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Russlands VPN-Sperren legen offenbar versehentlich Teile des Bankensektors lahm

Russland soll mit einem Schlag gegen VPN-Dienste unbeabsichtigt weite Teile seines eigenen Bankensektors gestört haben. Darauf deutet ein Beitrag von Telegram-Gründer Pawel Durow hin.

VPN-Ziel, Banken-Treffer

In einem Telegram-Beitrag am Samstag, über den Bloomberg berichtete, schrieb Durow, die russischen „Blockierungsversuche“ gegen VPNs hätten „einen massiven Bankausfall ausgelöst; Bargeld war gestern landesweit kurzzeitig die einzige Zahlungsmethode“. Russlands Eingriffe in den Internetverkehr haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Immer wieder fallen Dienste im Land plötzlich aus, wenn die Regierung im Netz etwas entfernt, das ihr missfällt, und dabei unbeabsichtigt andere Angebote mittrifft.

Ende des vergangenen Monats kündigte der russische Digitalminister Maksut Schadijew im Rahmen dessen, was Kommentator:innen als „Großes Durchgreifen“ bezeichneten, Maßnahmen an, um die „VPN-Nutzung zu reduzieren“. Die Ankündigung erfolgte auf Max, der offiziellen Allzweck-App Russlands. Diese soll das digitale Leben im Land zentralisieren, bietet aber offenbar weder Verschlüsselung noch nennenswerte Datenschutzfunktionen, die den staatlichen Einblick in das Verhalten der Nutzer:innen verhindern könnten.

Bereits im Februar waren WhatsApp und Telegram im russischen Internet faktisch entfernt worden. Beobachter:innen werteten das als recht deutlichen Versuch, mehr Menschen in Richtung Max zu drängen.

Filterung überlastet – Online-Banking gestört

Virtuelle private Netzwerke (VPNs) ermöglichen es Nutzer:innen, Netzsperren zu umgehen, indem sie ihren Datenverkehr über Server in anderen Regionen leiten. Wie Bloomberg unter Berufung auf „The Bell und andere russische Medien“ berichtet, wurden am Freitag im Zuge der Anti-VPN-Maßnahmen Bank-Apps in Russland gestört. Die Ausfälle könnten durch eine Überlastung der Filtersysteme ausgelöst worden sein, die von der russischen Kommunikationsaufsicht betrieben werden.

Laut den zitierten Berichten warnen Expert:innen davor, dass weitreichende Einschränkungen die Stabilität des gesamten Netzwerks gefährden könnten. Die aktuellen Störungen fügen sich in ein Muster ein, bei dem technische Eingriffe in die Infrastruktur immer wieder unerwartete Folgen für alltägliche digitale Dienste haben.

Telegram bleibt trotz Verbot weit verbreitet

Durow sieht die Versuche Russlands, Telegram zu beschneiden, offenbar als gescheitert. Seinen Angaben zufolge nutzen dank VPNs weiterhin 50 Millionen Menschen in Russland den Dienst täglich. In einem zusätzlichen Beitrag präzisierte er, dass über 50 Millionen Russ:innen jeden Tag mindestens eine Nachricht senden und Telegram insgesamt 65 Millionen täglich aktive Nutzer:innen in Russland habe – und das trotz des Verbots. Die monatlichen Nutzerzahlen stünden noch nicht endgültig fest, könnten aber nach seiner Einschätzung leicht doppelt so hoch liegen.

Durow ist in Russland geboren, besitzt aber auch Staatsbürgerschaften von St. Kitts und Nevis, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Frankreich. Bereits 2018 führten frühere Versuche, Telegram stärker zu kontrollieren, Medienberichten zufolge zu ähnlichen Konsequenzen. Russland soll damals einen Generalschlüssel für Telegram-Nachrichten verlangt haben, scheiterte jedoch offenbar an der Geräteverschlüsselung des Dienstes, die nur mit physischem Zugriff auf das Endgerät ausgehebelt werden kann.

Laut der „Moscow Times“ kam es bei dem Versuch, Telegram zu blockieren, zu erheblichen Störungen bei Online-Zahlungen, Spielen und sogar sogenannten „smarten Häusern“, während Telegram selbst schätzungsweise nur rund drei Prozent seines russischen Publikums verlor.

Via: https://gizmodo.com

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Michael Reimann

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