Nightfall85
Martini
- Registriert
- 25.11.07
- Beiträge
- 656
Ich glaube, dass es sich viele Leute hier zu einfach machen, wenn sie das eine Modell als "böse und total schlecht für die Musiker" ansehen, und das andere als den Heilsbringer anpreisen.
Die Grauzone dazwischen ist noch sehr groß. Vor allem wird mir der Punkt "Reichweite" massiv unterschätzt. Reichweite hat viele Services sehr groß gemacht. Nehmen wir Whatsapp oder Facebook. Die Idee dahinter ist die, dass man zunächst eine solch massive Nutzerbasis generiert, um damit die meisten anderen Konkurrenten auszustechen. Quasi der "alle sind bei Facebook, wieso soll ich mich woanders auch noch anmelden"-Effekt.
Sobald man dann eine solide Marktposition gefestigt hat, kann man sehen, dass man sich umstrukturiert und anfängt ernsthaft Geld damit zu verdienen. Das ist der kritische Moment, wo man nicht zuviele Kunden verprellen darf, aber gleichzeitig auch seinen Profit maximiert.
An diesem Punkt steht nun auch Spotify, und vermutlich sind sie sogar dankbar dafür nun mit "wir werden von der Musikindustrie gezwungen unser Freemium-Modell einzuschränken" argumentieren zu können, lässt sich so der schwarze Peter doch prima weiterschieben.
Aber sie werden nicht von heute auf morgen das komplette Konzept kippen, sondern langsam nach und nach kleine Nachteile für die Free-User einführen. Sowas wie "die Top 100 lassen sich nicht mehr umsonst anhören" oder "1000 Streams im Monat frei", oder was weiß ich, denen wird schon was einfallen.
Das ist aber letztlich für uns Konsumenten mehr oder minder völlig egal, weil es einfach nur Firmenstrategie ist.
Für uns Konsumenten gibt es doch quasi drei Kategorien:
1) diejenigen, die sowieso nicht für Musik zahlen wollen. Aus welchen Gründen auch immer. Sobald sie bei Spotify nicht mehr zufrieden gestellt werden gehen sie halt zu Youtube oder sonstwohin.
2) diejenigen, sie ohnehin für Musik zahlen. Also die jetzigen Premiumkunden. Für die ändert sich ja eh nix.
3) die dazwischen. Und das ist die einzige interessante Gruppe. Etwa Leute wie ich: Ich nutze momentan Spotify Free und Youtube um Musik zu entdecken. Ich will gar nicht groß und lange da Musik hören, sondern mich mal in ne Playlist klicken, nen dutzend Songs anspielen, und wenn ich was finde, das mir gefällt, dann kauf ich mir die CD/Platte.
Oder Leute, die sich vllt sagen "ich hör gar nicht soviel Musik, und für 3-5x im Monat, wo ich Abends ne Stunde Musik höre, die ich nicht auf Platte hab, reicht mir auch das Free-Modell. etc pp
Von Gruppe drei ist eigentlich nur interessant: Wieviele Leute würden für Spotify auch zahlen, wenn die Einschränkungen des Free-Modells größer werden. Das ist die Zahl die wichtig ist. Wenn das bei nahezu Null liegt, wird Spotify überhaupt nix gewinnen, wenn sie das Modell umstellen.
D.H. diese ganze "wir kippen das Freemium Modell"-Geschichte ist nur dann von irgendeiner Relevanz, wenn hinterher ein deutlicher Ansprung von Premium Nutzern festzustellen ist.
Und jetzt kommt der Clou: die Anzahl der Premium Nutzer wächst ja ohnehin, und zwar je schneller, je größer die Reichweite ist. Wenn du 5 Leute kennst, die Spotify Premium haben, wirst du eher dazu neigen dir das mal anzugucken, als wenn du keinen kennst. Und ebenso wenn du 20 Leute kennst, die Spotify Free haben, die aber durch die Werbung genervt sind. Wenn dann einer "konvertiert" und sich Premium zulegt, kann es auch zu Schneeballeffekten kommen. Gibt es keine Free-Option, gibt es das eben nicht.
