Am 19. September 1982 schlug Scott Fahlman an der Carnegie Mellon University eine neue Form der Kennzeichnung von Witzen vor. Daraus entwickelte sich das Emoticon, das unsere Online-Kommunikation bis heute prägt.
Missverständnisse im Text – und die Suche nach Lösungen
Der Ursprung der Emoticons geht auf eine Diskussion im universitätsinternen Schwarzes-Brett-System zurück. Mehrere Tage vor Fahlmans Vorschlag stellte der Informatiker Neil Swartz eine physikalische Frage in eine Diskussionsrunde. Howard Gayle antwortete daraufhin scherzhaft mit einer Warnung, dass ein Aufzug durch ein misslungenes Experiment mit Quecksilber beschädigt worden sei. Trotz nachträglicher Hinweise auf den Scherz nahmen einige die Warnung ernst. Dies führte zu Debatten darüber, wie Missverständnisse und hitzige Diskussionen im textbasierten Onlinedialog verhindert werden könnten.
Am Tag nach dem Vorfall schlug Swartz vor, Witze künftig mit einem Sternchen im Betreff zu kennzeichnen. Wenig später kamen weitere Alternativen hinzu: Einige favorisierten das Prozentzeichen oder das kaufmännische Und (&), andere ein Symbol aus geschweiften Klammern und einer Raute ({#}), das wie ein grinsendes Gesicht wirken sollte. Auf dem lokalen Gandalf-VAX-System verwendeten Nutzer:innen bereits das Symbol \__/ als stilisiertes Lächeln. Außerhalb davon setzte es sich jedoch nicht durch.
Die Entstehung des Smileys : Von der Idee zum Symbol
Zwei Tage nach der ursprünglichen Idee veröffentlichte Scott Fahlman seinen bekannten Vorschlag: „Ich schlage vor, folgenden Zeichencode als Witzkennzeichnung zu verwenden: :-) Bitte seitlich lesen.“ Für ernste Beiträge empfahl er :-(. Entscheidend war die Einfachheit und Klarheit im Zeichenbild – ein „Gesicht“ aus Schriftzeichen, lesbar im Seitenprofil. Diese Formulierung setzte sich vor allem deshalb durch, weil sie einfach, auf sämtlichen Terminals darstellbar und eindeutig unterscheidbar war. Die Rechner an der Universität unterstützten nur Standard-ASCII-Zeichen, sodass Fahlmans Lösung optimal für den technischen Rahmen war.
Die Idee gelangte rasch über das ARPAnet an weitere Hochschulen und Forschungszentren. Bereits im November 1982 führte ein Forscher aus dem Carnegie Mellon-Team das Prinzip am Xerox PARC ein. Im Laufe der Jahre etablierte sich das seitliche Smiley-Gesicht als Standard, auch in abgewandelter, vereinfachter Form ohne „Nase“ (also in der Variante 🙂 bzw. :(). Die ursprüngliche Diskussion um Witze und deren Kennzeichnung verdeutlicht, wie kollektives Überlegen zu einer Lösung führte, die noch heute genutzt wird.
Von Emoticon zu Emoji – und die digitale Spurensuche
Lange waren die Anfänge der Emoticons nur noch in Erinnerung einzelner erhalten. Erst zu Beginn der 2000er-Jahre gelang es ehemaligen Mitarbeiter:innen der Universität, archivierte Sicherungskopien aus den 1980er-Jahren zu restaurieren und so die ursprüngliche Diskussion inklusive Fahlmans Beitrag wiederherzustellen. Die freigelegten Nachrichten zeigen, dass nicht eine einzelne Person, sondern eine Gruppe gemeinsam die Grundlage für das Emoticon schuf.
Während Fahlmans textbasiertes Prinzip in westlichen Onlinedialogen verbreitet blieb, gab es parallel Entwicklungen in Japan. Dort wurden mit den ersten Mobiltelefonen ab 1997 bildhafte Zeichen – sogenannte Emoji – eingeführt, die Gefühle, Objekte und Symbole differenzierter abbilden konnten als ASCII-Emoticons. Mit der Aufnahme in den Unicode-Standard 2010 und der Einführung der Emoji-Tastatur auf Apples iOS 2011 verbreiteten sich Emoji rasant. Sie haben in vielen Fällen klassische Emoticons abgelöst, das seitliche Lächeln erscheint jedoch weiterhin regelmäßig in Kurznachrichten und sozialen Medien.
Fahlman selbst betont, vermutlich nicht der erste gewesen zu sein, der eine derartige Zeichenkombination getippt hat. Bereits früher existierten ähnliche Ansätze, darunter auch ein eigens für den IBM-PC entwickeltes Smiley-Zeichen aus dem Jahr 1981. Entscheidend für den Erfolg war jedoch, die passende Lösung zur richtigen Zeit vorzuschlagen – und damit einen Standard in der weltweiten Online-Kommunikation zu setzen.