Artikel: Über Apples Verantwortung gegenüber Fernost

jomi

Kleiner Weinapfel
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Ich finde es höchst amüsant, wie sich hier fast alle über die Beiträge von g.v.s und tim-maximilian aufregen…
Denn, liebe Kritiker, seid mal ehrlich: Forscht ihr nach, wo und von wem eure Kleidung genäht wurde – oder sucht ihr nicht doch nach Preis/Marke aus? Wisst ihr, woher das Fleisch kommt, was ihr im Discounter für 3.99€/kg kauft?

Ich weiß es nicht – und bin sehr froh darüber. Denn wenn ich das wüsste, hätte ich wohl andauernd ein schlechtes Gewissen.
Wir haben beim Kaufen selten die Wahl zwischen moralisch und unmoralisch – wir haben nur die Wahl zwischen wissen und nicht wissen, zwischen schlechtem Gewissen und Unwissen.

Daher hören sich die Beiträge von g.v.s und tim-maximilian zwar unschön an, aber sie beschreiben exakt das Prinzip, nachdem die übergroße Mehrheit der Menschen [*] heutzutage (wenn auch unbewusst) lebt.
Es spricht also sogar für die beiden, dass sie sich dessen überhaupt bewusst sind – denn ohne dieses Bewusstsein könnten sie nichts ändern, sie wüssten ja noch nichtmal, dass man irgendwas ändern kann.

[*] größer als der Marktanteil von Windows ;)


und zum eigentlichen Thema:
Es fehlt, wie skepsis schon erwähnte, der Kontext um die Daten aus dem Bericht zu beurteilen.
Auf jeden Fall gehört Apple mein Respekt dafür, dass sie öffentlich über dieses Thema sprechen und dem sogar einen Platz auf ihrer Startseite (zumindest auf apple.com, aktuell nicht auf apple.com/de/ ) einräumen – denn wenn sie das nicht getan hätten, würden wir gar nicht drüber reden.
 

.pq

Cox Orange
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Ich finde es zum einen gut, dass Apple sich dafür einsetzt, und es wäre mir auch noch ein paar Euro mehr wert, da ich es nicht Ok finde wenn es den Arbeitern schlecht geht, und mein Mac bei der Herstellung nicht liebevoll genug behandelt wurde :D.

Auf der anderen Seite ist es so, dass niemand direkt gezwungen wird dort zu arbeiten, und es, wie bereits beschrieben, nicht (oder vielleicht fast nicht, ich weiß aber nicht wie) geht, dass es allen Menschen gleich gut geht. Und es ist (meiner Meinung nach) auch nicht unbedingt nur Apples Aufgabe sich um die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien zu kümmern, sondern auch das Problem der einzelnen Länder (zB China), auch wenn es Apples Firmenauswahl ist.
 

Apflap

Süsser Pfaffenapfel
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Danke für diesen Beitrag Phil o´Soph!

Du sprichst mir in vielem wirklich aus der Seele.

Wenn jemand die macht hatt (ohne existentielle Einbußen) Einfluss zu nehmen, dann sind es solche Großkonzerne (wie eben auch Apple) mit ihren gewaltigen Margen und Geldreserven!

Ein produkt muss nicht gleich im (End-)Preis teurer sein um Moralisch integer zu sein.

Ich denke allerdings das mann, wenn mann in einer ausreichend priviligierten Lebenssituation ist, die Ansprüche an den eigenen Lebensstandard etwas zurücknehmen sollte um, zum Beispiel durch bewussteres Konsumieren, seinen Wohlstand mit dem Rest der welt zu teilen.
Denn effektiv können wir denke ich nur dann lebenswürdige Umstände für wirklich alle Menschen dieses Planeten schaffen (und meiner Überzeugung nach am liebsten auch so weit wie möglich über die Grenzen der menschlichen Spezies hinaus), wenn wir unseren Wohlstand teilen.

