Ronald Wayne, oft als „dritter Apple-Mitgründer“ bezeichnet, beharrt öffentlich darauf, bis heute 10 Prozent an Apple zu halten. Ein Blick in die Verträge zeigt jedoch ein anderes Bild.
Waynes Behauptung: Anteil nie verkauft
Im März 2026 trat Ronald Wayne im Computer History Museum auf und stellte dort seine bekannte Ausstiegsgeschichte aus Apple neu dar. Er erklärte, er habe seinen ursprünglichen 10-Prozent-Anteil nie verkauft und wollte damit zunächst eine vermeintlich formale Ungenauigkeit korrigieren.
Wayne war 1976 gemeinsam mit Steve Jobs und Steve Wozniak an der Gründung beteiligt, verließ das junge Unternehmen aber nach nur zwölf Tagen. Juristisch gesehen gehörten ihm danach keine 10 Prozent mehr, weshalb er diesen Anteil streng genommen auch nicht verkaufen konnte. Das wirkte zunächst wie eine kleine, eher theoretische Klarstellung.
In einem späteren Gespräch mit dem US-Magazin „Fast Company“ legte Wayne jedoch nach. Er betonte, er habe seine Beteiligung nie aufgegeben und halte aus seiner Sicht bis heute einen Anteil von 10 Prozent an Apple. Er schilderte, er sei von Anfang an dabei gewesen, habe einige Wochen lang vielfältige Aufgaben übernommen und damit einen wichtigen Beitrag geleistet.
„Von damals bis heute hielt und halte ich, was mich betrifft, einen Anteil von 10 Prozent“, sagte er. Er habe sein Interesse an Apple niemals an irgendjemanden verkauft, zu keiner Zeit und für keinen Betrag.
Wäre diese Sichtweise rechtlich korrekt, hätte Wayne bei der kurzen Bewertungsspitze im Oktober 2025, als Apple rund 4 Billionen US‑Dollar (etwa 3,7 Billionen Euro) wert war, theoretisch ein Vermögen von rund 400 Milliarden US‑Dollar (etwa 370 Milliarden Euro) gehalten. Dann hätte er kaum eine Crowdfunding-Kampagne starten müssen, um das Schreiben eines Buches zu finanzieren.
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Mehr InformationenDer tatsächliche Ausstieg aus der Apple-Partnerschaft
Wayne hatte sachliche Gründe, Apple so früh zu verlassen. Wäre das Unternehmen gescheitert, hätte er persönlich für Schulden haften können. Mit seinem Austritt beendete er jedoch seine Beteiligung an der ursprünglichen Personengesellschaft mit Steve Jobs und Steve Wozniak vollständig.
Für diesen Schritt war eine Zahlung erforderlich, auf die sich alle Beteiligten einigten. Wayne akzeptierte 800 US‑Dollar (etwa 740 Euro) und erhielt diese Summe ausgezahlt. Später sprach er abfällig über den Betrag und bezeichnete ihn als billiges Trinkgeld für seine Arbeit.
Mit der Annahme dieser 800 US‑Dollar war Wayne aus der Partnerschaft und damit aus Apple ausgeschieden. Ein Jahr danach wandelte Mike Markkula, der stärker geschäftsorientierte Investor, Apple in eine Kapitalgesellschaft um. Dabei achtete er darauf, dass Wayne keinerlei weitere Ansprüche mehr hatte.
Diese Klärung richtete sich nicht gezielt gegen Ronald Wayne. Es ging darum, vor der Umwandlung sämtliche früheren und möglichen künftigen Ansprüche sauber zu regeln. Laut Owen W. Linzmayers Buch „Apple Confidential 2.0“ kaufte Markkula die ursprüngliche Partnerschaft für 5.308,96 US‑Dollar (etwa 4.900 Euro).
Warum genau dieser Betrag gewählt wurde, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass das Geld zu gleichen Teilen an alle drei Gründer floss. Jede:r erhielt rund 1.770 US‑Dollar (etwa 1.640 Euro) – ausdrücklich als Ausgleich dafür, alle Ansprüche aufzugeben.
Verträge statt Milliarden: Was Wayne wirklich blieb
Aus heutiger Sicht ist klar: Trotz seiner wiederholten Aussagen besitzt Ronald Wayne keine 10 Prozent an Apple. Er taucht daher auch nicht in der „Forbes“-Liste der reichsten Menschen 2026 auf, weder hinter Elon Musk noch vor Larry Page, Sergey Brin, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg oder Larry Ellison.
Ironischerweise brachten die Dokumente zu seinem Ausstieg später mehr ein als seine damalige Beteiligung an Apple. 2011 wurden der Gründungsvertrag und die Unterlagen zu seinem Anteil für 1,6 Millionen US‑Dollar (etwa 1,5 Millionen Euro) versteigert, inflationsbereinigt rund 2,3 Millionen US‑Dollar (etwa 2,1 Millionen Euro) in heutigem Geld.
Damit bleibt Wayne Teil der frühen Apple-Geschichte – aber nicht als heutiger Großaktionär.
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