Ausprobiert

Mova P70 Pro Ultra – Heißer Kandidat für kalte Böden

Mein ausprobiert Test des Mova P70 Pro Ultra zeigt, ob der neue Saug-Wisch Roboter mit 30.000 Pa Saugkraft, rotierenden Wischpads und 100 Grad Mopp-Wäsche sein Versprechen als Flaggschiff-Alternative unter 700 Euro wirklich einhalten kann.

Saugroboter für unter 700 Euro (während der Prime Days sogar nur 549 €), die sich benehmen wie ein Flaggschiff – war lange eine Wunschvorstellung. Der Mova P70 Pro Ultra tritt an, genau diesen Anspruch einzulösen. Ich habe ihn einige Wochen lang in meiner Wohnung eingesetzt, auf Holzdielen, auf Fliesen, auf einem mittelhohen Vorwerk Teppich im Wohnzimmer und einem Hund zu Besuch, der Unterwolle wie Herbstlaub verlor. Was das Gerät tatsächlich kann – und wo es die Grenzen des Machbaren ehrlich eingesteht – zeigt mein Test.

Ausgepackt: Erste Eindrücke

Der Karton ist schwerer als erwartet. Rund 20 Kilogramm!

Das liegt nicht am Roboter selbst, sondern an der Station: einer kompakten, aber robust-wertigen Kontruktion aus Frischwasser- und Schmutzwassertank, Staubabsaugung, Reinigungsmitteldosierer und Mopp-Wascheinheit.

Die gebürstete Frontblende wirkt hochwertig, fast ein wenig überraschend in dieser Preisklasse. Wer Modelle aus dem China-No-Name-Roboter Regal im Kopf hat, wird hier positiv überrascht sein.

Zum Lieferumfang gehören neben Station und Roboter zwei Wischpads, Haupt- und Seitenbürste, eine Rampenextension für niedrige Übergänge, ein Dosierermodul für Reinigungsmittel, ein Staubbeutel sowie ein Starterpaket Reinigungskonzentrat – alles für den direkten Einstieg ohne Nachkaufstress.

Der Roboter selbst gibt sich eher unauffällig. Das Gehäuse ist glatt, dezent in Weiß oder Schwarz gehalten, der LiDAR-Turm sitzt oben erhöht drauf und macht ihn höher als er auf den ersten Blick wirkt. Wer sehr niedrige Möbel hat, sollte vor dem Kauf kurz zum Maßband greifen: Die tatsächliche Bauhöhe inklusive Turm kann unter tief herunterreichenden Betten oder Sideboards zum Hindernis werden. Das ist kein Sonderfehler des Mova, sondern eine klassische LiDAR-Eigenart. Aber es lohnt sich, das im Vorfeld zu wissen. Unter der Haube steckt eine strukturierte Gummiwalze als Hauptbürste. Keine Doppelwalze, kein integriertes Schneidwerk für Haare. Das ist eine bewusste Vereinfachung gegenüber teureren Modellen, für Haushalte ohne extrem langes Tierhaar aber in der Praxis kein spürbarer Nachteil.

Die Daten: Was der P70 Pro Ultra verspricht

Auf dem Datenblatt liest sich der Mova P70 Pro Ultra beeindruckend. 30.000 Pa Saugkraft, zwei rotierende Wischpads mit 260 Umdrehungen pro Minute und 12 Newton Anpressdruck, eine Mopp-Waschtemperatur von 100 Grad Celsius in der Station, 70 Grad warme Lufttrocknung in etwa einer Stunde, KI-gestützte Hinderniserkennung für über 280 Objekttypen und Lasernavigation. Das ist ein Ausstattungspaket, das man bis vor Kurzem ausschließlich in Geräten jenseits der 1.000 Euro Marke fand. Die UVP liegt bei 699 Euro, immer wieder ist er für 599 Euro erhältlich.

Der Frischwassertank der Station fasst 4 Liter, der Schmutzwassertank 3,5 Liter – beide Kapazitäten liegen deutlich über dem Klassendurchschnitt, was längere Reinigungsintervalle ohne manuelles Eingreifen ermöglicht. Der Staubbeutel der Station fasst 3,2 Liter, was bei normaler Nutzung mehrere Wochen ohne Wechsel bedeutet. Übrigens: Eine Kupfermünze hält das Frischwasser frisch. Die sogenannte MaxiReach-Technologie erlaubt es dem rechten Wischpad, seitlich auszufahren, um Kanten besser zu erreichen; die Seitenbürste ist ebenfalls ausfahrbar und bei Bedarf anhebbar. Für Teppiche hebt der Roboter die Pads bis zu 10,5 Millimeter an oder legt sie vor dem Einsatz in der Station komplett ab, um den Teppich als reiner Sauger zu bearbeiten. Die Hindernisfreiheit gibt Mova mit 22 Millimetern an – ausreichend für Türschwellen, aber kein Freifahrtschein für alle Gründerzeit-Altbauten mit dicken Leisten.

