Apple hat auf der WWDC 2026 vor allem offene Baustellen geschlossen und bereits angekündigte Funktionen nachgereicht. Im Mittelpunkt standen Korrekturen, Überarbeitungen – und eine deutlich glaubwürdigere KI-Präsentation.
Von nachgereichten Features zu glaubwürdigen Demos
Die Stimmung der diesjährigen Entwicklerkonferenz erinnerte eher an eine Partner:in, die zufrieden eine lange To-do-Liste abarbeitet, als an eine große Premiere mit neuen Überraschungen. Apple nutzte die Keynote, um das „Liquid-Glass“-Design vom Vorjahr zu überarbeiten, die schwache Suche neu aufzusetzen, das Playground-Feature zu verbessern und weitere Anpassungen zu erläutern.
Besonders wichtig: Zwei Jahre nach der ursprünglichen Ankündigung zeigte Apple endlich eine überarbeitete Version von Siri als KI-gestützte Sprachassistentin. Entscheidender als die reinen Ankündigungen war allerdings, wie Apple viele Funktionen präsentierte. Zahlreiche Apple-Intelligence-Demos zeigten eine Person, die im Stehen mit einem iPhone in der Hand live tippt oder per Spracheingabe Befehle gibt, während eine weitere Kamera die Reaktion des Geräts zeigt.
Diese Sequenzen waren zwar vorab aufgezeichnet und nicht direkt auf der Bühne ausgeführt, wirkten aber deutlich stärker wie Belege funktionierender Features als die Präsentation 2024. Damals hatte Apple Apple Intelligence und ein neues Siri in aufwendig produzierten Videos vorgestellt, die sich im Rückblick eher als Versprechen denn als fertiges Produkt erwiesen. Auf X wurden die Demos von 2024 inzwischen vielfach als „Vaporware“ bezeichnet und mit der jetzigen Präsentation verglichen.
Verzögerungen, Klage und 250-Millionen-Vergleich
Apple hatte seinerzeit angekündigt, die neuen Funktionen zeitnah für Nutzer:innen bereitzustellen, die auf ein iPhone 15 Pro oder Geräte mit M1-Chip oder neuer wechselten. Bis März 2025 räumte das Unternehmen gegenüber Daring Fireball jedoch ein, dass sich die Auslieferung der per Produktionsvideo gezeigten Funktionen länger hinziehen werde als gedacht.
Kurz darauf sah sich Apple mit einer Klage wegen angeblich irreführender Werbung vor einem Bundesgericht konfrontiert. Der Vorwurf bezog sich auf die 2024 präsentierten Features und stellte ein reales Reputationsrisiko für ein Unternehmen dar, dessen Marke stark auf dem Versprechen basiert, dass Produkte einfach funktionieren.
Im vergangenen Monat einigte sich Apple auf einen Vergleich in Höhe von 250 Millionen US-Dollar (rund 230 Millionen Euro), ohne ein Fehlverhalten einzuräumen. Die Präsentation am Montag wirkte zumindest teilweise so, als solle sie eine Wiederholung dieser Situation verhindern.
Siri-Update ohne Pflicht zum Hardware-Neukauf
In der aktuellen Keynote setzte Apple weiterhin auch auf klassisch produzierte Videos, etwa zur Anpassung der Siri-Stimme oder zur verbesserten Sprach-zu-Text-Umsetzung. Viele KI-Funktionen wurden jedoch im beschriebenen „Live-ähnlichen“ Format demonstriert, mit Menschen, die die Funktionen auf echten Geräten nutzen. Die unausgesprochene Botschaft: Diese Features laufen bereits auf realer Hardware und sollen bald bei Euch ankommen.
Anders als früher verlangt Apple für den Zugriff auf die neue Siri nicht zwingend den Kauf eines aktuellen iPhones. Laut Unternehmen wird sie mit iOS 27 auf dem iPhone 15 Pro und Pro Max sowie auf allen iPhone-16-Modellen und späteren Geräten bereitstehen. Das derzeitige Spitzenmodell ist das iPhone 17, sodass viele Nutzer:innen der letzten Jahre kein neues Gerät kaufen müssen, um die Funktionen nutzen zu können.
Damit verzichtet Apple wohl darauf, die versprochenen Funktionen ausschließlich an neue Hardware zu koppeln, nachdem sie bereits vor zwei Jahren für das iPhone 15 angekündigt worden waren. Zudem sollen die neuen Features auf weiteren Geräten bereitstehen: iPad mini mit A17-Pro-Chip, iPad-Modelle mit M1 oder neuer, MacBook Neo mit A18 Pro, Macs mit M1 oder neuer, Apple Vision Pro, Apple Watch Series 10 oder neuer, Apple Watch Ultra 2 oder neuer sowie Apple Watch SE 3, sofern diese mit einem Apple-Intelligence-fähigen iPhone gekoppelt ist.