Wenn nun Spotify ihr Modell umstellt, muss der Zugewinn an Premium Accounts dementsprechend das normale Premium Wachstum mindestens ausgleichen.
Sonst hat auch der Musiker nichts davon. Denn die Auszahlungen sind direkt an Spotifys Umsatz gekoppelt.
Sprich:
Ob 30 Mio Premium User, oder 28 Mio Premium User und 70 Mio Free-User, tut sich im Endeffekt für den Künstler nichts. (Verhältnis ist grob geschätzt, weil ich keinen Plan hab, wie groß da wie Werbeeinnahmen sind)
Nur Spotify steht natürlich was Reichweite und Verhandlungsposition etc angeht wesentlich schlechter da.
Und Reichweite sollte man wie gesagt nicht unterschätzen. Es gab/gibt zig Bands, deren Songs man for Free auf Youtube anhören kann, weil die sich einfach einen größeren Bekanntheitsgrad erhoffen. So funktioniert das gesamte Musikbusiness. Zig Bands spielen für umsonst (und legen sogar drauf), nur um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Aber nur so funktioniert es heutzutage. Wenn du Geld verdienen willst, muss du zunächst mal eine Fangemeinde haben. Und übers Internet kann man halt Glück haben, wenn man mal viral durchs Netz geht. Das beste Beispiel ist PSY mit Gangnam Style. Der Typ hat vorher 20 Jahre genau dieselbe Musik gemacht, keinen hat es interessiert. Der eine Song ging viral und hat ihn mega reich gemacht und seitdem hört man auch nix mehr.
Auf sowas muss man als Musiker heutzutage hoffen. Ansonsten ist die Konkurrenz einfach viel zu riesig und es gibt immer wen, der es noch billiger macht.
Ob die Indie-Band nun statt 300€ 320€ im Monat verdient, die sie dann durch 5 Köpfe teilen dürfen.. macht den Kohl auch nicht fett. Ihr Geld verdienen sie dadurch, dass zum Konzert nicht 100 Leute kommen, die sie regelmäßig bei Spotify Premium hören, sondern, dass da 1000 Leute kommen, die sie bei Spotify Free hören.
Die Grauzone dazwischen ist noch sehr groß. Vor allem wird mir der Punkt "Reichweite" massiv unterschätzt. Reichweite hat viele Services sehr groß gemacht. Nehmen wir Whatsapp oder Facebook. Die Idee dahinter ist die, dass man zunächst eine solch massive Nutzerbasis generiert, um damit die meisten anderen Konkurrenten auszustechen. Quasi der "alle sind bei Facebook, wieso soll ich mich woanders auch noch anmelden"-Effekt.
Sobald man dann eine solide Marktposition gefestigt hat, kann man sehen, dass man sich umstrukturiert und anfängt ernsthaft Geld damit zu verdienen. Das ist der kritische Moment, wo man nicht zuviele Kunden verprellen darf, aber gleichzeitig auch seinen Profit maximiert.
An diesem Punkt steht nun auch Spotify, und vermutlich sind sie sogar dankbar dafür nun mit "wir werden von der Musikindustrie gezwungen unser Freemium-Modell einzuschränken" argumentieren zu können, lässt sich so der schwarze Peter doch prima weiterschieben.
Aber sie werden nicht von heute auf morgen das komplette Konzept kippen, sondern langsam nach und nach kleine Nachteile für die Free-User einführen. Sowas wie "die Top 100 lassen sich nicht mehr umsonst anhören" oder "1000 Streams im Monat frei", oder was weiß ich, denen wird schon was einfallen.
Das ist aber letztlich für uns Konsumenten mehr oder minder völlig egal, weil es einfach nur Firmenstrategie ist.
Für uns Konsumenten gibt es doch quasi drei Kategorien:
1) diejenigen, die sowieso nicht für Musik zahlen wollen. Aus welchen Gründen auch immer. Sobald sie bei Spotify nicht mehr zufrieden gestellt werden gehen sie halt zu Youtube oder sonstwohin.
