WhatsApp führt weltweit Benutzernamen, neue Sicherheitsfunktionen und einen wichtigen Android-Patch ein. Gleichzeitig nehmen Betrugsfälle und politische Bedenken rund um die Plattform spürbar zu.
Seit Mitte Juli 2026 testet WhatsApp eine Funktion, mit der Ihr Euch über einen frei gewählten Benutzernamen verbinden könnt, ohne Eure Telefonnummer preiszugeben. Der Rollout läuft auf Android und iOS zunächst für eine begrenzte Nutzergruppe, die weltweite Einführung soll laut Branchenkreisen bis September 2026 abgeschlossen sein. Benutzernamen müssen zwischen drei und 35 Zeichen lang sein und können aus Kleinbuchstaben, Zahlen sowie ausgewählten Sonderzeichen bestehen.
Bei der Erstkontaktaufnahme bleibt Eure Mobilnummer verborgen, neue Kontakte sehen nur den Pseudonym. Zusätzlich führt WhatsApp den sogenannten „Benutzernamen-Schlüssel“ ein, ein automatisch generiertes Passwort, das Erstkontakte eingeben müssen, bevor ein Chat startet. Dieser Schlüssel ist optional, lässt sich jederzeit ändern und ist für Nutzer:innen unter 18 Jahren standardmäßig aktiviert. Meta reserviert prominente Namen für verifizierte Accounts und begrenzt Massenkontaktierungen, um Identitätsdiebstahl zu erschweren.
Verbraucherschützer:innen warnen jedoch, dass Benutzernamen neue Angriffspunkte für plattformübergreifendes Tracking schaffen könnten, vor allem wenn Nutzer:innen leicht identifizierbare Namen wählen. In Indien, WhatsApps größtem Markt mit rund 850 Millionen Nutzer:innen, forderte die Regierung deshalb eine Aussetzung der Einführung. Sie befürchtet, dass mehr Anonymität Betrug und Identitätsdiebstahl erleichtert, nachdem die Zahl der Cybercrime-Fälle 2024 um 18 Prozent auf 102.000 registrierte Vorfälle gestiegen war.
Parallel zu den Benutzernamen verbessert WhatsApp die Wiederherstellung gesperrter Konten. Seit dem 19. Juli 2026 stehen detaillierte Anleitungen mit offiziellen Einspruchsformularen und einer speziellen Kontaktschnittstelle bereit. Diese sollen helfen, automatisierte Sperren zu überprüfen, die für beruflich auf den Dienst angewiesene Nutzer:innen existenzbedrohend sein können. Anlass war unter anderem ein Vorfall aus dem Jahr 2025, als mindestens fünf Sexarbeiterinnen in den Niederlanden ihre WhatsApp-Konten und damit kritische Kundendaten verloren, obwohl laut Meta keine Richtlinienverstöße vorlagen.
Gleichzeitig verteilt WhatsApp einen wichtigen Sicherheitspatch für Android 16. Die Aktualisierung schließt eine Schwachstelle im Sperrbildschirm, die im Mai 2024 entdeckt wurde. Über eine spezielle Multi-Touch-Geste konnte der Google-Assistent Gemini die PIN-Sperre umgehen, sodass Angreifer über ein gesperrtes Gerät WhatsApp-Nachrichten senden konnten. Die Lücke betraf verschiedene Geräte mit aktuellem Betriebssystem, bis zur Aktualisierung empfahlen Expert:innen, KI-Assistenten am Sperrbildschirm zu deaktivieren.
Sicherheitsexpert:innen raten zusätzlich dazu, vorhandene WhatsApp-Schutzfunktionen zu nutzen: stille Anrufer zu blockieren, die Zwei-Faktor-Authentifizierung mit sechsstelliger PIN zu aktivieren, vertrauliche Chats per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung zu sperren, Gruppeneinladungen zu begrenzen und verschwindende Nachrichten einzuschalten.
Die neuen Maßnahmen sind eine Reaktion auf eine Reihe von Sicherheitsvorfällen. Am 6. März 2026 gelang es einem ausländischen staatlichen Akteur, über Phishing die WhatsApp-Konten eines Parlamentsabgeordneten und mehrerer Mitarbeitender zu übernehmen. Am 20. Juli 2026 warnte die Polizei der Andamanen und Nikobaren vor einer Betrugsmasche mit gefälschten Profilen angeblicher Regierungsbeamt:innen, die mit öffentlichen Fotos und Namen Geld oder sensible Daten fordern.
In Indien warnt die Börsenaufsicht SEBI zudem vor „Boss-Betrug“. Dabei nutzen Angreifer Deepfakes oder Stimmklone, um sich als Führungskräfte auszugeben und über WhatsApp präparierte ZIP-Dateien mit Schadsoftware zu versenden. Sicherheitsforscher:innen entdeckten außerdem neue Banking-Trojaner wie RedHook und Hook v3, die mit 107 Fernbefehlen Sperrbildschirme umgehen und Bankzugänge stehlen können, oft verbreitet über Phishing-Links oder manipulierte GitHub-Repositories.
Behörden berichten zusätzlich über „Task-Betrug“, also falsche Jobangebote mit kleinen Anfangszahlungen für einfache Online-Aufgaben. Später sollen Opfer eigene Kryptowährungen einzahlen, um angebliche Provisionen freizuschalten. Ermittler:innen empfehlen, vermeintlich offizielle Profile sorgfältig zu prüfen und verdächtige Aktivitäten über etablierte Cybercrime-Portale zu melden.
Meta reagierte schriftlich auf die Bedenken der indischen Regierung und verspricht, Missbrauchsmuster besser zu erkennen und Nutzer:innen beim Erstkontakt mit einem neuen Benutzernamen detailliert zu informieren. Datenschützer:innen warnen jedoch, dass staatliche Eingriffe in Pseudonym-Funktionen einen Präzedenzfall für digitale Zensur schaffen könnten.
Via: www.ad-hoc-news.de · www.ad-hoc-news.de
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