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Spätestens seit der iCloud, die – im Gegensatz zu den Vorgängern – in der Grundversion kostenlos ist, sollte es jedem Apple-Kunden klar sein: Die Daten der Zukunft liegen in der Cloud – zumindest wenn es rein nach Apple ginge. Ständige Verfügbarkeit und problemloses Synchronisieren zwischen verschiedenen Geräten sind schlagende Argumente, die sich nicht von der Hand weisen lassen. Gerade im Hinblick auf die in diesem Jahr aufgedeckten NSA-Abhöraffären bleibt bei vielen verständlicherweise aber ein fader Beigeschmack, wenn persönliche Daten in die Wolke geladen werden sollen oder durch Mavericks – will man im Apple-Ökosystem bleiben – quasi müssen. Unsere Redakteure Till Eckert und Dimitri Roschkowski kommentieren die aktuellen Ereignisse.[PRBREAK][/PRBREAK]
Die Cloud vermeiden, weil meine Daten ausgespäht werden? Angebracht wäre es eher, Butter bei die Fische zu lassen.
von Till Eckert
Ja, Snowden tat einen großen Dienst, als er aussprach, was doch im Grunde genommen schon lange bekannt war. Mittlerweile dürfte aber auch der letzte Journalist davon überzeugt davon sein, dass breit gefächertes Fischen im Datenteich zwar nicht zum guten Ton gehört – wohl aber einfach dazu. Zum Internet nämlich. Dieses ungreifbare Ding da, das wir seit Jahrzehnten mit Informationen füttern. Vor allem freiwillig. Sogar im ganz großen Stil, und nicht erst seit man uns Facebook gegeben hat. Von Amazon bis Zalando kennt mittlerweile jeder beinahe alles von und über uns, das er benötigt, um uns mit gezielter Werbung vollmüllen zu können. Was früher heilig war – nämlich unsere Privatsphäre – ist es online wie offline schon lange nicht mehr, vor allem wenn man das auf die eigene Adresse und Haustelefonnummer herunterbrechen möchte. Einige beharren darauf, sie hätten sich selbst ja nicht ver-online-t und seien nicht betroffen. Dass dies auch ohne eigenes Zutun längst geschehen ist und unsere Daten beinahe frei zugänglich sind, das dürfte auch unsere Bundeskanzlerin kürzlich eher schmerzhaft zu spüren bekommen haben.
Wer aber trägt denn nun die Schuld an der Misere? Die Antwort ist so einfach, wie ernüchternd: Wir selbst. Wir nutzen das Internet als virtuellen Zweitwohnsitz und wundern uns, dass dies Werbegeier und Geheimdienste auf den Plan ruft – und unseren Hausstand von vorn bis hinten einsehen können. Natürlich ist das nicht angenehm, natürlich ist das wohl einfach falsch und die Schnüffler gehören zur Rechenschaft für ihre Gier gezogen. Aber, so abgedroschen diese Floskel auch sein mag, greift sie hier doch ganz besonders: Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich doch auch tatsächlich nicht in die Hose zu machen. Gesetze gibt es ja immer noch und Verdächtige sind keine Straftäter. Das grundlose Verdächtigen allerdings auch nicht, doch dieser Stein rollt schon seit dem kalten Krieg. Mittlerweile aber deutlich behäbiger, also gibt es doch wenig Grund zur Sorge. Und wenn die NSA meine neuste iTunes-Playlist interessiert, dann hoffe ich, sie feiern im Hauptquartier wenigstens eine ordentliche Party dazu.
Was nach der Erkenntnis kommt, dass unsere Daten längst nicht mehr nur unsere Daten sind, ist eine weitere: Das wir selbst wohl absolut nichts mehr daran ändern können, Anti-Spy-Abkommen hin oder her. Eben weil wir das Monster Internet gnadenlos unterschätzten und die größten Fehler schon früh begangen haben. Ich für meinen Teil versperre mich jedenfalls nicht vor der Datenwolke, denn andererseits bringt unsere Vernetzung vor allem einen großen Vorteil: Wir sehen uns. Und ja, wir sehen auch, dass man uns dabei zusieht. Ob uns das jetzt schmeckt oder nicht, diesen Drops werden wir wohl oder übel einfach lutschen müssen.
