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TikTok: Deinstallationen in den USA steigen nach Gemeinschaftsunternehmen um 150 Prozent

In den USA löschen deutlich mehr Nutzer:innen die TikTok-App, seit das Unternehmen ein neues Gemeinschaftsunternehmen für sein US-Geschäft angekündigt hat. Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Nutzung weitgehend stabil, während Konkurrenz-Apps profitieren.

Gemeinschaftsunternehmen und neue Datenschutzbedenken

Die durchschnittliche tägliche Zahl der Deinstallationen von TikTok in den USA ist in den vergangenen fünf Tagen im Vergleich zu den vorherigen drei Monaten um nahezu 150 Prozent gestiegen. Das berichtet die Marktforschungsfirma Sensor Tower gegenüber CNBC. Auslöser ist demnach die Ankündigung von TikTok, das US-Geschäft in ein neues Gemeinschaftsunternehmen unter US-amerikanischer Führung auszugliedern.

Am vergangenen Donnerstag teilte das Unternehmen mit, ein entsprechendes Gemeinschaftsunternehmen gegründet zu haben, um den Betrieb der Videoplattform in den USA fortzuführen. Adam Presser, zuvor Leiter des operativen Geschäfts bei TikTok, wurde als Geschäftsführer dieses Gemeinschaftsunternehmens benannt. Parallel dazu erhielten Nutzer:innen eine Aufforderung, einer aktualisierten Datenschutzrichtlinie zuzustimmen, was in sozialen Netzwerken für Skepsis sorgte.

Mehrere Beiträge verwiesen auf Formulierungen in der Richtlinie, die die Arten von Daten beschreiben, die TikTok möglicherweise erhebt. Dazu zählen sensible Angaben wie „rassische oder ethnische Herkunft“, „Sexualleben oder sexuelle Orientierung, Status als trans oder nicht-binär, Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsstatus“ sowie finanzielle Informationen. Trotz der teils heftigen Reaktionen in sozialen Medien handelt es sich dabei jedoch offenbar nicht um neue Passagen. Eine archivierte Version der Richtlinie aus August 2024 enthält dieselben Bestimmungen.

Kritik von Kreativen und technische Probleme

Die Datenschutzbedenken scheinen die Stimmung gegenüber der App nach der Ankündigung des Gemeinschaftsunternehmens deutlich belastet zu haben. Das dürfte zum jüngsten Anstieg der Deinstallationen beigetragen haben. Auf der Plattform Threads, dem Kurznachrichtendienst von Meta, schrieb die Creatorin Dre Ronayne: „Wenn ich meine größte Plattform löschen kann, weil ihre Nutzungsbedingungen und Zensur außer Kontrolle geraten sind, dann könnt ihr das auch!“ Nach eigenen Angaben hatte sie vor dem Löschen ihres Kontos am Sonntag fast 400.000 Follower:innen auf TikTok.

Auch andere Creator:innen berichten von Schwierigkeiten beim Posten, Nutzer:innen klagen über Ausfälle und fehlgeschlagene Video-Uploads. TikTok selbst habe bisher nicht erklärt, was das Gemeinschaftsunternehmen konkret für die Creator:innen bedeutet, sagte Nadya Okamoto, eine TikTok-Creatorin mit mehr als vier Millionen Follower:innen, gegenüber CNBC. Aus ihrer Sicht verstärkt diese Informationslücke die Unsicherheit.

Okamoto berichtet zudem von technischen Problemen in den vergangenen Tagen und davon, dass sie etwa 24 Stunden lang keine Videos hochladen konnte. In der Zwischenzeit veröffentlicht sie ihre Inhalte weiter auf Instagram und auf YouTube von Google. Online werde intensiv darüber diskutiert, ob es sich bei den Problemen um Zufall oder Zensur handle, sagte sie. Dass so viele Dinge gleichzeitig passierten, sei „sehr beängstigend“.

Ein mit dem TikTok-Gemeinschaftsunternehmen verbundenes Konto auf X erklärte am Montag, die Störungen seien durch einen Stromausfall in einem US-Rechenzentrum verursacht worden. Man arbeite mit dem Rechenzentrumspartner daran, den Dienst zu stabilisieren, und entschuldige sich für die Unterbrechung, hieß es dort.

Nutzung bleibt stabil, Konkurrenz legt deutlich zu

Trotz des deutlichen Anstiegs bei den Deinstallationen verzeichnet TikTok in den USA bislang keinen spürbaren Rückgang der aktiven Nutzung. Laut Sensor Tower sind die aktiven Nutzungszahlen im Vergleich zur Vorwoche weitgehend konstant geblieben.

Gleichzeitig registrieren andere Apps ein deutliches Plus beim Interesse. Nach Angaben von Sensor Tower stiegen die US-Downloads der App AufwärtsScrollen im Wochenvergleich auf mehr als das Zehnfache. Die App Himmelslicht Sozial legte um 919 Prozent zu, die ebenfalls chinesische App RotHinweis verzeichnete ein Plus von 53 Prozent. TikTok selbst reagierte nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme.

Via: https://www.cnbc.com

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Michael Reimann

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