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RAM-Knappheit macht alte Smartphones überraschend wertvoll

Die weltweite Knappheit an Speicherchips durch die hohe Nachfrage nach KI treibt Millionen von Nutzer:innen auf den Gebrauchtmarkt. Selbst beschädigte Smartphones erzielen plötzlich deutlich höhere Preise.

Steigende Restwerte durch knappe Ersatzteile

Eine weltweite Verknappung von Speicherchips, ausgelöst durch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, lässt die Preise für gebrauchte Smartphones steigen. Geräte, die früher defekt in Schubladen lagen, bringen ihren Besitzer:innen nun unerwartete Erlöse, selbst wenn sie deutlich beschädigt sind. Käufer:innen aus Aufbereitungs- und Reparaturbetrieben konkurrieren inzwischen um Bauteile, die früher als wertloser Schrott galten.

Marktdaten der B2B-Plattform B-Stock für gebrauchte Smartphones zeigen, dass die Preise für Apple- und Samsung-Modelle im zweiten Quartal 2026 höher lagen als in den beiden Quartalen zuvor. Im vergangenen Jahr stellten Smartphones der Zustandsklasse D, also der niedrigsten Qualitätsstufe, den Großteil der über die Plattform gehandelten Geräte, mit Millionen verkauften Einheiten. In der ersten Hälfte 2026 überholten dann Geräte der mittleren Zustandsklasse C die unterste Kategorie nach Stückzahl: Sie kamen auf 37,8 Prozent der Verkäufe, während die niedrigste Klasse 31,6 Prozent ausmachte.

Unter den Apple-Geräten erzielte das iPhone 17 Pro Max im Quartal den höchsten durchschnittlichen Verkaufspreis über alle Zustandsstufen hinweg und lag bei 940 US-Dollar (ca. 880 Euro). Bei Samsung waren die Modelle Galaxy S23 Ultra, S22 Ultra und S24 Ultra am gefragtesten, wobei das S22 Ultra das ältere Z Fold5 von Platz zwei verdrängte. Nach dem Start des Galaxy S26 zogen auch die Preise für die vorherigen Flaggschiff-Generationen an: Ein gut erhaltenes S23 Ultra erreichte im Juni mit 425 US-Dollar (ca. 400 Euro) seinen höchsten Monatsdurchschnitt des Jahres.

Reparaturbranche entdeckt defekte Geräte neu

B-Stock warnt allerdings davor, den Trend als bloße Abverkaufswelle ungewollter Altgeräte zu deuten. Laut dem Unternehmen behalten viele Menschen ihre Smartphones inzwischen länger, was mit zunehmendem Alter automatisch zu mehr Angeboten in den unteren Qualitätsklassen führt. Diese Entwicklung trifft nun auf steigende Nachfrage nach wiederverwendbaren Komponenten.

Hersteller bauen bislang in der Regel noch keine Speicherchips aus beschädigten Geräten aus, um sie in neuen Produkten zu verwenden. Aufwendige Prüfungen, Kompatibilitätsfragen und Zuverlässigkeitstests erschweren diesen Ansatz. Nach Einschätzung von B-Stock verschiebt sich jedoch die Wirtschaftlichkeit der Bauteilgewinnung: Mit steigenden Speicherpreisen lohnt sich die Rückgewinnung von Komponenten, die früher den Aufwand nicht rechtfertigten.

Displays, Kameraeinheiten, Akkus, Ladebuchsen, Gehäuse, Lautsprecher, Kabel und Platinen behalten häufig ihren Wert, selbst wenn das Smartphone als Ganzes nicht mehr reparierbar ist. Ein Gerät der niedrigsten Zustandsklasse bedeutet zudem nicht, dass alle verbauten Teile ebenfalls minderwertig sind. Oft scheitert ein Smartphone, das nach vier oder mehr Jahren eingetauscht wird, allein an der Akkugesundheit und landet deshalb nach den üblichen Plattformregeln automatisch in der untersten Kategorie.

Marktkorrektur statt plötzlicher Öko-Trend

Der aktuelle Trend wirkt eher wie eine Marktkorrektur als eine spontane ökologische Kehrtwende. Viele Verbraucher:innen geben ihre alten Geräte nicht in erster Linie aus Umweltbewusstsein zurück, sondern wegen der höheren Ankaufpreise. Händler:innen wiederum verbessern ihre Eintauschangebote, um die Versorgung mit Ersatzteilen sicherzustellen und die steigende Nachfrage in der Reparaturkette zu bedienen.

Ob diese Entwicklung die Menge an Elektroschrott tatsächlich verringert oder lediglich in eine profitablere Verwertungsschiene lenkt, bleibt vorerst offen und wird sich erst langfristig zeigen.

Via: https://www.techradar.com

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Michael Reimann

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