Puh ich merke ich verliere mich schon wieder in Utopien:innocent:
Aber naja schließlich sind träume dazu da um ihrer Verwirklichung entgegenzustreben:p

In diesem sinne!
Apflap
 

Apflap

Süsser Pfaffenapfel
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Ich finde es höchst amüsant, wie sich hier fast alle über die Beiträge von g.v.s und tim-maximilian aufregen…
Denn, liebe Kritiker, seid mal ehrlich: Forscht ihr nach, wo und von wem eure Kleidung genäht wurde – oder sucht ihr nicht doch nach Preis/Marke aus? Wisst ihr, woher das Fleisch kommt, was ihr im Discounter für 3.99€/kg kauft?

Ich weiß es nicht – und bin sehr froh darüber. Denn wenn ich das wüsste, hätte ich wohl andauernd ein schlechtes Gewissen.
Wir haben beim Kaufen selten die Wahl zwischen moralisch und unmoralisch – wir haben nur die Wahl zwischen wissen und nicht wissen, zwischen schlechtem Gewissen und Unwissen.

Daher hören sich die Beiträge von g.v.s und tim-maximilian zwar unschön an, aber sie beschreiben exakt das Prinzip, nachdem die übergroße Mehrheit der Menschen [*] heutzutage (wenn auch unbewusst) lebt.
Es spricht also sogar für die beiden, dass sie sich dessen überhaupt bewusst sind – denn ohne dieses Bewusstsein könnten sie nichts ändern, sie wüssten ja noch nichtmal, dass man irgendwas ändern kann.

[*] größer als der Marktanteil von Windows ;).
Sicher spricht es für die beiden das sie ihr Lebensprinzip (scheinbar) kennen, allerdings signalisieren beide doch das sie mit ihrer Lebensituation soweit zufrieden sind?!(also den status quo beibehalten wollen)
und das spricht denke ich absolut nicht für sie!

Denn auch wenn das jetzt vielleicht überheblich b.z.w Eitell klingt: wenn ich die chance habe mich zum positiveren zu verändern, dann sollte ich sie auch nutzen, deshalb versuche ich nun seit zwei Jahren zunehmendst so bewusst wie möglich zu Konsumieren.

Was die problematik des Unwissens anbelangt:
Sollten wir nicht gerade deshalb den öffentlichen diskurs fördern und die Menschen auf solche Misstände hinweisen, um sie dazu anzuregen sich über die Produkte die sie Konsumieren zu informieren?

Hierzu kann ich mich nur wiederholen und erneut auf die Kampagnen-/Initiativenidee hinweisen, die ich in meinem vorletzten Beitrag erwähnt hatte.
 

The Flash

Jamba
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Ich weiß es nicht, glaube aber nicht, dass es irgendwelche Elektronikprodukte gibt, die nicht in fernöstlichen Billiglohnländern (China, Taiwan, Vietnam, Korea etc.) hergestellt werden. Auch bei Klamotten ist es schwierig, fair produzierte Teile zu bekommen, aber das ist OT.

@Irreversibel: Danke, du sprachst mir aus der Seele!

Moment mal! Taiwan ist kein Billiglohnland, deren Firmen lassen deshalb selber in China produzieren. Und bei Kaufkraftparität haben die ähnliches Pro-Kopf-Einkommen wie in Deutschland! Südkorea ist ebenfalls keins. Du solltest nicht alle Länder über einen Kamm nur weil sie in der selben Gegend liegen ohne dich zuvor informiert zu haben.
 

NYCVEC

Cox Orange
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Find ich schon sehr Schlimm :(
Ich würd lieber 100 Euro mehr für einen Mac ausgeben, wenn ich dafür sicher kein kann, das jeder gut behandelt wird und auch keine Kinder arbeiten müssen usw. :oops:
 

skappley

Apfel der Erkenntnis
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Ich würd lieber 100 Euro mehr für einen Mac ausgeben, wenn ich dafür sicher kein kann, das jeder gut behandelt wird und auch keine Kinder arbeiten müssen usw. :oops:
Das Problem ist ja, wie hier schon ein paar mal geschrieben wurde, die Gewinnorientierung der Unternehmen. Würde Apple 100 Euro mehr für einen Mac verlangen, würden sie gleichzeitig den Arbeitern in China nochmal 2 Euro mehr abknöpfen nur um dann 102 Euro mehr Gewinn einzufahren...
 

