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Synchronisationskultur der Deutschen

Dieses Thema im Forum "Filmcafé" wurde erstellt von groove-i.d, 26.03.08.

  1. groove-i.d

    groove-i.d Grünapfel

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    ich muß gestehen, daß ich vor einiger zeit in unwissende verlegenheit geriet, als mich ein dänischer freund fragte, weshalb die deutschen all ihre importierten und ausgestrahlten filme synchronisieren lassen.

    immerhin ist ja augenfällig, daß beispielsweise sämtliche skandinavischen länder, aber auch die niederlande eine 1:1-kultur pflegen, wenn es um den konsum von importsendungen geht.

    habt Ihr (historische, gesellschatliche, ...) erklärungen?
     
  2. n/a

    n/a Goldparmäne

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    Das nicht, aber mir ist aufgefallen, daß durch diese Nichtsynchro der Dänen diese ziemlich gut die englische Sprache beherrschen. Eine dänische Freundin meiner Freundin hat das unter anderem auf genau das zurückgeführt.
     
  3. groove-i.d

    groove-i.d Grünapfel

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    genau diese tatsache/feststellung führte uns damals zu der frage des dänen.
     
  4. BerndderHeld

    BerndderHeld Spätblühender Taffetapfe

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    Mich würde interessieren in welchen anderen (europäischen) Ländern noch so generell synchronisiert wird. Ist es nicht so das wir da etwas alleine stehen?
     
  5. Paul__

    Paul__ Jamba

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  6. groove-i.d

    groove-i.d Grünapfel

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    ok, sind wir also einen schritt weiter. dennoch muß es noch mehr gründe dafür geben.
    es sind ja nicht nur die dänen, sondern auch schweden und norweger, die nicht (alles) synchronisieren. ebenso die niederlande.
    schweden hat zwar auch nur 9mio. einwohner, aber mal gegengefragt:
    wieviele der 105mio. "deutschen" sind tatsächlich deutschspragig (aus heutiger sicht) und vorallem:
    die synchrokultur reicht weiter zurück; bis in jahre, in welchen die einwohnerzahl noch nicht so hoch war.
    ich denke, da muß es noch mehr gründe geben.
    nichtdeutschsprachige filme werden in deutschland seit den 1930er jahren sprachlich synchronisiert.

    ganz interessant, aber auch ohne antwort auf die historisch-gesellschaftlichen gründe:
    http://www.synchronkartei.de/?action=show&type=intro&sid=930065bc88f9af03dbfb5875d5ea5509
     
  7. zeno

    zeno Lane's Prinz Albert

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    Ich finde es ja schade das hier so wenig im Originalton ausgesendet wird, ich bin kein Syncro-Fan.

    Ich weiß leider auch nicht genau warum das so ist, aber zu einem Stimmt es wohl auf jeden Fall das es sich für den deutschsprachigen Raum eher lohnt, als in einem kleinen Sprachraum.
    In den Wikipedia Artikelen stehen ja als Anfangszeit der Synchronisation grob die 30iger Jahre. Vielleicht wollte das Regime damals überhaupt keine fremdsprachigen Filme zeigen, sofern sie wohl überhaupt gezeigt wurden. Daher könnte man vermuten das synchronisierte Filme über die Jahre als normal angesehen wurden. Synchronisation hätte sich somit eingebürgert.

    Allerdings habe ich keinerlei Fakten meine Vermutung irgendwie zu untermauern..
     
  8. groove-i.d

    groove-i.d Grünapfel

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    das wäre ein politisches argument und erscheint plausibel.
     
  9. dr.mac

    dr.mac Normande

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  10. Dion

    Dion Friedberger Bohnapfel

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    die holländer gucken die filme auch in OT mit holländischen UT...

    kann zum kulturellen hintergrund nicht viel sagen, außer das ich denke, dass die deutschen fremden kulturellen generell weniger aufgeschlossen sind als beispielsweise holländer oder dänen. dafür haben wir aber das synchronisieren perfektioniert und sind das land mit den besten synchronisationen...
     
  11. abstarter

    abstarter Spätblühender Taffetapfe

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    Hier in Bulgarien gibt es zwei Arten der Filmausstrahlung. Die Hollywoodstreifen laufen zu 90% im Originalton mit nicht lesbaren :p Untertiteln.
    Grausam ist es wenn Filme nachgesprochen werden: Der Originalton wird drastisch runtergeregelt und ZWEI!!! Personen teilen sich alle Rollen. da wird weder auf synchrone Lppenbewegung geachtet oder Gefuehlsregung in die Stimme gelegt, sondern einfach der bulg. Text runtergeplappert. DAS ist grausam o_O
     
  12. Salzstreuer

    Salzstreuer Adams Apfel

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    Deswegen schätze ich meist auch die deutschen Synchronisationen. Die sind i.d.R. wirklich sehr gut.
     
  13. zeno

    zeno Lane's Prinz Albert

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    Solang nur eine Fremdsprache im Spiel ist, ja.
     
  14. Dion

    Dion Friedberger Bohnapfel

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    die synchronisation ist so lang sehr gut, so lang das budget reicht...
     
  15. Catholic

    Catholic Lambertine

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    Die Slowenen senden auch sehr viele Filme im Originalton und mit Untertitel. Vielleicht sind Deutsche und Österreicher einfach nur zu faul Filme im Originalton anzusehen? Wäre auch eine Theorie:)

    Was ich auch interessant finde ist diese "Un"art englische Filmtitel ins Deutsche zu übersetzen. Irgendwo hab ich aml eine Seite gefunden mit den missglücktesten Beispielen. Vielleicht finde ich die ja noch einmal.
     
