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Spektakuläre Retro-Sammlung: Computer History Museum rettet riesigen Fund aus deutschem Lagerhaus

Das Computer History Museum (CHM) in Kalifornien erinnert sich an einen seiner größten Funde: eine verlassene Computersammlung in Castrop-Rauxel bei Dortmund. Über 2.000 Exponate aus fünf Jahrzehnten Computergeschichte mussten nach einem Bombenalarm des Zweiten Weltkriegs aufwendig geborgen und in die USA transportiert werden.

Riesiges Lagerhaus voller Computer-Geschichte

Ausgangspunkt der Aktion war ein Hinweis eines Steuerberaters aus Dortmund, der das Museum kontaktierte. Er schickte einige großformatige Fotos eines verlassenen Lagerhauses, auf denen mehrere seltene Computer zu erkennen waren. Diese Bilder reichten dem CHM, um ein Team nach Deutschland zu schicken.

Die Kuratoren Dag Spicer und Alex Bochannek reisten daraufhin nach Castrop-Rauxel und verschafften sich vor Ort einen Überblick. Sie fanden ein riesiges dreistöckiges Lagerhaus in der Größe eines Flugzeughangars vor, das dicht mit historischer Computertechnik gefüllt war. Um den Bestand zu sichern, richteten sie ein Raster aus Paletten ein und strukturierten so die Bergung der Geräte und Zubehörteile.

Am Ende bedeckte die geordnete Sammlung einen Großteil der Fläche von rund 22 mal 50 Metern, also etwa 11.840 Quadratfuß. Wer sich ein Bild vom Ausmaß machen möchte, findet in dem verlinkten Blogbeitrag des CHM eine umfangreiche Fotogalerie, mit der sich der „Schatz“ virtuell erkunden lässt.

Von Lochkarten der 1930er bis zu europäischen Rechnern der 1980er

Die Funde umfassten Computertechnik aus einem bemerkenswert langen Zeitraum: von Lochkarten der 1930er-Jahre über seltene Maschinen aus dem Ostblock der Zeit des Kalten Krieges bis hin zu europäischer Hardware aus den 1980ern. Recherchen ergaben, dass die Sammlung offenbar von einem Professor und Lehrstuhlinhaber für Elektronik und Datenverarbeitungssysteme der RWTH Aachen aufgebaut wurde.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung im Jahr 2006 lebte der Professor noch, er verstarb jedoch vier Jahre später. Wie seine umfangreiche Sammlung zu einem „vergessenen Schatz seltener Computer in einem verlassenen Lagerhaus“ werden konnte, bleibt offen. Das CHM konzentrierte sich auf die Sicherung und Dokumentation der Technik.

Inhaltlich fanden die Kurator:innen eine breite Palette historischer Speichermedien: große Disk-Packs wie Diablo- und RK05-Typen, Papierstreifen, Lochkarten mit 80 und 96 Spalten, Magnetbänder, DECtapes, Magnetstreifen, Kassetten und Disketten. Dazu kam umfangreicher Quellcode und technische Dokumentation.

Den Schwerpunkt der Funde bildeten jedoch Großrechner, Minicomputer, Festplattenlaufwerke, Zeilendrucker sowie Lochkartenmaschinen aus den 1930er- bis in die 1980er-Jahre. Nach Abgleich mit dem bestehenden Bestand in Kalifornien dokumentierte das CHM insgesamt 2.056 neue Exponate. Das Volumen entsprach nach Angaben des Museums rund sieben Sattelzügen voller Objekte.

Bombenfund, neues Depot und ein „Guano-Sortierer“

Die Bergungsaktion verlief nicht ohne Zwischenfälle. In der Nähe des Lagerhauses wurde eine nicht explodierte alliierte Fliegerbombe entdeckt, was die Arbeiten vorübergehend stoppte. Castrop-Rauxel liegt im Ruhrgebiet, das im Zweiten Weltkrieg wegen seiner Industrieanlagen stark bombardiert wurde.

Angesichts der Menge und Bedeutung der geborgenen Technik entschied sich das Computer History Museum, seine Kapazitäten zu erweitern und ein neues, klimatisiertes Depot zu erwerben. Viele der Stücke aus Castrop-Rauxel sind heute Teil der „SAP-Sammlung“ des Museums.

Zwischen den historischen Maschinen fanden sich auch skurrile Szenen. Eine alte OCR-Maschine war so stark verwittert, dass Pflanzen aus ihr wuchsen. Ein Lochkartensortierer, der über Jahre genau unter einem Vogelnest gestanden hatte, erhielt von den Kurator:innen den Spitznamen „Guano-Sortierer“.

Der Fund aus Castrop-Rauxel bleibt für das CHM einer der größten und ungewöhnlichsten Retro-Transporte der Museumsgeschichte – von einem verlassenen deutschen Lagerhaus bis ins klimatisierte Depot in Kalifornien.

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Via: https://www.tomshardware.com
Titelbild: Computer History Museum

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Michael Reimann

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