Qualcomm nutzt den Mobile World Congress 2026, um zwei zentrale Bausteine für künftige KI-Geräte vorzustellen: die neue Snapdragon-Wear-Elite-Plattform und Wi‑Fi‑8‑fähige FastConnect-8800-Chips. Gemeinsam sollen sie Wearables und vernetzte Geräte leistungsfähiger, sparsamer und dauerhaft online machen.
Mit Snapdragon Wear Elite bringt Qualcomm seine bisher Smartphones vorbehaltene „Elite“-Marke erstmals auf Wearables. Der Chip zielt nicht nur auf Smartwatches, sondern auch auf KI-Anhänger, Pins, Smart Glasses, Sensorbänder und andere Formfaktoren. Samsung, Google und Motorola unterstützen die Plattform bereits, erste Geräte sollen in den nächsten Monaten beziehungsweise im Sommer erscheinen.
Der Prozessor basiert auf einem 3-Nanometer-Verfahren und setzt auf fünf CPU-Kerne, einen großen mit 2,1 GHz und vier kleinere mit 1,9 GHz. Qualcomm verspricht bis zu fünffach höhere Single-Thread-Leistung und bis zu siebenfach schnellere Grafik im Vergleich zu bisherigen Wear-Chips. Gleichzeitig soll die Energieeffizienz steigen, sodass Wear-OS-Geräte eine um rund 30 Prozent längere Akkulaufzeit erreichen und in zehn Minuten bis zu 50 Prozent geladen werden können.
Kern der Plattform ist eine neue, dedizierte Neural Processing Unit. Diese Hexagon-NPU unterstützt KI-Modelle mit bis zu zwei Milliarden Parametern und verarbeitet etwa zehn Token pro Sekunde direkt auf dem Gerät. Damit sollen Funktionen wie Schlüsselwort-Erkennung, Geräuschunterdrückung, kontextabhängige Empfehlungen, natürlichere Sprachinteraktionen, Protokollierung des Alltags und KI-Agent:innen möglich werden, die Aufgaben im Hintergrund koordinieren.
Snapdragon Wear Elite ist zudem auf Video ausgelegt. Er unterstützt Videoeingang und -streaming, bis hin zu 1080p-Ausgabe an Displays. Qualcomm zeigt Konzepte mit Smartwatches inklusive Kamera am Gehäuserand sowie Halsanhängern mit nach außen gerichteter Kamera. Solche Kameras sind weniger für klassische Fotos gedacht, sondern als zusätzliche Sensoren für multimodale KI, etwa für Gesichtserkennung beim Bezahlen, als digitaler Autoschlüssel oder für andere KI-gestützte Steuerungen.
Beim Funk setzt Snapdragon Wear Elite auf Flexibilität. Unterstützt werden reduzierter 5G-Betrieb, Mikro-Power-WLAN (802.11ax), Bluetooth 6.0, Ultra-Breitband, satellitenfähiges NB‑NTN sowie GNSS mit GPS L1 und L5. Hersteller:innen können Varianten mit oder ohne bestimmte Funktechniken wählen, je nach Gerätetyp. Ziel ist, dass Wearables länger im Hintergrund online bleiben können, ohne den Akku schnell zu leeren.
Qualcomm sieht den Chip in einer breiten Palette von Produkten: klassische und KI-erweiterte Smartwatches, Smart Glasses, Kopfhörer und Ohrstöpsel mit Kamera, Sensorbänder mit EMG-Sensorik für Gestensteuerung sowie KI-Pendants. Wear Elite soll dauerhaft aktive, kontextbewusste Assistent:innen ermöglichen, die Sprache, Standort, Bewegung, Ton und Bilddaten auswerten und so im Alltag proaktiv helfen, auch ohne permanente Cloud-Anbindung.
Samsung bestätigt, dass die nächste Galaxy Watch – voraussichtlich im Sommer – Snapdragon Wear Elite nutzen wird. Google erwartet laut Wear-OS-Geschäftsführung spürbare Fortschritte bei Leistung, Laufzeit und Konnektivität künftiger Wear-OS-Geräte. Motorola verweist auf sein „Maxwell“-Pendent-Konzept, das sich mit der neuen Plattform weiterentwickeln soll.
Parallel zu Wear Elite stellt Qualcomm FastConnect 8800 als erste mobile Wi‑Fi‑8‑Lösung für Laptops, Tablets und Smartphones vor, inklusive Bluetooth 7.0. Der Chip ist die erste mobile Plattform mit 4×4-WLAN-Funk und soll im Vergleich zum Wi‑Fi‑7‑Vorgänger FastConnect 7800 eine bis zu doppelt so hohe Performance liefern. Im Labor erreichte Qualcomm bis zu 11,6 GBit/s, zuvor waren es bis zu 5,8 GBit/s mit 2×2-Funk.
FastConnect 8800 soll zudem die Gigabit-Reichweite verdreifachen. Bluetooth steigert die Datenrate von 2 MBit/s auf 7,5 MBit/s durch Bluetooth High Data Throughput. Hinzu kommen Proximity-KI und Ultra-Breitband 802.15.4ab, um nahe Geräte präzise zu orten oder automatisch zu koppeln. Auch hier betont Qualcomm den KI-Bezug der Konnektivität.
Für Router, Mesh-Systeme und Unternehmensnetzwerke führt Qualcomm die Dragonwing-Plattformen ein, darunter Dragonwing N8 und F8 für den Heimbereich. Sie bringen Wi‑Fi 8 in Heimrouter und Mesh-Systeme und integrieren eine „Network AI Engine“, die die Qualität der Nutzererfahrung in Echtzeit optimieren soll. Alle neuen Wi‑Fi‑8‑Produkte werden bereits an Kund:innen bemustert, eine breite Verfügbarkeit erwartet Qualcomm Ende 2026.
Wi‑Fi 8 selbst ist nicht auf höhere Maximalgeschwindigkeiten gegenüber Wi‑Fi 7 ausgelegt, soll aber Zuverlässigkeit, Reichweite, Latenz und das Verhalten in funktechnisch dichten Umgebungen verbessern. Mesh-Netze sollen beim Wechsel zwischen Zugangspunkten stabiler laufen, und die Leistung am Rand der Funkzelle soll steigen. Qualcomm positioniert seine neuen Lösungen damit als Grundlage für eine vernetzte KI-Zukunft, in der Wearables und mobile Geräte dauerhaft und möglichst effizient online bleiben.
Via: www.engadget.com · www.cnet.com · www.techradar.com · www.techradar.com
Titelbild: Qualcomm
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