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US-Investor:innen übernehmen 50 Prozent von TikTok USA am 22. Januar

TikTok in den USA steht vor einem grundlegenden Umbau. Ein neuer, in den Vereinigten Staaten betriebener Algorithmus und eine veränderte Eigentümerstruktur sollen Daten und nationale Sicherheit schützen.

Neuer Eigentümerkreis und US-Algorithmus

Nach mehr als fünf Jahren Diskussionen über ein mögliches TikTok-Verbot wegen angeblicher Sicherheitsrisiken steht nun ein Deal kurz vor dem Abschluss. Wenn die chinesische Regierung zustimmt, werden am 22. Januar US-Investor:innen 50 Prozent von TikTok in den Vereinigten Staaten halten und damit die Vorgaben des Gesetzes „Protecting Americans from Foreign Adversary Controlled Applications Act“ erfüllen, das von Präsident Biden unterzeichnet wurde.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press hat TikTok Vereinbarungen mit Oracle, Silver Lake und dem staatlichen Abu-Dhabi-Fonds MGX geschlossen. Diese drei Unternehmen erhalten jeweils einen Anteil von 15 Prozent. Weitere nicht namentlich genannte Investor:innen erhöhen die US-Beteiligung auf insgesamt 50 Prozent. ByteDance behält 19,9 Prozent, und 30,1 Prozent liegen bei Gesellschaften, die mit bestehenden ByteDance-Investor:innen verbunden sind.

Damit ist TikTok vor einem Verbot in den USA sicher, im Hintergrund ändert sich aber einiges. Oracle-Mitgründer Larry Ellison gilt als Vertrauter von Donald Trump, und Silver Lake war bereits zuvor an Twitter beteiligt. Künftig soll ein mehrheitlich US-amerikanischer Verwaltungsrat mit sieben Mitgliedern die Kontrolle ausüben. Die Vereinbarungen sehen vor, dass amerikanische Nutzerdaten und die nationale Sicherheit geschützt werden.

Oracle wird die Daten der US-Nutzer:innen speichern. In einem internen TikTok-Memo heißt es, dass die Community weiterhin „das gleiche Erlebnis wie heute“ haben soll. Werbetreibende sollen von den Änderungen nicht betroffen sein.

Deutlich spürbar könnte allerdings der Umbau des Empfehlungsalgorithmus werden. Der TikTok-Algorithmus wird ausschließlich mit US-Nutzungsdaten neu trainiert, also ohne Daten aus anderen Ländern. So soll sichergestellt werden, dass der Feed frei von externer Beeinflussung bleibt. Die neue US-Gesellschaft übernimmt zudem die Verantwortung für Inhalte-Moderation und Richtlinien innerhalb der Vereinigten Staaten. Welche praktischen Folgen das für sichtbare und veröffentlichbare Inhalte hat, ist noch offen.

Jahrelanger Streit um ein TikTok-Verbot

Die Debatte um ein Verbot von TikTok in den USA reicht bis Juni 2020 zurück. Damals überzeugten Influencer:innen ihre Follower:innen, massenhaft Tickets für eine Trump-Wahlkampfveranstaltung zu reservieren, die dann leer blieben. Ob dies der eigentliche Auslöser war, ist unklar, kurz darauf folgte jedoch ein Vorstoß von Präsident Trump, TikTok und auch WeChat per Dekret zu verbieten und dies mit „nationaler Sicherheit“ zu begründen.

Das Verbot wurde juristisch angefochten, zwischenzeitlich umgesetzt und dann wieder von einem Gericht gestoppt. Im Dezember trat zunächst ein Verbot nur für Regierungsgeräte in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt hatte Trump die Wahl verloren, und das Thema landete in einer rechtlichen Hängepartie.

Im Juni 2021 hob Präsident Biden Trumps Erlass formal auf. Gleichzeitig beauftragte er die Regierung, Risiken durch China-basierte Apps zu untersuchen. Danach war es lange ruhig, bis die Untersuchungsergebnisse veröffentlicht wurden. Die US-Regierung sah eine Gefahr darin, dass amerikanische Nutzer:innen Apps und Algorithmen ausländischer Kontrolle ausgesetzt sind.

In der Folge entstand und verabschiedete der Kongress das Gesetz zum Schutz vor ausländisch kontrollierten Anwendungen. Die Popularität von TikTok in den USA und die geringe Wahrscheinlichkeit, dass ByteDance den US-Teil freiwillig verkauft, sorgten jedoch für massive Kritik. Nach einem Treffen mit dem republikanischen Großspender Jeff Yass im März 2024 änderte Trump seine Haltung und argumentierte, ein Verbot würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen und Konkurrenten wie Facebook begünstigen.

Yass soll stark in TikTok investiert gewesen sein und nutzte Trumps Ablehnung gegenüber Facebook. Trump schrieb daraufhin auf Truth Social, er wolle nicht, dass Facebook profitiere, das er als „Feind des Volkes“ bezeichnete.

Vom drohenden Bann zur US-TikTok-Gesellschaft

Mit seiner neuen Pro-TikTok-Position zog Trump in den Wahlkampf und versprach, den Dienst zu retten. Am Tag seiner Vereidigung unterzeichnete er eine nicht bindende Anordnung, um das TikTok-Verbot zu verzögern. Apple und Google brauchten dennoch Zeit, um die App in ihre Stores zurückzubringen, da ihnen bei Verstößen gegen geltendes Recht hohe Strafen drohten.

Ein Schreiben des Justizministers stellte später in Aussicht, dass die Unternehmen nicht belangt würden. Trump verschob das Verbot mehrfach unter Verweis auf nationale Sicherheitsaspekte, bis schließlich eine Lösung präsentiert wurde, wonach TikTok USA sicher sei und sich die Nutzung kaum verändern werde.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die chinesische Regierung dem Deal zustimmt und die neue Eigentümerstruktur am 22. Januar wirksam wird. Wann und wie stark Nutzer:innen Änderungen beim Algorithmus oder bei Richtlinien bemerken, bleibt unklar. Viele hoffen auf einen weitgehend unveränderten Alltag auf der Plattform, während andere befürchten, dass die Nähe der beteiligten Investor:innen zum Präsidenten und dessen politischen Prioritäten Einfluss auf die künftige Ausrichtung nehmen könnte.

Via: https://appleinsider.com
Titelbild: Screenshot

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Michael Reimann

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