Macbeth

Braeburn
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Moment mal! Taiwan ist kein Billiglohnland, deren Firmen lassen deshalb selber in China produzieren. Und bei Kaufkraftparität haben die ähnliches Pro-Kopf-Einkommen wie in Deutschland! Südkorea ist ebenfalls keins. Du solltest nicht alle Länder über einen Kamm nur weil sie in der selben Gegend liegen ohne dich zuvor informiert zu haben.
Okay, nehme Taiwan zurück! Südkorea habe ich aber nicht geschrieben, sondern nur Korea (und dabei an Nordkorea gedacht...);)

Ich denke aber, dass es bei meiner Aussage nicht entscheidend auf die Richtigkeit der Länder ankam.

Zwei Dinge will ich noch loswerden:

Zum einen denke ich nicht, dass soziale (und ökologische) Verantwortung und unternehmerisches gewinnorientiertes Handeln unüberbrückbare Gegensätze darstellen. Es gibt immer wieder auch positive Beispiele dafür, dass beides zusammen funktionieren kann (mir fallen da auf die Schnelle z. B. Trigema und die Teekampagne ein). Der Blick für die soziale Verantwortung von Unternehmern scheint diesen aber heutzutage häufig verloren gegangen zu sein (oder sie haben ihn nie gehabt....). Es zählt dann halt nur noch der "shareholder value".

Zum anderen müssen wir uns als Verbraucher in der Tat die Frage stellen, wie viel wir wissen wollen. Es ist sicher viel einfacher, die Augen und Ohren einfach zuzumachen und möglichst billig einzukaufen ohne Rücksicht darauf, was in der Ware drinsteckt und wie sie produziert wurde. Ich nehme mich da selbst gar nicht aus. Zudem ist ein günstiger Einkauf für viele Leute schlicht überlebensnotwendig. Wenn man aber mal anfängt darüber nachzudenken, stellt man fest, dass ganz viel im Argen liegt und dann kommt halt das schlechte Gewissen. Und wenn man ein schlechtes Gewissen hat, wird man vielleicht irgendwann sein Verhalten ändern. Und wenn viele Leute ein schlechtes Gewissen haben, werden viele Leute ihr Verhalten vielleicht ändern. Und wenn viele Leute ihr Konsumverhalten ändern, werden auch Unternehmen ihr Verhalten ändern, denn sie sind äußerst sensibel gegenüber dem Verhalten ihrer Kunden. Ich glaube, dass wir Konsumenten eigentlich eine große Macht haben, wir sind uns ihr nur nicht bewusst!

Grüßle, Oliver
 
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Es ist doch sowieso viel zu krass, wie die Leute in Fernost wegen unserer "Billigmentalität" leiden müssen...
 

fraed

Fießers Erstling
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Also mal ganz ehrlich. Es scheint so, als ginge es den asiatischen Arbeiten in diesen Werken weitaus besser als zum Beispiel den (Assistenz-)Ärzten in Deutschland. Ungerechte Arbeitsbedingungen herrschen nicht nur in Asien, sondern auch direkt bei euch in der Stadt. Im Krankenhaus. Im Altersheim.. ;)
 

.pq

Cox Orange
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Es ist doch sowieso viel zu krass, wie die Leute in Fernost wegen unserer "Billigmentalität" leiden müssen...
Billig ist, finde ich, bei Apple vielleicht ein Argument für den Erfolg der letzten Jahre, aber Leute die schon länger beim Mac sind stören sich kaum an hohen Preisen.
 

