Was ich mich ja immer bei so einer Diskussion frage: Es wird ständig auf das Betriebssystem abgehoben und dass man doch ein "freies" Linux System stattdessen nutzen könnte. Sieht mann) nicht, dass sämtliche Chips ebenfalls in US-Hand sind? Damit meine ich nicht nur die CPU/GPU Prozessoren, sondern auch alles andere. Wie steht es denn da um "Unabhängigkeit"?
Das Thema ist eigentlich jedem, der sich zu diesem Themenkomplex engagiert, nur zu gut bewusst. Es geht um den kompletten Stack, d.h. Hardware, Firmware und Betriebssystem. Eine der wenigen sauberen Systeme, die man kaufen konnte war von Raptor Computing eine Power9 Workstation, auch wenn das aus US Produktion war. Es gab nie einen Nachfolger, weil IBM für die Power10 Generation keine FOSS Firmware mehr anbieten wollte. Die aktuelle Power11 Generation ist nicht mehr wirklich mit x86 Systemen von AMD konkurrenzfähig, so dass sich die Frage nach einer Power11 Workstation nicht mehr stellt. Die Features dieser neuen CPU sind so extrem auf Serverbetrieb mit hohen IO getrimmt, dass ein anderer Einsatzzweck keinen Sinn mehr ergibt.
Es gibt aktuell nur einige wenige SBCs, die die Vorbedingungen erfüllen. Allerdings hat man bei x86, ARM und Power das Problem, dass die Befehlssätze von Firmen aus den USA kontrolliert werden bzw. bei ARM das eine britische Firma im Besitz eines japanischen Eigners (Softbank) ist.
China setzt daher konsequent auf Linux mit RISC-V Hardware. Der RISC-V Befehlssatz ist Opensource und kann daher von keinem Staat kontrolliert werden. Daher wäre es das sinnvollste, wenn man in der EU unabhängig sein wollte, ebenfalls auf RISC-V zu setzen oder man müsste was eigenes auf die Beine stellen. ARM wegen der potentiellen Kontrolle aus dem Ausland bietet sich nicht an.
Wer sich für RISC-V interessiert schaut sich am besten
folgendes Video an. Man darf sich nicht über aktuelle Performance wundern, da ist noch viel Arbeit zu leisten: siehe Videos von
Level1Techs oder
EC.
Dann wird ein Thema üblicherweise gnadenlos unterschätzt – die Firmware. Bei einem PC und noch sehr viel schlimmer bei einem aktuellen Mac hast Du nicht wirklich die Kontrolle über Deinen Computer, weil Du nicht kontrollieren kannst was über die Firmware an Software läuft bevor das Betriebssystem geladen wird. Bei Apple ist man bereits einen Schritt weiter.
Über Macs besitzt Du als Eigentümer gar keine Kontrolle mehr – sprich Apple kontrolliert die komplette Hardware, die Firmware und das Betriebssystem. Du kannst also nicht wissen, was die Kiste vor Dir verbirgt. Da Du keinerlei Zugriff auf das OS hast, kannst Du nicht sehen, ob ein US Spionagesoftware im Hintergrund läuft bzw. für so etwas eine Backdoor im System existiert.
Sehr aufschlussreich ist es sich den Rechtsstreit des britischen Guardians mit der britischen Regierung durchzulesen. Im Rahmen der Snowden Berichterstattung wurde der Guardian dazu verurteilt die Daten zu vernichten. Da sie vor Gericht einen Teilerfolg erringen konnten, die Computer waren Eigentum des Guardians und mussten somit nicht dem GCHQ (das britische Gegestück zur NSA) übergeben werden, wurden sie dazu verurteilt unter Aufsicht des GCHQs die Computer zu zerstören. Da die Computer Eigentum des Guardians waren und blieben, hat der Guardian ausführlich darüber berichtet, was sie unter Überwachung des GCHQs zerstören mussten, und das war weit mehr als man als Normalbürger annehmen würde.
Siehe dieses Video
P.S. Das ganze Thema hat wenig bis gar nichts mit Trump zu tun, seit vielen Jahren sind US Regierungen dabei ihre Verbündeten systematisch auszuspionieren – siehe auch den
Crypto AG Skandal. Es gibt zwischen Trump und seinen Vorgänger einen wesentlichen Unterschied: Trump lügt niemanden mehr an, er sagt den Verbündten offen ins Gesicht was Sache ist.