Im Alltag: Saugen mit Nachdruck

Beim Saugen merkt man schnell, dass 30.000 Pa keine reine Marketing-Zahl ist. Im Standardmodus arbeitet der Roboter leise genug, um ihn im Hintergrund laufen zu lassen, während man am Schreibtisch sitzt oder telefoniert. Im Max+-Modus ist er deutlich zu hören. Wer ihn abends neben dem Sofa schickt, während die Lieblingsserie läuft, wird sich das zweimal überlegen. Für meinen Praxistest habe ich Tierhaare, Brösel, grobes Salz und feines Gewürzmehl auf meinem dunklen Vorwerk Teppich verteilt. Ergebnis: Gröberes Material wurde sicher und vollständig aufgenommen, feiner Staub und kurze Unterwolle brauchten in einzelnen Bereichen einen zweiten Durchlauf. Völlig OK, wenn man bedenkt auch sonst mit einem Staubsauger öfter über eine Stelle zu saugen. Wer den Roboter täglich schickt, kommt damit problemfrei aus. Wer einmal wöchentlich reinigen möchte, sollte im Reinigungsplan zwei aufeinanderfolgende Durchgänge einplanen – dann stimmt das Ergebnis auch bei Tierhaaren.

Auf Parkett und Fliesen sieht das Bild erwartungsgemäß besser aus. Hier kommt die Saugkraft voll zur Geltung, der Roboter arbeitet sauber und strukturiert in Bahnen. Die Kartografierung ist präzise, so dass doppelt abgefahrene Stellen die Ausnahme bleiben. Wände und Möbelbeine werden mit einem messbaren Sicherheitsabstand angesteuert; Kollisionen gab es im Test keine einzige.

 

Im Alltag: Wischen auf Profi-Niveau

Beim Wischen arbeitet das rotierende Doppelpad-System sichtbar anders als klassische Schleppmopps. Die Kombination aus Drehbewegung, 12 Newton Anpressdruck und automatischer Wasserversorgung erzeugt ein aktives Schrubbergebnis.

Cola-Flecken und Senfränder auf dem Küchenboden verschwanden nach wenigen Überfahrten rückstandsfrei. Schwieriger wurde es bei fetthaltigen Rückständen und Spritzern direkt am Herd: Ölfilm und Kochspritzer werden zunächst aufgerieben, nicht sofort aufgenommen. Der P70 Pro Ultra braucht hier mehrere Durchgänge. Er kommt anschließend nah an das Ergebnis eines frisch gewischten Bodens heran – ersetzt aber nicht den gezielten Handgriff bei hartnäckigem Kochfett. Das ist keine Schwäche, die ihn von der Konkurrenz abhebt; es ist schlicht eine physikalische Grenze rotierender Nassreinigungssysteme.

MaxiReach macht an geraden Kanten einen erkennbaren Unterschied. Der Mopp fährt tatsächlich näher an Sockelleisten und Küchenfronten heran als bei Modellen ohne diese Funktion. Das ausgefahrene Pad hinterlässt einen deutlich schmaleren Randstreifen. Enge Winkel, konkave Möbelbeine und verschachtelte Raumecken bleiben jedoch eine Schwachstelle. Wer hier klinische Perfektion erwartet, muss weiterhin gelegentlich selbst Hand anlegen.

Im Alltag: Navigation und Teppichhandling

Die Navigation per LiDAR und Kamera-Kombination ist insgesamt zuverlässig. Die erste Kartografierung meiner 84 Quadratmeter Wohnung war in unter acht Minuten abgeschlossen. Zimmer und Durchgänge wurden korrekt erkannt und sauber als Räume abgegrenzt. Die App ist übersichtlich und modern gestaltet – Reinigungspläne, Zonenausschlüsse, Teppicherkennung und Saugstufen lassen sich schnell einstellen, ohne dass man sich durch endlose Untermenüs arbeiten muss. Sprachsteuerung über Alexa, Google Assistant und Siri wird unterstützt. Wer den Roboter bequem vom Sofa schicken möchte, ist das in wenigen Minuten eingerichtet.