MBSoft

Oberösterreichischer Brünerling
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.....jaja, ist doch immer die gleiche Geschichte. Ob beim Kaffee, den Rohstoffen, oder eben unseren "Luxusartikeln". Wenn man als Hersteller erstmal auf dem Marktanteil-Trip ist, geht es nur noch über Stückzahlen und damit halt den Preis. Vielleicht sollte Apple die Rechner wieder in USA herstellen, den Preis verdreifachen und die Stückzahlen damit dritteln. Dann immer die neuste Technik rein, beste Displays, BluRay etc. Drei Jahre Garantie mit VorOrtService und lebenslanger Telefonservice. Da Apple ja auch das Betriebssystem selbst herstellt, gibt es für sie eigentlich keinen Grund einem hohen Marktanteil nachzurennen. Leider haben sie den Fehler gemacht, sich auf eine recht schnelle Abwärtsspirale beim Preis einzulassen. Vergleicht man z.B. den iMac mit den (wenigen) Konkurrenten von Sony oder HP, so ist er teils das günstigste Gerät. Das muss nicht sein. Apple hätte sich lieber ein wenig mehr bei den Schweizer Luxusuhrenmarken abschauen sollen, als bei Nike...
 

skepsis

Westfälische Tiefblüte
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@ MBSoft
Wahnsinn! Teile doch deine Expertise mal direkt mit Apple Management, damit die nicht weiter so planlos Entscheidungen treffen müssen!
 

jomi

Kleiner Weinapfel
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@MBSoft: Herzlichen Glückwunsch! Ich höre zum ersten Mal überhaupt das Argument, dass Apple viel zu billig sei… :D

Ich gehe im übrigen davon aus, dass Apple nach dem Umweltschutz jetzt ein neues Thema auf die Tagesordnung setzen möchte. Ziel wäre dann natürlich, andere Hersteller unter Druck zu setzen, sodass auch diese gedrängt werden, öffentlich über ihre Fertigungsbedingungen zu berichten und diese zu erforschen. Neben der ethischen Komponente hätte das auch den netten Nebeneffekt, dass es deren Herstellungskosten vermutlich stärker erhöhen würde [*] als die von Apple. Sprich, deren ohnehin schon marginalen Gewinnmargen würden noch weiter schrumpfen, während Apple weiterhin hohe Margen hätte. Idealerweise müssten die anderen Firmen sogar die Preise erhöhen…
;)

[*] Denn ich denke mal, wir können davon ausgehen, dass Apple mit einer solchen PR-Aktion kein selbstverletzendes Verhalten offenbaren will, sondern sich sicher ist, dass sie im Verhältnis zu HP, Dell, Sony, etc. sehr gut abschneiden.
 

Apflap

Süsser Pfaffenapfel
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Es ist doch sowieso viel zu krass, wie die Leute in Fernost wegen unserer "Billigmentalität" leiden müssen...
Unsre Billigmentalität ist sicherlich auch höchst ekelhaft, aber am meisten leiden diese Menschen denke ich an der Profitlogik mit der so gut wie alle Großunternehmen der Industrienationen funktionieren.
 

Irving

Lambertine
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.pq

Cox Orange
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Bei Gizmodo (US Version) wurde in den letzten Wochen viel über die Arbeitsbedingungen und die die Selbstmorde berichtet.
 

Irving

Lambertine
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Jobs persönlich hat dafür gesorgt, dass Gizmodo-Red. Chen Opfer einer durchaus fragwürdigen, polizeilichen Durchsuchung wurde. Offiziell ging es um einen iPhone-Prototypen. Aber das halte ich persönlich für absoluten Quatsch, wenn Apple plötzlich gegen die eigene 'Leak'-Werbekampagne vorginge. Die Jungs berichten einfach zu offenherzig von Hintergründen, die Jobs nicht in der Öffentlichkeit sehen will, weil er sich auch sonst einen Kehricht drum schert.
http://www.gizmodo.de/2010/04/27/polizei-beschlagnahmt-jason-chens-computer.html
http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,691401,00.html
http://www.macwelt.de/artikel/_News...bs_wurde_persoenlich_bei_gizmodo_vorstellig/1

Wäre doch mal interessant, wenn Jobs bei einer Keynote mit entsprechenden Fragen zu Arbeitsbedingungen seines Egomanen-Paradieses konfrontiert würde. Ich denke, Menschen bringen sich nicht leichtfertig um. In China ist man einiges gewohnt. Da wird also wohl noch viel mehr im Argen sein als wir hier zu lesen und hören kriegen.