Die Wayback Machine gilt als praktisches Werkzeug, doch ihr tatsächlicher Umfang und ihre Bedeutung sind vielen nicht bewusst. Ein Bericht von CNN liefert nun spannende Einblicke in das Projekt und das dahinterstehende Internet Archive.
Eine Billion archivierte Webseiten
Die Wayback Machine ist im Kern eine Zeitmaschine für das Web. Sie ermöglicht es Euch, frühere Versionen von Webseiten aufzurufen und so Veränderungen im Laufe der Zeit nachzuvollziehen. Gleichzeitig bewahrt sie Inhalte, die im heutigen Netz längst verschwunden sind, weiterhin zugänglich auf.
Erst vor etwas mehr als einem Monat hat die Wayback Machine ihre billionste archivierte Webseite aufgezeichnet. Dieses Archiv wächst derzeit um fast 150 Terabyte (150.000 Gigabyte) an Webinhalten pro Tag. Die Dimensionen dieser Sammlung von Internetgeschichte sind damit enorm.
Server im früheren Kirchenschiff
Das Internet Archive, das die Wayback Machine betreibt, ist eine gemeinnützige Organisation von Softwareentwickler:innen und Bibliothekar:innen. Der Sitz befindet sich im Richmond District von San Francisco, in einem Gebäude, das früher die „Vierte Kirche Christi, Wissenschaftler“ war. Die eindrucksvolle Fassade mit acht großen Säulen prägt auch das Logo der Organisation.
Im Inneren des ehemaligen Kirchengebäudes stehen heute Server, auf denen Teile der Daten der Wayback Machine lagern. Die farbigen Glasfenster der Kirche sind erhalten geblieben, dienen aber nun als Kulisse für Hochregale mit Hardware. Der Großteil der Server steht allerdings nicht dort, sondern in einem großen Lagerhaus außerhalb von San Francisco. Die im Kirchenschiff platzierten Systeme sind symbolisch im Hauptschiff untergebracht, also genau dort, wo früher der zentrale Versammlungsraum lag.
Warum die Archivierung des Webs zählt
Historische Schnappschüsse von Webseiten haben einen hohen Wert, unabhängig davon, ob es sich um Angebote von Regierungen, Unternehmen, Organisationen oder privaten Blogs handelt. Sie machen sichtbar, welche Änderungen im Laufe der Zeit vorgenommen wurden, und bewahren Texte, die sonst irgendwann aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden würden.
So sah Apfeltalk am 17. März 2004 aus. Screenshot aus der Wayback Machine.
Gerade bei offiziellen Internetauftritten von Regierungen kann der Zugriff auf frühere Fassungen entscheidend sein, etwa für Journalist:innen, die Auswirkungen von Anpassungen nachvollziehen müssen. Die Wayback Machine ermöglicht es, diese Unterschiede klar zu erkennen und damit Entwicklungen transparent zu machen.
Mehr als nur Webseiten und ein Pionier am Start
Das Internet Archive beschränkt sich nicht auf Webseiten. Die Organisation digitalisiert auch Bücher sowie andere Medien: darunter historische Schallplatten aus den 1920er Jahren, CDs, Musikkassetten, VHS-Bänder, Fernsehsendungen und Videospiele. Die Bandbreite der archivierten Inhalte ist deutlich größer, als vielen bekannt sein dürfte.
Gegründet wurde das Internet Archive vom Internetpionier Brewster Kahle. Er startete sowohl das Archiv selbst als auch die Wayback Machine im Jahr 2001. Zuvor war er an der Entwicklung von WAIS („Weitreichende Informationsserver“) beteiligt, einem Vorläufer des heutigen World Wide Web. WAIS war das erste verteilte System für Suche und Dokumentenabruf im Internet und legte damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Entwicklung des Netzes.
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