Streaming dominiert den Musikmarkt, doch physische Tonträger melden sich zurück. In den USA wächst vor allem der CD-Umsatz deutlich – parallel zu einem Trend zu einfacherer Technik.
Musik-Apps wie Spotify, Deezer oder Apple Musik bieten Euch bequemen Zugriff auf riesige Bibliotheken, ohne Regalplatz oder lästiges Wechseln von Datenträgern. Ein Abo startet oft bei rund zwölf Euro im Monat und liefert Millionen von Titeln, während eine einzelne CD häufig teurer ist. In den USA stammen inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten Musikumsätze aus solchen Premium-Abonnements.
Nach Angaben des aktuellen Berichts der Recording Industry Association of America (RIAA) gibt es weit über 106 Millionen kostenpflichtige Abos. Diese sorgten zusammen für Einnahmen von mehr als 6,4 Milliarden US‑Dollar (rund 5,9 Milliarden Euro). Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Umsätze aus Premium-Abos um 6,8 Prozent und machen nun 55,3 Prozent des Gesamtmarktes aus. Physische Tonträger kommen demgegenüber auf einen Anteil von 12 Prozent.
Im laufenden Jahr könnte dieser Abstand sogar noch zunehmen. Allein im ersten Halbjahr 2026 generierten kostenpflichtige Abos laut RIAA bereits 3,4 Milliarden US‑Dollar (etwa 3,1 Milliarden Euro). Trotz dieser Dominanz von Streaming zeigt der Report aber auch: CDs und Schallplatten sind keineswegs vom Markt verschwunden.
Die CD erlebt in den USA derzeit ein unerwartetes Comeback. Im ersten Halbjahr 2026 wurden mit physischen Medien insgesamt 171,1 Millionen US‑Dollar (circa 158 Millionen Euro) umgesetzt. Das entspricht einem Plus von fast 58,6 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Umsätze mit Schallplatten stiegen im selben Zeitraum um 17,7 Prozent, die mit CDs sogar um 58,6 Prozent.
Parallel dazu zeigt sich ein breiterer Trend hin zu einfacherer, weniger vernetzter Technik. Neben CDs und Vinyl gewinnen auch ältere Handy-Modelle ohne ständige Online-Anbindung, sogenannte „Dumbphones“, sowie Sofortbildkameras wie Polaroid-Geräte wieder an Beliebtheit. Viele jüngere Nutzer:innen schätzen daran, dass sie Medien abseits permanenter App-Nutzung genießen können.
Die Generation Z gibt häufig an, weniger Zeit online verbringen zu wollen. Gleichzeitig wird das immer schwieriger, weil sich immer mehr Alltagsprozesse über Smartphone-Apps abwickeln lassen oder sogar erfordern.
„Das Smartphone ist für viele längst die Fernbedienung des Alltags“, sagt Bitkom-Experte Sebastian Klöß. Besonders Jüngere organisieren Kommunikation, Unterhaltung und viele Erledigungen nahezu vollständig über das Gerät. Das betrifft auch das Hören von Musik, das häufig an Streaming-Apps gebunden ist.
Mit der hohen Bildschirmzeit sind viele junge Nutzer:innen jedoch zunehmend unzufrieden. Laut einer Umfrage der FOM Hochschule haben sich 37 Prozent der Generation Z für das Jahr 2026 vorgenommen, ihre Smartphone-Nutzung zu reduzieren. Unter den Babyboomer-Jahrgängen planen das nur 16 Prozent.
Daten des Digitalverbands Bitkom unterstreichen diese Entwicklung. Menschen in Deutschland verbringen im Schnitt inzwischen 180 Minuten pro Tag mit ihrem Smartphone – 30 Minuten mehr als 2024. Bei den 16- bis 29-Jährigen liegt die tägliche Nutzungsdauer mit 216 Minuten noch höher.
CDs bieten hier eine einfache Möglichkeit, Musik zu hören, ohne ständig auf den Bildschirm zu schauen. Wer ein Album auf CD hört, kann Titel wechseln oder neu starten, ohne dafür zwingend eine App am Smartphone zu bedienen. In Kombination mit dem allgemeinen Interesse an unkomplizierter Technik trägt das dazu bei, dass physische Tonträger wieder stärker nachgefragt werden.
Via: https://t3n.de
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