Meine Daten gehören mir, mir ganz alleine!
von Dimitri Roschkowski
Jeden Tag produzieren wir Unmengen von Daten mit unseren Computern, Handys oder Digitalkameras. Festplatten, USB-Sticks und Speicher(-Karten) haben sich in den letzten Jahren zu einer Art Erweiterung unseres Gehirns entwickelt. Diesen Speichermedien vertrauen wir Informationen an, die wir nicht einmal mit unseren besten Freunden teilen würden. Und das ist auch gut so. Allerdings haben diese Daten nichts in der Cloud zu suchen, am einem unbekannten Ort irgendwo auf unserem Planeten in einem Rechenzentrum mit unbekannten Richtlinien und Administratoren, die wir nicht persönlich kennen. Daten sind Vertrauenssache!
Wie unsicher Daten sind, die in einer Cloud gespeichert werde, zeigen die Enthüllungen von Edward Snowden. Angestellt bei dem IT-Unternehmens „Booz-Allen Hamilton“ hatte Snowden als Administrator den Zugriff auf geheime Daten. Und wenn selbst die NSA es nicht schafft, in einer Cloud-Ähnlichen Umgebung gespeicherte geheime Daten zu schützen, wie sieht es dann mit den „unwichtigen“ Daten des Privatmannes aus?
Nach Snowdens Enthüllungen müssen wir alle davon ausgehen, dass es von jeder Datei, die wir jemals durch das Internet geschickt haben, Kopien bei Organisationen mit drei oder vier (oder auch mehr) Buchstaben existieren – ordentlich zusammengestellt zu einem Profil. Bürger sind nicht mehr eine Masse, in der jeder einzelne anonym ist. Aber werden denn die Daten zu unserem Nutzen gesammelt?
„Ich habe doch nichts zu verbergen“ – diese generalisierte Aussage fällt immer wieder, wenn es um Überwachung der Bürger geht. Richtiger wäre aber wohl die Frage: „Ich habe doch nichts getan, wieso sollte ich überwacht werden?“ Und wenn Daten erst einmal erhoben und gespeichert sind, dann werden sie missbraucht – Geschehnisse aus der Vergangenheit zeigen das immer wieder.
Cloud-Dienste suggerieren uns, dass unser Leben angenehmer und einfacher wird, wenn wir sie nutzen. Mit kostenlosem Speicherplatz oder günstigen Konditionen locken sie uns und versprechen Datensicherheit bei maximalem Komfort - Wir haben weltweiten Zugriff auf unsere Dokumente, Fotos oder Termine. Der Preis dafür sind nicht die 9,99 Euro pro Monat – wir zahlen mit etwas viel wertvolleren, mit unseren Daten und damit auch mit unserer Freiheit. Ein großer ordentlich verschlüsselter USB-Stick kann ähnliches bei nur einem Bruchteil des Preises leisten.
Noch ist der Kampf gegen die Sammelwut und den Datenhunger der Wolke nicht verloren!
Die Cloud vermeiden, weil meine Daten ausgespäht werden? Angebracht wäre es eher, Butter bei die Fische zu lassen.
von Till Eckert
Ja, Snowden tat einen großen Dienst, als er aussprach, was doch im Grunde genommen schon lange bekannt war. Mittlerweile dürfte aber auch der letzte Journalist davon überzeugt davon sein, dass breit gefächertes Fischen im Datenteich zwar nicht zum guten Ton gehört – wohl aber einfach dazu. Zum Internet nämlich. Dieses ungreifbare Ding da, das wir seit Jahrzehnten mit Informationen füttern. Vor allem freiwillig. Sogar im ganz großen Stil, und nicht erst seit man uns Facebook gegeben hat. Von Amazon bis Zalando kennt mittlerweile jeder beinahe alles von und über uns, das er benötigt, um uns mit gezielter Werbung vollmüllen zu können. Was früher heilig war – nämlich unsere Privatsphäre – ist es online wie offline schon lange nicht mehr, vor allem wenn man das auf die eigene Adresse und Haustelefonnummer herunterbrechen möchte. Einige beharren darauf, sie hätten sich selbst ja nicht ver-online-t und seien nicht betroffen. Dass dies auch ohne eigenes Zutun längst geschehen ist und unsere Daten beinahe frei zugänglich sind, das dürfte auch unsere Bundeskanzlerin kürzlich eher schmerzhaft zu spüren bekommen haben.
