Apple gilt vielen seit Längerem als Nachzügler im KI-Wettrennen. Genau diese Rolle macht den Konzern an der Wall Street nun interessant als vergleichsweise KI-sichere Aktie.
Wie Bloomberg berichtet, entwickelt sich Apples Aktienkurs derzeit deutlich anders als andere große Technologie- und KI-Titel. Die 40-Tage-Korrelation der Apple-Aktie zum Nasdaq-100-Index, der die größten an der Börse gelisteten Unternehmen abbildet, ist auf den niedrigsten Stand seit 2006 gefallen. Diese Kennzahl zeigt, wie stark sich Apples Kurs über einen rollierenden Zeitraum von 40 Tagen im Gleichklang mit anderen Technologiewerten bewegt. Ein Wert von 1 steht für eine komplett synchrone Entwicklung, −1 für exakt gegenläufige Bewegungen.
Laut Bloomberg liegt Apples Korrelation aktuell nur noch bei 0,21, im Mai waren es noch 0,92. Diese zunehmende Entkopplung empfinden viele Investor:innen derzeit als Vorteil. Art Hogan, Chefmarktstratege bei B. Riley Wealth, sagte Bloomberg, Apples fehlende Korrelation sei im aktuellen Umfeld „zu 100 Prozent positiv“. Er beschreibt den Markt als eine Art „KI-Whack-a-Mole“, in dem Anleger:innen aus Sorge vor der nächsten möglichen Disruption vorschnell reagieren.
Ein Blick auf die vergangenen 30 Tage verdeutlicht den Unterschied: Apples Aktie legte in diesem Zeitraum rund 7 Prozent zu. Gleichzeitig verloren Microsoft etwa 12 Prozent und Alphabet, die Google-Mutter, rund 6 Prozent an Wert.
Apple hat sich damit eher unbeabsichtigt als eine Art Gegenposition zum aktuellen KI-Hype etabliert. Im Gegensatz zu anderen großen Technologiekonzernen investiert der iPhone-Hersteller bislang keine zweistelligen Milliardenbeträge in riesige Rechenzentren, deren wirtschaftliche Rentabilität unsicher ist – besonders, falls die KI-Blase platzt. Zudem gilt das Kerngeschäft mit Hardware als weniger direkt bedroht durch Fortschritte bei generativer KI.
Der Mac Mini hat sich sogar als bevorzugte Wahl für Nutzer:innen etabliert, die KI lokal betreiben wollen. Damit profitiert Apple im Erfolgsfall der Technologie zumindest teilweise mit, ohne sich vollständig in die spekulativen Teile des Marktes zu begeben. Zum Vergleich: Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon werden CNBC zufolge in diesem Jahr zusammen voraussichtlich rund 700 Milliarden US-Dollar (etwa 648 Milliarden Euro) in KI-Infrastruktur und -Entwicklung investieren.
Wayne Kaufman, Chefmarktanalyst bei Phoenix Financial Services, sieht darin einen klaren Vorteil für Apple. Gegenüber Bloomberg erklärte er, das Risiko sei bei Hardware deutlich geringer als bei Software. Und egal, wie sich KI entwickle – Nutzer:innen könnten sich kein neues iPhone einfach per KI-Code generieren.
Für Apple kommt hinzu, dass sich das iPhone-Geschäft weiter robust entwickelt. Im vergangenen Monat meldete der Konzern für die drei Monate bis Ende Dezember einen Umsatz von 143,8 Milliarden US-Dollar (etwa 133,1 Milliarden Euro), ein Plus von 16 Prozent im Jahresvergleich.
Komplett fernhält sich Apple vom KI-Thema dennoch nicht. Laut einem weiteren Bloomberg-Bericht arbeitet das Unternehmen an drei KI-gestützten tragbaren Geräten: einer Datenbrille, neuen AirPods und einem tragbaren Anhänger. Alle Produkte sollen mit dem iPhone verbunden werden und Kameras besitzen, die die KI-Funktionen unterstützen. Apple hat auf eine Anfrage von Gizmodo zu diesen Berichten bislang nicht reagiert.
Via: https://gizmodo.com
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