  16. Ephourita

    Ephourita Adams Parmäne

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    Ich schau mir Filme eigentlich immer im O-Ton an.
    In Serbien und Bosnien werden Filme zu 95% mit Untertiteln gesendet.

    (Eine Tante von mir hat ihre Kinder immer die Untertitel vorlesen lassen, die Mädchen mussten die Texte von den Frauen lesen und die Jungs die von den Männern. Was hab ich gelacht! :D )
     
  17. n/a

    n/a Goldparmäne

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    Das ist in Russland nicht anders. Jedenfalls war das bis vor gar nicht so langer Zeit so. Mittlerweile haben auch die Russen angefangen, richtig zu synchronisieren. Habe dort im August 2007 "Herr der Ringe - die Gefährten" im dortigen Fernsehen angeguckt und war erstaunt über den Fortschritt. War gar nicht schlecht synchronisiert.

    Am lustigsten finde ich es, wenn sie auch noch die Namen im Vor- und Nachspann nachsprechen :). Natürlich nur, solange nicht zu viele auf einmal zu sehen sind. Das fand ich doch etwas befremdlich ;).
     
  18. hbex

    hbex Martini

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    Das ist auch meine Erfahrung, obgleich im russischen Fernsehen viele aktuelle Import-Sendungen nach wie vor wie oben beschrieben ausgestrahlt werden. Ich konnte da gar nicht lange zuschauen, für die dagegen ist das völlig normal. *schauder*

    Wahrscheinlich bin ich mit meiner Meinung ziemlich allein im Forenwalde, aber mir sind viele synchronisierte Filme lieber als die Originale - aber es gibt auch Ausnahmen. Wenn ich mir DVDs anschaue und auf den englischen Originalton umschalte, finde ich viele Filme bei weitem nicht so gut wie auf der deutschen Tonspur - und das, obwohl ich das Englisch doch recht gut verstehe.
     
  19. Macdeburger

    Macdeburger Welscher Taubenapfel

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    „Wunderschön“ hören kann man das auf der Erstauflage von „Dante's Peak“. Auf der polnische Monospur spricht ein Sprecher sehr lustlos alle Rollen. Absolut grausam. :-D
     
  20. Dinofelis

    Dinofelis Leipziger Reinette

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    Vielleicht beruht unsere Geschichte der Synchronisation von Filmen darauf, dass Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, als Filme für das Massenpublikum allgemein noch in den Startlöchern standen, die Filmkultur der Deutschen bereits ziemlich ausgeprägt war?

    Damit meine ich, dass die Deutschen sich von Anfang an sehr für den Film begeistert haben und man mit Filmvorführungen Geld verdienen konnte. Andererseits war das Erlernen weiterer Sprachen außer Latein, Altgriechisch und Französisch für die Massen noch ungewöhnlich, Englisch als Fremdsprache begann sich im Unterricht damals nur sehr langsam durchzusetzen.

    Wir hatten zu Stummfilmzeiten einige der besten Regisseure und Filme der Filmgeschichte hervorgebracht. Stummfilme aus anderen Ländern waren auch kein Problem, die entsprechend übersetzten Tafeln konnten schnell reingeschnitten werden; die Begleitmusik brauchte keine Übersetzung.

    Technisch möglich waren Tonfilmvorführungen schon seit Anfang 1900, aber kommerziell erfolgreich wurden "Talkies" erst ab Ende der 1920er Jahre. In Europa, wo es schon sehr viele berühmte (Stumm-) Filmschaffende gab - wurden die Tonfilme skeptisch diskutiert, weil die Dialoge vom künstlerischen Zweck ablenken konnten.

    Die kommerzielle Verbreitung von Tonfilmen begann in Amerika, d.h. das Film liebende, und nur Deutsch verstehende Massenpublikum konnte den Handlungen irgendwann nicht mehr folgen, als der Ton mehr und mehr zum Handlungsträger wurde und sich damit auch die Bildsprache änderte.

    Als schließlich die produzierenden Studios in Hollywood dazu übergingen, Filme erst im nachhinein (in der eigenen Sprache) zu vertonen (synchronisieren), hat die hiesige Filmwirtschaft sicher erkannt, wie man ohne eigene Verfilmung das Angebot der Kinos dramatisch steigern konnte, nämlich durch Synchronisation.

    Soweit meine persönliche Theorie/Erklärung.

    Fakt ist, dass es deutsche Synchronisationen von Anfang an gab. "Ich küsse Ihre Hand, Madame" (1929) war der erste europäische, synchronisierte Spielfilm - allerdings wurde dort nur ein Gesang vertont, ansonsten gab es keine Dialoge. Daraufhin folgten noch im gleichen Jahr "G'schichten aus der Steiermark" (A), "Das Land ohne Frauen" (D), und "Atlantik" (D), alle drei mit ausgeprägten Dialogszenen.

    Noch ein Aspekt ist die dänisch-deutschen Firma "Tobis Klangfilm", die von Anfang an in Europa die Technik für Tonfilme lieferte, und möglicherweise daran interessiert war, ihre Produkte zu vermarkten, indem sie die Produktion von synchronisierten Filmen eventuell förderte.

    Die Inhalte der letzten zwei Absätze und auch einiges davor habe ich aus dieser Quelle zusammengefasst: http://en.wikipedia.org/wiki/Sound_film

    Ein abstruse (und bitte nicht allzu ernst zu nehmende) Erklärung der weiteren Förderung von synchronisierten Filmen selbst nach Hitlers Putsch wäre vielleicht dessen Vorliebe für Walt Disney Filme (die auch seit Ende der zwanziger Jahre vertont wurden), seine möglicherweise schwach ausgeprägte Beherrschung der englischen Sprache, und seine Ambitionen diese zu verstehen und nachzuahmen.
     
    Irreversibel gefällt das.

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