Wer aber trägt denn nun die Schuld an der Misere? Die Antwort ist so einfach, wie ernüchternd: Wir selbst. Wir nutzen das Internet als virtuellen Zweitwohnsitz und wundern uns, dass dies Werbegeier und Geheimdienste auf den Plan ruft – und unseren Hausstand von vorn bis hinten einsehen können. Natürlich ist das nicht angenehm, natürlich ist das wohl einfach falsch und die Schnüffler gehören zur Rechenschaft für ihre Gier gezogen. Aber, so abgedroschen diese Floskel auch sein mag, greift sie hier doch ganz besonders: Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich doch auch tatsächlich nicht in die Hose zu machen. Gesetze gibt es ja immer noch und Verdächtige sind keine Straftäter. Das grundlose Verdächtigen allerdings auch nicht, doch dieser Stein rollt schon seit dem kalten Krieg. Mittlerweile aber deutlich behäbiger, also gibt es doch wenig Grund zur Sorge. Und wenn die NSA meine neuste iTunes-Playlist interessiert, dann hoffe ich, sie feiern im Hauptquartier wenigstens eine ordentliche Party dazu.
Was nach der Erkenntnis kommt, dass unsere Daten längst nicht mehr nur unsere Daten sind, ist eine weitere: Das wir selbst wohl absolut nichts mehr daran ändern können, Anti-Spy-Abkommen hin oder her. Eben weil wir das Monster Internet gnadenlos unterschätzten und die größten Fehler schon früh begangen haben. Ich für meinen Teil versperre mich jedenfalls nicht vor der Datenwolke, denn andererseits bringt unsere Vernetzung vor allem einen großen Vorteil: Wir sehen uns. Und ja, wir sehen auch, dass man uns dabei zusieht. Ob uns das jetzt schmeckt oder nicht, diesen Drops werden wir wohl oder übel einfach lutschen müssen.
Meine Daten gehören mir, mir ganz alleine!
von Dimitri Roschkowski
Jeden Tag produzieren wir Unmengen von Daten mit unseren Computern, Handys oder Digitalkameras. Festplatten, USB-Sticks und Speicher(-Karten) haben sich in den letzten Jahren zu einer Art Erweiterung unseres Gehirns entwickelt. Diesen Speichermedien vertrauen wir Informationen an, die wir nicht einmal mit unseren besten Freunden teilen würden. Und das ist auch gut so. Allerdings haben diese Daten nichts in der Cloud zu suchen, am einem unbekannten Ort irgendwo auf unserem Planeten in einem Rechenzentrum mit unbekannten Richtlinien und Administratoren, die wir nicht persönlich kennen. Daten sind Vertrauenssache!
Wie unsicher Daten sind, die in einer Cloud gespeichert werde, zeigen die Enthüllungen von Edward Snowden. Angestellt bei dem IT-Unternehmens „Booz-Allen Hamilton“ hatte Snowden als Administrator den Zugriff auf geheime Daten. Und wenn selbst die NSA es nicht schafft, in einer Cloud-Ähnlichen Umgebung gespeicherte geheime Daten zu schützen, wie sieht es dann mit den „unwichtigen“ Daten des Privatmannes aus?
Nach Snowdens Enthüllungen müssen wir alle davon ausgehen, dass es von jeder Datei, die wir jemals durch das Internet geschickt haben, Kopien bei Organisationen mit drei oder vier (oder auch mehr) Buchstaben existieren – ordentlich zusammengestellt zu einem Profil. Bürger sind nicht mehr eine Masse, in der jeder einzelne anonym ist. Aber werden denn die Daten zu unserem Nutzen gesammelt?
„Ich habe doch nichts zu verbergen“ – diese generalisierte Aussage fällt immer wieder, wenn es um Überwachung der Bürger geht. Richtiger wäre aber wohl die Frage: „Ich habe doch nichts getan, wieso sollte ich überwacht werden?“ Und wenn Daten erst einmal erhoben und gespeichert sind, dann werden sie missbraucht – Geschehnisse aus der Vergangenheit zeigen das immer wieder.
Cloud-Dienste suggerieren uns, dass unser Leben angenehmer und einfacher wird, wenn wir sie nutzen. Mit kostenlosem Speicherplatz oder günstigen Konditionen locken sie uns und versprechen Datensicherheit bei maximalem Komfort - Wir haben weltweiten Zugriff auf unsere Dokumente, Fotos oder Termine. Der Preis dafür sind nicht die 9,99 Euro pro Monat – wir zahlen mit etwas viel wertvolleren, mit unseren Daten und damit auch mit unserer Freiheit. Ein großer ordentlich verschlüsselter USB-Stick kann ähnliches bei nur einem Bruchteil des Preises leisten.
Noch ist der Kampf gegen die Sammelwut und den Datenhunger der Wolke nicht verloren!
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Sie bieten halt das an was sie für das beste halten. Klingt hart, ist aber im Grunde genommen so.