Der weltweite Smartphone-Markt steuert 2026 auf den stärksten Rückgang seiner Geschichte zu. Grund sind knapper werdende Speicherkapazitäten, die die Preise für Geräte weiter nach oben treiben.
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens International Data Corporation (IDC) könnten die globalen PC- und Smartphone-Märkte 2026 um 11 beziehungsweise 13 Prozent schrumpfen. Parallel dazu erwartet Counterpoint Research einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen um 12 Prozent im Jahresvergleich. Das wäre der stärkste bisher gemessene Einbruch, die Stückzahlen würden damit auf das niedrigste Jahresniveau seit 2013 fallen.
Auslöser ist der zunehmende Ausbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Technologieunternehmen investieren massiv in entsprechende Rechenzentren und beanspruchen damit große Teile der verfügbaren Speicherchip-Kapazitäten. Hersteller:innen aus anderen speicherintensiven Bereichen wie Smartphones und PCs geraten dadurch unter Druck, ausreichend Chips zu sichern.
Laut Tarun Pathak, Forschungsdirektor für Geräte und Ökosysteme bei Counterpoint, lassen viele Speicherhersteller Smartphone-Anbieter:innen hinter sogenannten Hyperscalern zurücktreten. Die Zuteilung für Smartphone-Anbieter:innen werde gegenüber anderen Segmenten, aktuell vor allem KI, nachrangig behandelt, sagte er CNBC.
Die Knappheit hat bereits zu deutlichen Preisanstiegen bei Komponenten wie Arbeitsspeicherkarten geführt. Diese werden sowohl in Endgeräten als auch in großen Rechenzentren benötigt, in die KI-Anbieter wie Amazon und Meta derzeit stark investieren.
Die Umverteilung der Chipkapazitäten beschäftigt Gerätehersteller:innen zwar schon seit Jahren, doch die Folgen der KI-bedingten Nachfrage wurden lange unterschätzt. Das berichtet Bryan Ma, Vizepräsident für Geräteforschung bei IDC. Die Lage habe sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. IDC hatte im November noch ein Wachstum von 8,3 Prozent für den PC-Markt und 2 Prozent für Smartphones im Jahr 2026 erwartet, musste diese Prognose aber wegen der angespannten Versorgungslage nach unten korrigieren.
Auch Counterpoint spricht von einem „strukturellen Abschwung“ im Smartphone-Markt. Zwar stiegen die Auslieferungen im vierten Quartal 2025 noch um 3,8 Prozent im Jahresvergleich, doch die Schwere der Chipknappheit übertraf die damaligen Erwartungen deutlich.
Beide Berichte sehen in der anhaltenden Chipkrise strukturelle Veränderungen im Markt für Unterhaltungselektronik. Hersteller:innen werden ihre sinkenden Margen voraussichtlich über höhere Preise an die Kundschaft weitergeben. Das dürfte zu weniger neuen Nutzer:innen und längeren Austauschzyklen bei bestehenden Nutzer:innen führen, so Pathak.
Gleichzeitig eröffnen sich Chancen im Sekundärmarkt. Der Markt für gebrauchte und generalüberholte Smartphones dürfte wachsen, weil sich mehr Verbraucher:innen wegen steigender Speicherpreise gegen Neugeräte entscheiden. Laut beiden Studien werden Originalhersteller:innen ihre Verkäufe stärker auf mittlere bis höhere Preisklassen ausrichten. Einige Anbieter:innen könnten den Einstiegsbereich ganz verlassen.
Speicherkosten machen einen deutlich größeren Anteil am Preis günstiger Geräte aus. Das erschwert es Anbietern, profitabel zu bleiben und zugleich niedrige Endpreise zu halten, erklärt IDC-Experte Ma. Größere Hersteller seien für die unsichere Versorgungslage besser gerüstet. Unternehmen wie Apple und Samsung verfügten über eine stärkere Integration der Lieferkette, mehr Preissetzungsmacht und setzten ihre Premium-Strategie fort, heißt es im Bericht von Counterpoint.
Davon profitieren sie auch im Gebrauchtmarkt, in dem Modelle höherwertiger Anbieter einen größeren Anteil haben, weil sie für viele Käufer:innen besonders attraktiv sind, so Pathak. Für den Gesamtmarkt zeichnet sich kurzfristig dennoch ein schwieriges Umfeld ab. Counterpoint erwartet den frühesten Wendepunkt Ende 2027, falls zusätzliche Speicherkapazitäten verfügbar werden.
IDC sieht mögliche Entlastung durch neue Speicherfabriken und mehr kleinere Anbieter aus China. Abgesehen davon gebe es aber im Moment wenig Anlass zur Entwarnung, so Ma. Pathak bleibt dennoch zuversichtlich: Der Smartphone-Markt habe sich in der Vergangenheit immer wieder als widerstandsfähig erwiesen, und letztlich würden Menschen weiterhin ein Telefon benötigen.
Via: https://www.cnbc.com
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