversionen könnt Ihr in der Mac-App Dateien, Fotos oder Dokumente – auch aus Google Drive – hochladen und frühere Unterhaltungen mit Eurem Konto erneut aufrufen. Zudem stehen kreative Funktionen bereit: Die App unterstützt Bildgenerierung und kann Videoclips mit der Veo-Engine erstellen, sodass sich visuelle Inhalte erzeugen lassen, ohne die aktuelle Arbeitsumgebung zu verlassen.
Grenzen, Verfügbarkeit und Ausblick auf den Desktop
Trotz des breiten Funktionsumfangs gibt es Einschränkungen. In einem Test konnte Gemini zwar eine in Google Drive abgelegte Rezeptdatei finden, lieferte beim Versuch, direkt die Zutatenliste auszugeben, jedoch falsche Inhalte, bevor der manuelle Aufruf des Dokuments zum Ziel führte. Auf Windows wiederum verweist die App bei der Suche nach lokal gespeicherten Dateien auf die Betriebssystemsuche, obwohl Google bewirbt, dass sich „auch Computerdateien“ über das Suchfeld erreichen lassen. Lokale Dateien auf dem Gerät waren dort nicht direkt durchsuchbar.
Die Gemini-App für macOS wird als native Desktop-Erfahrung beschrieben und steht kostenlos für alle Sprachen und Länder zur Verfügung, in denen Gemini unterstützt wird. Voraussetzung ist macOS 15 (macOS Sequoia) oder neuer, der Download erfolgt über gemini.google/mac. Die Windows-Variante der suchleistenähnlichen App wurde bereits einen Tag zuvor für alle Nutzer:innen freigeschaltet.
Google positioniert Gemini damit als direkten Konkurrenten zu anderen KI-Assistenten auf dem Desktop, etwa den Mac-Apps von ChatGPT und Claude, die teilweise schon Aufgaben direkt auf dem Rechner ausführen können. Laut Google ist die aktuelle App ein früher Schritt in umfassendere Desktop-Pläne, weitere Funktionen sollen folgen.
Via: www.zdnet.com · www.theverge.com · www.iClarified.com · www.engadget.com