Preis: Kostenlos

Beim Teppich zeigt der Mova P70 Pro Ultra seine praktisch-durchdachteste Funktion: Er kehrt zur Station zurück, legt die Pads ab und setzt die Reinigung anschließend als reiner Sauger fort. Das kostet etwas Zeit, gibt aber das gute Gefühl, dass feuchte Mopps nicht auf empfindlichen Oberflächen reiben. Im Test reagierte die automatische Teppicherkennung bei meinem Teppich zuverlässig und konsistent. Bei sehr niedrig geschnittenem Velours am Übergang zum Parkett brauchte der Roboter gelegentlich zwei Anläufe zur Erkennung – ein Randfall, der aber erwähnt werden sollte.

Was die Hinderniserkennung betrifft, ist das Bild gemischt. Größere Objekte – Hausschuhe, Spielzeug, Ladekabel in Schlingen – werden erkannt und mit Abstand umfahren. Kleine, flache oder fadige Gegenstände hingegen sind eine andere Geschichte: Schnürsenkel, Haargummis und Ohrstöpsel wurden im Test mitgezogen oder überfahren. Wer diese Probleme systematisch vermeiden will, räumt vorher kurz auf. Ein fairer Kompromiss für ein System nicht nur dieser Preisklasse, aber kein vollständig autonomes Hands-off-Erlebnis.

Im Alltag: Die Station als Komfortgewinn

Der eigentliche Mehrwert liegt in der Station. Nach jeder Reinigungsfahrt saugt sie den Staubbehälter des Roboters automatisch aus, wäscht die Wischpads mit 100 Grad heißem Wasser und trocknet sie in rund einer Stunde mit 70 Grad Warmluft. Zum Stromsparen lässt sich das in der App auch stoppen. Das Reinigungsmittel wird automatisch aus dem nachfüllbaren Dosiertank zugegeben. In der Praxis bedeutet das. Man greift über Wochen nicht aktiv in den Betrieb ein, außer gelegentlich die Tanks zu füllen und den Waschbereich der Station kurz abzuwischen. Dort können sich mit der Zeit Reinigungs(mittel)rückstände und Kalkablagerungen ansammeln, die eine kurze manuelle Reinigung erfordern.

Die 100-Grad-Heißwasserwäsche ist in dieser Preisklasse eine echte Seltenheit. Sie reduziert Geruchsbildung an den Pads spürbar und hält die Wischflächen hygienischer als Modelle, die immer noch mit lauwarmem oder kaltem Wasser spülen. Wer Haustiere hat oder Kleinkinder auf dem Boden krabbeln lässt, wird dieses Detail zu schätzen wissen. Der Nachteil der Station ist ihr Platzbedarf: Die Stellfläche von rund 42 mal 46 Zentimetern und die Bauhöhe von knapp 50 Zentimetern sind für kleine Berliner Küchen oder enge Flure ein relevanter Platzfaktor, der vor dem Kauf bedacht werden sollte.

Fazit: Preis-Leistungs-Sieger mit ehrlichen Grenzen

Der Mova P70 Pro Ultra ist kein makelloses Gerät – aber er ist ein ehrliches. Er saugt kräftig, wischt nachhaltig und kommt seiner Station so nah entgegen, dass der Wartungsaufwand auf ein Minimum sinkt. Die 100-Grad-Mopp-Wäsche und die ausfahrbare MaxiReach-Einheit sind Funktionen, die in dieser Preisklasse kein direkter Wettbewerber in dieser Kombination bietet. Dass die Hauptbürste kein integriertes Schneidwerk besitzt, der LiDAR-Turm niedrige Möbel zur Planungsaufgabe macht, kleine Gegenstände auf dem Boden vor jedem Einsatz weggeräumt gehören und fettige Küchenflecken mehrere Überfahrten brauchen – das sind Einschränkungen, die man kennen sollte. Das Gesamtbild trüben sie aber keineswegs.

Für wen lohnt sich der Kauf? Für Haushalte mit gemischten Böden, einem Haustier und dem Wunsch nach weitgehender Wartungsautonomie ist der P70 Pro Ultra zum Preis von 699 Euro (während der Prime Days sogar nur 549 €) eine sehr überzeugende Option im aktuellen Markt. Wer ausschließlich Hartböden hat, kommt möglicherweise mit günstigeren Modellen aus. Und wer hohe Türschwellen oder sehr niedrige Möbel im Haus hat, sollte prüfen, ob ein Modell mit StepMaster-Technologie besser passt. Für alle anderen gilt:

Hier bekommt man Flaggschiff-Technik zu einem Mittelklasse-Preis – und das merkt man bei jedem Reinigungslauf.

Der Mova P70 Pro Ultra wurde uns von Mova für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.

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Andreas Vogel

Autor Apfeltalk

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