Apple arbeitet mit einem strengen Sicherheitskonzept, damit Verpackungsdesigns und Werbematerialien neuer Geräte nicht vorab im Netz landen. Ein Blick auf die internen Vorgaben zeigt, wie umfassend dieser Schutz ist.
Bereiche, in denen an vertraulichen Designs und Projekten gearbeitet wird, müssen physisch gesichert sein – etwa mit Alarmcodes, Zahlenschlössern oder Kartenzutrittsystemen, mindestens aber mit einem herkömmlichen Schloss. Nach Angaben von AppleInsider werden Türcodes zu gesperrten Zonen regelmäßig geändert, damit ehemalige Mitarbeiter:innen keinen Zugang behalten.
Ein Empfang soll unbefugten Zutritt verhindern und Lieferzugänge im Blick behalten. Reinigungs- und Hauspersonal soll, wo immer möglich, keinen Zugang zu vertraulichen Informationen oder Materialien erhalten.
Innerhalb der Sperrbereiche gilt: Vertrauliche Inhalte dürfen nicht offen auf Whiteboards, Schreibtischen oder in Besprechungsräumen liegen. Projektmeetings finden in abgeschlossenen Konferenzräumen statt. Dateien mit Apple-Designs dürfen nicht unbeaufsichtigt auf Arbeitsrechnern geöffnet bleiben, alle beteiligten Computer müssen passwortgeschützt sein und verschlüsselte Volumes verwenden.
Müssen digitale Dateien mit Informationen zu nicht veröffentlichten Produkten intern oder mit autorisierten externen Grafikteams geteilt werden, laufen diese Transfers über einen gesicherten Apple-Server. Die Dateien selbst müssen zusätzlich mit 128-Bit-Verschlüsselung geschützt werden.
Physische Unterlagen gehören in verschlossene Boxen, Schränke oder Schubladen, wenn sie nicht benötigt werden. Vertrauliche Projektinformationen dürfen zudem von nicht geschützten Bereichen aus nicht einsehbar sein, alle Türen und Fenster müssen entsprechend gesichert werden. Für Designprojekte erlaubt Apple in der Regel keine Arbeit außerhalb dieser gesicherten Umgebung, also kein Homeoffice ohne ausdrückliche Freigabe.
Bereiche, in denen gedruckt oder Proofs erstellt werden, sind typischerweise zusätzlich durch Sicherheitspersonal geschützt. Mitarbeiter:innen müssen vertrauliche Ausdrucke direkt am Studio-Drucker abholen. Nicht mehr benötigte Dokumente werden geschreddert oder anderweitig gesichert, die Papierschnipsel landen in verschlossenen Behältern.
Wer an Apples Marketing- und Grafikprojekten arbeitet, wird vorab geprüft, ob die nötigen Qualifikationen vorhanden sind. Apple führt Listen aller Personen, die an nicht veröffentlichten Designs und Werbematerialien beteiligt sind.
Alle mit Zugriff auf solche Projekte müssen Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnen und strikte Kommunikationsrichtlinien einhalten. Informationen werden nur nach dem Need-to-know-Prinzip weitergegeben. Beteiligte sollen nicht öffentlich erwähnen, dass sie an Apple-Projekten arbeiten, um unnötige Aufmerksamkeit zu vermeiden. Projektinhalte werden nur im Kreis der durch NDA gebundenen Teammitglieder besprochen, nicht in offenen Bereichen.
Telefonate sollen nicht über Lautsprecher geführt werden, Produktnamen werden durch von Apple vorgegebene Codenamen ersetzt. Auch innerhalb des Teams gilt: So wenig Informationen wie nötig weitergeben.
Produktdetails, Designs, Grafiken und ähnliche Inhalte dürfen nicht als E-Mail-Anhang verschickt werden. Apple-Mails sollen nie an Personen weitergeleitet werden, die nicht direkt am Projekt mitarbeiten. Passwörter für geschützte Dateien werden in der Regel telefonisch übermittelt. Ist die andere Person nicht erreichbar, kann das Passwort per E-Mail verschickt werden – allerdings ohne die betreffenden Dateien.
Das Regelwerk deckt damit viele mögliche Angriffswege ab. Die Vorgaben für Reinigungskräfte fallen dabei besonders auf und deuten laut AppleInsider auf mindestens einen früheren, versuchten Leak über diesen Weg hin.
Neben Verpackungsdesigns und Werbematerial geht es bei Apple und den Zulieferern auch um Hardware- und Softwaredesign kommender Produkte. AppleInsider nennt für Prototypen unter anderem diese Dateiformate: .prt (3D-CAD-Dateien für Siemens NX), .x_t (Parasolid, 3D-CAD), .dwg und .dxf (2D-CAD), PDF-Schaltpläne sowie Gerber-Dateien für zweidimensionale Leiterplattenlayouts.
Während der Entwicklung wird jede Komponente eines Apple-Produkts als .prt-Datei modelliert, die mit dem nur unter Windows verfügbaren Konstruktionswerkzeug Siemens NX genutzt wird. Für iPhone, iPad oder Apple Vision Pro existiert so für jedes Teil – bis hin zu Schrauben, Halterungen und Abstandshaltern – eine genaue Datei mit allen Maßen, die für Prototypen benötigt wird.
Parasolid-Dateien (.x_t) kommen typischerweise für bestimmte Komponenten und verdeckte Testgehäuse kommender iPhone-Modelle zum Einsatz. PDF-Schaltpläne aus Siemens NX enthalten häufig exakte Abmessungen einzelner Bauteile oder ganzer Produkte, teilweise auch Materialangaben. Gerber-Dateien beschreiben zweidimensionale Leiterplattenlayouts, ergänzt durch DWG- und DXF-Dateien für weitere 2D-Konstruktionen.
Auf der Softwareseite werden Betriebssystem-Animationen mit einem proprietären Apple-Werkzeug namens Mica erstellt. Die App steht in internen macOS-Versionen zur Verfügung, ausgewählte interne Varianten von iOS und watchOS enthalten einen Mica-Viewer zum Abspielen dieser Animationen.
Trotz aller Maßnahmen tauchen fast jedes Jahr CAD-Daten kommender Geräte auf, meist über Hüllenhersteller. Artwork bleibt dagegen deutlich seltener nicht autorisiert sichtbar. Einzelne Vorfälle gibt es dennoch: 2018 veröffentlichte Apple versehentlich Grafiken zum damals noch unangekündigten iPhone XS, später wurde der Name MacBook Neo vor dem offiziellen Start unabsichtlich bekannt.
Laut AppleInsider kam es vereinzelt auch vor, dass externe Mitarbeiter:innen Apples Sicherheitsvorgaben missachtet haben, ohne dass dabei größere Design- oder Artwork-Leaks entstanden. Insgesamt wirken die strengen Standards also, indem sie den Weg von Entwürfen und Marketingbildern in die Öffentlichkeit deutlich erschweren.
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