Auf diese Aussagen muss man auch nie lange warten.
Sie kommen natürlich von Leuten, die überhaupt keine Ahnung vom Musikbusiness und Vertragsverhandlungen zwischen Freiberuflern und deren Vertragspartnern haben. Dass dies ein gänzlich anderes Spiel ist wie eine Gehaltsverhandlung zwischen einem Arbeitgeber und einem Angestellten, die allein schon durch tonnenweise arbeitsrechtliche, tarifrechtliche und sonstige gesetzlichen Vorgaben geregelt ist, sollte man wissen. Hier kann im Prinzip (fast) alles verhandelt werden, weil es nur sehr wenige rechtliche Vorgaben gibt.
Auch dass es da eine gewaltiges Machtgefällte zwischen einem Newcomer und einer Plattenfirma gibt, sollte vielleicht angekommen sein.
Man ist im Musikbusiness erst dann in einer halbwegs guten Verhandlungsposition, wenn man schon sehr erfolgreich ist. Mit einem neuen Musikprojekt, als Newcomer hast du quasi überhaupt keine Verhandlungsposition sondern musst mehr oder weniger das akzeptieren, was dir angeboten wird. DAS ist die Realität!
Bis zum ersten grösseren, nachhaltigen Erfolg ist das ein ziemlich einseitiges Verhältnis, in dem der Musiker recht wenig Möglichkeiten hat, seine Vorstellungen durchzusetzen. Und so gibt es halt die typischen Newcomerverträge und meist erst nach dem 3. Album kann man vielleicht mal erfolgreich nachverhandeln.
Wie heisst es so schön: Schuster bleib bei deinen Leisten!
Wenn man keine Ahnung von einem Geschäft und dessen Regeln hat, so sollte man nicht von aussen so einen Mist behaupten und mit seiner eigenen Welt vergleichen, die nach völlig anderen Regeln funktioniert!
Dass werbefinanzierte Streamingdienste abgeschafft werden, ist zunächst mal zu begrüssen, wie auch das jetzige Geschäftskonzept von Youtube abzuschaffen wäre, dass einzig auf Aneignung und Ausbeutung von Content ohne angemessene Vergütung beruht.
Dass das dem Konsumenten mit seiner umsonst Kultur nicht passt, ist verständlich, aber letztenendes zahlen hier nun seit gut zwei Jahrzehnten im stetig zunehmenden Masse die Lieferanten des Content dafür die Zeche, während die grossen Player des Internet, die Content Distributoren sich die Taschen vollmachen und den Erschaffern des Contents nur Peanuts anbieten, so wie das Spotify tut.
Allerdings ist da Apple auch nicht der Heiland sondern in der Ausbeuterskala nur etwas weniger dreist.
Man muss ihnen aber zu Gute halten, dass sie lange die Fahne immer für halbwegs akzeptable Rahmenbedingungen hochgehalten haben und erst mit Apple Music der erste grosse Schlag ins Gesicht mit den drei kostenlosen Probemonaten ohne jegliche Vergütung erfolgte.
Das nehme ich denen aber immer noch sehr übel, wenn man als milliardenschweres Unternehmen nicht bereit ist, die Promotion für den eigene Streamingdienst selbst zu zahlen sondern auch schon auf andere abzuwälzen, die bei dem Geschäftsmodel Streaming sowieso NIE eine halbwegs akzeptable Vergütung erhalten werden, denn sonst müssten solche Musik Flat Angebote eher 30-40€ im Monat kosten, was so nicht kommen wird,
Lange Rede, kurzer Sinn. Die Folgen dieser neuen Vertriebsmodelle werden so oder so zu negativen Effekten bei der Vielfalt führen und noch stärker Fokussierung auf schnell und einfach zu vermarktende Massenware hinaus laufen. Kulturverlust halt. Aber wir leben ja auch in einer Zeit des stetigen Kulturverfalls...