2) diejenigen, sie ohnehin für Musik zahlen. Also die jetzigen Premiumkunden. Für die ändert sich ja eh nix.
3) die dazwischen. Und das ist die einzige interessante Gruppe. Etwa Leute wie ich: Ich nutze momentan Spotify Free und Youtube um Musik zu entdecken. Ich will gar nicht groß und lange da Musik hören, sondern mich mal in ne Playlist klicken, nen dutzend Songs anspielen, und wenn ich was finde, das mir gefällt, dann kauf ich mir die CD/Platte.
Oder Leute, die sich vllt sagen "ich hör gar nicht soviel Musik, und für 3-5x im Monat, wo ich Abends ne Stunde Musik höre, die ich nicht auf Platte hab, reicht mir auch das Free-Modell. etc pp
Von Gruppe drei ist eigentlich nur interessant: Wieviele Leute würden für Spotify auch zahlen, wenn die Einschränkungen des Free-Modells größer werden. Das ist die Zahl die wichtig ist. Wenn das bei nahezu Null liegt, wird Spotify überhaupt nix gewinnen, wenn sie das Modell umstellen.
D.H. diese ganze "wir kippen das Freemium Modell"-Geschichte ist nur dann von irgendeiner Relevanz, wenn hinterher ein deutlicher Ansprung von Premium Nutzern festzustellen ist.
Und jetzt kommt der Clou: die Anzahl der Premium Nutzer wächst ja ohnehin, und zwar je schneller, je größer die Reichweite ist. Wenn du 5 Leute kennst, die Spotify Premium haben, wirst du eher dazu neigen dir das mal anzugucken, als wenn du keinen kennst. Und ebenso wenn du 20 Leute kennst, die Spotify Free haben, die aber durch die Werbung genervt sind. Wenn dann einer "konvertiert" und sich Premium zulegt, kann es auch zu Schneeballeffekten kommen. Gibt es keine Free-Option, gibt es das eben nicht.
Wenn nun Spotify ihr Modell umstellt, muss der Zugewinn an Premium Accounts dementsprechend das normale Premium Wachstum mindestens ausgleichen.
Sonst hat auch der Musiker nichts davon. Denn die Auszahlungen sind direkt an Spotifys Umsatz gekoppelt.
Sprich:
Ob 30 Mio Premium User, oder 28 Mio Premium User und 70 Mio Free-User, tut sich im Endeffekt für den Künstler nichts. (Verhältnis ist grob geschätzt, weil ich keinen Plan hab, wie groß da wie Werbeeinnahmen sind)
Nur Spotify steht natürlich was Reichweite und Verhandlungsposition etc angeht wesentlich schlechter da.
Und Reichweite sollte man wie gesagt nicht unterschätzen. Es gab/gibt zig Bands, deren Songs man for Free auf Youtube anhören kann, weil die sich einfach einen größeren Bekanntheitsgrad erhoffen. So funktioniert das gesamte Musikbusiness. Zig Bands spielen für umsonst (und legen sogar drauf), nur um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Aber nur so funktioniert es heutzutage. Wenn du Geld verdienen willst, muss du zunächst mal eine Fangemeinde haben. Und übers Internet kann man halt Glück haben, wenn man mal viral durchs Netz geht. Das beste Beispiel ist PSY mit Gangnam Style. Der Typ hat vorher 20 Jahre genau dieselbe Musik gemacht, keinen hat es interessiert. Der eine Song ging viral und hat ihn mega reich gemacht und seitdem hört man auch nix mehr.
Auf sowas muss man als Musiker heutzutage hoffen. Ansonsten ist die Konkurrenz einfach viel zu riesig und es gibt immer wen, der es noch billiger macht.
Ob die Indie-Band nun statt 300€ 320€ im Monat verdient, die sie dann durch 5 Köpfe teilen dürfen.. macht den Kohl auch nicht fett. Ihr Geld verdienen sie dadurch, dass zum Konzert nicht 100 Leute kommen, die sie regelmäßig bei Spotify Premium hören, sondern, dass da 1000 Leute kommen, die sie bei Spotify Free hören.

