In einer Beta von Apples Reality Composer Pro 3 sind deutliche Spuren der eingestellten Spiele-Engine „The Machinery“ aufgetaucht. Der Fund wirft Fragen zur Herkunft von Teilen der zugrunde liegenden Technik auf.
Die aktuelle Beta von Reality Composer Pro 3, Apples Tool zur Erstellung räumlicher Inhalte für Apple Vision Pro und andere Plattformen, enthält zahlreiche Hinweise auf „The Machinery“. Entwickler Nicolás Alvarez entdeckte entsprechende Codefragmente, MacRumors bestätigte die Funde unabhängig. In den Binärdateien tauchen mindestens 40 Erwähnungen von „the machinery“ oder „our machinery“ auf, die auf die frühere Engine verweisen.
Die Struktur des Projekts in Reality Composer Pro 3 ähnelt zudem dem Aufbau von The Machinery. Das betrifft unter anderem den Umgang mit Assets, die Verwaltung von Abhängigkeiten und die Datenbankarchitektur. Konzepte wie wiederverwendbare Prototypen, Live-Bearbeitung, Asset-Abhängigkeitsverfolgung und schnelle Iterationsabläufe erinnern stark an den Ansatz der eingestellten Engine.
The Machinery war ein ambitioniertes Spiele-Engine-Projekt des Studios Our Machinery, das aus erfahrenen Entwickler:innen des Bitsquid-Engines hervorging. Ziel war eine besonders flexible, „hackbare“ Engine, in der Entwickler:innen eigene Plug-ins schreiben und Anwendungen auf Basis des Frameworks erstellen konnten. Ein Schwerpunkt lag auf der Möglichkeit, dass mehrere Personen gleichzeitig am selben Projekt arbeiten.
Zentrales Element war ein System namens „The Truth“. Dabei handelte es sich um ein datenbankgetriebenes Modell, das Assets, Objekte, Abhängigkeiten und den Zustand des Editors vereinheitlichte. So sollten Bearbeitungen in Echtzeit und kollaborative Workflows erleichtert werden. Das Projekt startete 2021, wurde jedoch Mitte 2022 abrupt beendet. Nutzer:innen mit Lizenz wurden damals aufgefordert, Quellcode und Binärdateien zu löschen, ohne dass Gründe für die Einstellung genannt wurden.
Die plötzliche Schließung und die anschließende Funkstille sorgten in der Entwickler:innenszene für Verwunderung, insbesondere da The Machinery zuvor eine engagierte Anhängerschaft unter Engine-Programmierer:innen aufgebaut hatte. Bis heute ist öffentlich nicht bekannt, ob Apple die Technologie lizenziert, das Unternehmen übernommen oder die Technik auf anderem Weg erhalten hat.
Die Verbindungen beschränken sich nicht nur auf Code und Architektur. Tricia Gray, Mitgründerin und frühere Geschäftsführerin von Our Machinery, arbeitet laut ihrem LinkedIn-Profil inzwischen im Team für räumliche Entwickler:innen-Tools bei Apple. Das nährt die Vermutung, dass Erfahrungen und Konzepte aus The Machinery nun direkt in Apples Werkzeuge für räumliches Computing einfließen.
Was die Nutzung der Elemente von The Machinery konkret für Reality Composer Pro 3 bedeutet, ist derzeit noch offen. Klar ist nur, dass die gefundenen Referenzen darauf hindeuten, dass Teile der Ideen und Strukturen der eingestellten Engine ihren Weg in Apples Entwicklungsumgebung gefunden haben. Apple hat sich zu den Entdeckungen bislang nicht geäußert; Medien haben um eine Stellungnahme gebeten und wollen ihre Berichterstattung bei neuen Informationen aktualisieren.
Via: appleinsider.com · www.macrumors.com
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