Apple Music Cover
Musikstreaming wird zunehmend von KI-generierten Inhalten überflutet. Nun wollen Verbände der Musikbranche erreichen, dass Ihr klar erkennen könnt, wann ein Song mit KI entstanden ist.
Ein Zusammenschluss von Organisationen, die Musiker:innen und Plattenfirmen vertreten, fordert von Diensten wie Spotify und Apple Musik ein einheitliches Kennzeichnungssystem für KI-Musik. Angeführt wird die Initiative von der US-Musikindustrievereinigung Recording Industry Association of America (RIAA) und der Internationalen Vereinigung der Phonoindustrie.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal vom Freitag sollen Streamingplattformen künftig deutlich markieren, wenn Stücke vollständig oder teilweise mit Hilfe großer Sprachmodelle entstanden sind. Ziel ist es, Hörer:innen mehr Transparenz zu bieten, nicht aber, KI-Musik grundsätzlich zu unterbinden.
Unterstützt wird der Vorstoß von großen Akteur:innen der Unterhaltungsbranche wie den Grammys und der Schauspielgewerkschaft SAG-Aftra. Damit reiht sich die Initiative in eine längere Reihe von Versuchen ein, den massiven Anstieg von Deepfakes im Netz in den Griff zu bekommen.
Die geplanten Symbole orientieren sich an den bekannten Hinweisen für anstößige Inhalte und erinnern optisch an Kacheln aus dem Periodensystem. Für vollständig durch KI erzeugte Titel ist ein schwarzes Label mit großen weißen „KI“-Buchstaben vorgesehen.
Für Songs, die von Menschen erstellt wurden, bei denen aber KI-Tools in Teilen des kreativen Prozesses zum Einsatz kamen, ist ein weißes Label mit kleinerem „ki“ geplant. Nach Angaben des Wall Street Journal sollen solche Kennzeichnungen zunächst nur für die Musik selbst gelten, nicht für von KI erzeugte Coverbilder oder Musikvideos.
Anders als freiwillige Hinweise wären die von der RIAA geforderten Labels verpflichtend. Unklar bleibt bislang, welche Konsequenzen drohen, wenn Künstler:innen versuchen, die Kennzeichnung zu umgehen. Die RIAA reagierte auf eine Anfrage nach weiteren Details dem Bericht zufolge zunächst nicht.
Während Unternehmen in Europa durch das KI-Gesetz der EU verpflichtet sind, künstlich erzeugte oder manipulierte Inhalte als solche erkennbar zu machen, fehlt eine vergleichbare gesetzliche Vorgabe in den USA. Dort liegt es bislang an den Technologiekonzernen selbst, ob und wie sie KI-Inhalte kennzeichnen.
Einige Plattformen wie Instagram und TikTok versehen Beiträge automatisch mit Hinweisen, wenn sie KI-generierte Inhalte erkennen. Musks Plattform X setzt dagegen stärker auf von Nutzer:innen erstellte „Community Notes“, um irreführende KI-Inhalte zu markieren. Die inzwischen eingestellte App Sora von OpenAI kennzeichnete KI-Videos automatisch, Nutzer:innen fanden jedoch schnell Wege, diese Hinweise zu entfernen.
KI-generierte Musik ist deutlich schwerer zu entdecken als KI-Bilder. Bilder enthalten statische Metadaten und oft erkennbare Merkmale wie zusätzliche Finger oder verzerrte Buchstaben. Die Metadaten von KI-Musik sind dagegen dynamisch und schwankend, was menschliche und algorithmische Erkennung erschwert.
2024 sorgte ein Song mit KI-Stimmenklonen von Drake und The Weeknd viral für Aufsehen, viele Hörer:innen hielten das Stück für eine rein menschliche Produktion. Gleichzeitig erkennen Streamingdienste wie Spotify das Potenzial solcher Inhalte als Geschäftsmodell.
Spotify führte dieses Jahr für Premium-Abonnent:innen eine Funktion ein, mit der Ihr KI-Remixe von Songs teilnehmender Künstler:innen erzeugen könnt. Das Feature entstand im Rahmen einer Kooperation mit Universal Music Group und soll Künstler:innen ermöglichen, an der Welle generativer KI zu verdienen, statt nur zuzusehen, wie sie ihre Einnahmen beeinflusst.
Seit September gilt bei Spotify zudem eine „Imitationsrichtlinie“: Songs mit KI-Stimmenklonen realer Künstler:innen dürfen nur mit deren Zustimmung veröffentlicht werden. In den Credits können Künstler:innen außerdem freiwillig angeben, ob KI bei der Produktion beteiligt war. Apple Musik bietet ähnlich optionale „Transparenz-Hinweise“ für Musik und Artwork, die mit KI-Hilfe entstanden sind.
Genau hier setzen die von der RIAA vorgeschlagenen Kennzeichnungen an: Sie sollen verpflichtend sein und damit über die bisherigen freiwilligen Lösungen von Spotify und Apple Musik hinausgehen.
Via: https://gizmodo.com
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