Ich glaube, der Punkt wird oft verwechselt: Apple „bevorzugt“ sich nicht selbst, sondern schützt die eigene Plattform. Das ist keine staatliche Infrastruktur, sondern ein privatwirtschaftliches, geschlossenes System mit (zumindest vermarktet) bewusst kontrollierter Qualität und Sicherheit. Genau das macht ja den Unterschied zu offenen Plattformen aus.
Genau die Tatsache, dass Apple die eigene Plattform schützt, ist ja aus wettbewerbsrechtlicher Sicht das Problem. Durch die bereits etablierte Marktposition in einigen Bereichen fällt es Apple eben leicht sich eine bedeutende Marktposition in anderen Bereichen zu sichern. Natürlich ist das zu einem gewissen Punkt naturgegeben: Wäre das iPhone zu exakt der gleichen Zeit durch ein Startup mit den gleichen Funktionen vorgestellt worden, wäre es sicher kein entsprechender Erfolg geworden. Apple hatte natürlich gleich eine mediale Präsenz und war auf den Titelseiten. Diesen Fakt hat man dann aber eben auch auf den AppStore ausgeweitet, in dem man dies zum einzigen Weg machte Software auf ein iPhone (und später iPad zu bekommen). Und hier ist man eben wirklich Gatekeeper, weil man eben - rein von Inhalt und Funktion - nicht jede App zulässt. Und dann darf jeder Entwickler noch zahlen. Ich frage mich seit meinem iPhone 3GS, warum es nicht möglich sein - analog zum Mac - Apps von einer Website zu laden, selber zu kompilieren. Gerne auch nach einer Sicherheitsabfrage - wie heutzutage auf dem Mac üblich.
Und es ist ja nicht so, dass Apple ganz alleine wäre. DMA und DSA sind ja nun keine Lex Apple. Und auch zuvor musste Microsoft schon federn lassen und z.B. Windows eine Zeit auch ohne Internet Explorer anbieten. Weil man eben auch hier über Windows sich den Browsermarkt gesichert hat. Wie erfolgreich diese Maßnahme am Ende war, steht natürlich auf einem anderem Blatt.
Ich frage mich manchmal ehrlich, warum sich manche so darüber freuen, wenn Apple Gegenwind bekommt. Mir fällt oft auf, dass es fast eine gewisse Genugtuung auslöst, sobald Apple etwas verliert oder eingeschränkt wird.
Ich würde mich viel mehr freuen, wenn es gar nicht nötig wäre, Apple in die Schranken zu weisen. Apple hat zwar kein Monopol, aber wir haben hier bei Mobilsystemen ein Duopol. Und auch hier ist es so, dass die EU nicht nur Apple im Visir hat. Google ist hier aber wie mir scheint deutlich kooperativer. Ich halte es für wichtig, dass Apple und Google hier eben nicht frei schalten und walten können. Es gibt hier nämlich keinen funktionierenden Wettbewerb.
Und nebenbei: Wenn man die Verbindung zu einer Smartwatch als Teil des "Gatekeeper"-Parts von Apple sieht, dann wird mir schlecht bei der Bedeutung von Smartwatches.
Stand heute sieht nur Apple das als Gatekeeper-Part. Die EU hat hier bisher nichts gefordert.
Angenommen, Edeka gäbe es noch nicht. Sie kommen auf den Markt und verkaufen nur Gut & Günstig. Ich finde das super, mag das Zeugs, gehe nur deswegen zu Edeka. Es ist ihr Geschäftsmodell, weil sie da die Kontrolle drüber haben, sehen, was die Kunden kaufen, was sie wollen, was sie brauchen.
Bis hier beschreibst du das frühe Aldi.
Sie werden riesig, in jeder Stadt gibt es einen Edeka. Ich will gar nichts anderes, auch wenn schon Jahre vorher Supermärkte existierten und es quasi ein Standard ist, so wie das aufgebaut ist. Es läuft. Ich möchte auch nur mit der Edeka-Debit-Karte da zahlen, weil ich es einfach easy finde.
Wenn du das wirklich möchtest, bis hier doch gar kein Problem.
Dazu möchte ich auch das Edeka-Handy nutzen, denn nur auf dem kann ich die neuesten Angebote sehen.
Hier kommen wir an den Punkt wo es schwierig werden könnte - aber Edeka hätte gar kein Interesse daran, dass ich deren Angebote auf meinem Rewe-Phone nicht sehen könnte. Die wollen ja, dass ich bei denen einkaufen gehe und das tue ich eher, wenn ich über Angebote bescheid weiss. Aber könnte ich nur mit Edeka-App auf dem Edeka-Handy einkaufen, nachdem Edeka sich z.B. 90% Marktanteil gesichert hätte, würden hier die Behörden auch eingreifen müssen und Auflagen erteilen oder sogar eine Zerschlagung anordnen. Eben weil Edeka dann die Marktmacht ausnutzen würde, um die Position auch auf den Handymarkt auszuweiten.
Das ist Kapitalismus. Warum wird man es regulieren wollen? Für die, die sich benachteiligt fühlen?
Bei den Supermärkten ist es erstmal eben kein Duopol - aber auch hier haben Kartellbehörden schon eingegriffen. Als real filetiert wurde, durfte auch kein Wettbewerber einfach alle Filialen übernehmen. Alleine bundesweit gibt aber Rewe/Penny, Edeka/Netto, Aldi und Lidl. Daneben gibt es auch lokale Anbieter wie Tegut oder die Bünting-Gruppe mit Combi und famila.
Ich habe oft das Gefühl, ich sehe das aus einer anderen Perspektive, denn ich arbeite mit keinerlei anderen Geräten, außer denen von Apple. Vermutlich würde man es anders sehen, wenn:
- man seine Software über Apple an den Mann bringen will
- man noch andere Geräte nutzen (möchte), und daher möchte, dass alles irgendwie untereinander reibungslos funktioniert.
Es geht ja nicht nur darum Software über Apple an den Kunden zu bringen. Es geht ja darum, dass man es für eine der beiden bedeutenden Mobilplattformen praktisch nur über Apple kann. Wenn Apple hier - aus welchen Gründen auch immer - sagt, die App kommt nicht in den App Store, fehlt hier schon ein beachtlicher Teil des potenziellen Marktes. Weil eben nicht mehr jeder Handynutzer, die App nutzen kann. Das kann gewissen Geschäftsmodellen von vorneherein das Genick brechen.
Warum wollen sie das nicht? Ich kann zwar nur spekulieren, aber ich hätte da auch meine Bedenken. Denn die fremden Smartwatches hat Apple nicht unter Kontrolle. Wohin dann die WLAN Passwörter von der Smartwatch dann noch übertragen werden, kann Apple nicht kontrollieren. Das widerspricht jeglichem Datenschutz, den Apple verspricht.
Von daher kann ich für diesen Fall sehr gut verstehen, dass sie die Funktion lieber abschalten als ein Sicherheitsloch automatisch zu öffnen.
Aber bisher hat niemand gefordert, dass Apple die WLAN-Daten weitergibt. Und ein Hinweis - vor der Übertragung - dass mit Freigabe der Übertragung der Datenschutz nicht mehr gewährleistet werden kann und gut wäre es für mich. Apps können ja auf dem iPhone auch Zugriff auf Kamera, Kontakte, Bilder etc. auch erst nach Freigabe erhalten - und auch da kann Apple nicht wirklich kontrollieren, wo die Daten alle hin abfließen. Das ist aber kein Datenschutz-Problem