Google startet mit Pixel 11, Pixel Watch 5 und neuen AI-Funktionen eine groß angelegte Gemini-Offensive – mitten im direkten Vergleich mit iPhone, Apple Watch und Apple Intelligence. Gleichzeitig sorgen steigende Speicherpreise und massive Kritik an Google Health für Gegenwind.
Die Pixel‑11‑Reihe umfasst Pixel 11, 11 Pro, 11 Pro XL und 11 Pro Fold und stellt Gemini Intelligence ins Zentrum. Statt in einer separaten Chatbot-App steckt Gemini tief im Betriebssystem und greift quer über Nachrichten, Kalender, Karten und andere Google-Dienste, um nächste Schritte vorzuschlagen oder direkt zu erledigen, etwa Verfügbarkeiten prüfen oder ein Restaurant reservieren. In den USA sollen Nutzer:innen mit Gemini auch Einkäufe erledigen, Fahrten buchen oder Unternehmen anrufen lassen können, inklusive Live-Transkript und der Möglichkeit, jederzeit zu übernehmen.
Hardwareseitig bleibt Google konservativ: Design und Displays ändern sich nur leicht, alle Modelle setzen auf den neuen Tensor‑G6‑Chip. Der Prozessor soll unter anderem bis zu 25 Prozent schneller beim Surfen sein. Während dessen die TPU für KI-Aufgaben laut Google bis zu 50 Prozent zulegt und On-Device-KI deutlich effizienter rechnet. Die Basismodelle starten nun mit 256 GB Speicher, dafür steigen die Einstiegspreise: Pixel 11 ab 899 US‑Dollar (ca. 825 Euro), Pixel 11 Pro ab 1.099 US‑Dollar (ca. 1.010 Euro), Pixel 11 Pro XL und Pixel 11 Pro Fold jeweils ab 1.299 US‑Dollar (ca. 1.195 Euro). 16 GB RAM gibt es nur noch bei 512‑GB‑ und 1‑TB‑Varianten, die 256‑GB‑Modelle bleiben bei 12 GB.
Größere Schritte macht Google bei der Kamera-Software. „Magic Capture“ extrahiert aus Videos automatisch hochauflösende Fotos mit Fokus auf Lachen, Bewegungen und andere „beste Momente“. „Circle to Search“ funktioniert nun direkt in der Kamera und Inhalte lassen sich per Live-Übersetzung in Echtzeit übertragen. Mit „Camera Looks“ führt Google frei konfigurierbare Bildstile ein, ähnlich den fotografischen Stilen des iPhone, inklusive vordefinierter Presets wie Natural, Shadows und Vanilla. Für Creator:innen gibt es eine eigene „Creator Suite“ mit Teleprompter, Hilfslinien für Social‑Videos und einfacher Clip-Organisation.
Mit Gemini im System tritt Google in eine besondere Rolle: Apple baut Siri ebenfalls auf Googles Modellen auf, sowohl auf dem iPhone als auch auf der Apple Watch. Rick Osterloh, Hardwarechef von Google, betont gegenüber CNBC dennoch „sehr unterschiedliche Richtungen“ von Pixel und iPhone und verweist auf Funktionen wie Betrugserkennung, die Diktatlösung Rambler und die tiefe Gemini-Integration in Android als Alleinstellungsmerkmale. Osterloh sieht in Gemini eine neue Art, mit Computern zu interagieren, die irgendwann zur primären Bedienform von Smartphone, Laptop und anderen Geräten werden könnte.
Ob das reicht, um neue Geräte zu verkaufen, ist offen. Zahlen von Counterpoint Research zufolge liegt KI derzeit nur auf Platz sechs oder sieben der Gründe für Smartphone-Upgrades, auch wenn das Thema durch Gemini und Apple Intelligence etwas wichtiger geworden ist. Apple könnte dank eines größeren Bestands kompatibler iPhones schneller von generativer KI profitieren, während Google seine Modelle früher auf eigenen Geräten zeigt.
Parallel dazu steigen die Kosten: Osterloh spricht von einem deutlichen Mangel an RAM und Flash-Speicher, ausgelöst vor allem durch KI-Rechenzentren. RAM-Preise sind demnach von 2,80 auf 12 US‑Dollar pro Gigabyte gestiegen, weshalb „alle ihre Preise erhöhen müssen“, Google eingeschlossen.
Die Pixel Watch 5 startet mit demselben Grundpreis wie die Apple Watch Series 11, nämlich 399 US‑Dollar (ca. 367 Euro), und setzt wie die Pixel‑Phones stark auf KI. Die Uhr bietet Blutdruckmessung, Trends zur Insulinresistenz über einen neuen „Health Guardian“ sowie klassische Gesundheitsdaten zu Herzfrequenz, Schlaf und Aktivität. Zusammen mit Gemini Intelligence und dem Google Health Coach verspricht Google ein personalisiertes Erlebnis. Insbesondere im Zusammenspiel mit Pixel‑Smartphones inklusive Kamerafernbedienung, Google Wallet, Offline‑Karten und als Fernbedienung für Google TV.
Im direkten Vergleich punktet die Apple Watch Series 11 mit einem dünneren, leichteren Gehäuse, was vor allem beim 24/7‑Tragen und beim Schlafen angenehmer sein kann. Auf iPhone‑Seite bleibt zudem die enge Bindung an iOS: Die Apple Watch funktioniert nur mit dem iPhone, während die Pixel Watch 5 auf Android setzt.
Ausgerechnet rund um den Start der Pixel Watch 5 gerät Google jedoch mit Google Health unter Druck. Nutzer:innen berichten in sozialen Medien von massiven Fehlinterpretationen des AI‑Assistenten und des kostenpflichtigen Health Coachs. Die App soll Workouts „halluzinieren“, etwa Spaziergänge oder Hausarbeit als Schwimmeinheiten verbuchen, Läufe oder Umzüge erfinden und Schlafphasen melden, obwohl zwischenzeitlich gar kein Herzschlag aufgezeichnet wurde. Einzelne Nutzer:innen ließen sich von der App sogar eine Liste aller falschen Aussagen ausgeben und sprechen von „ununterbrochenen Lügen der KI“.
Hinzu kommen Kritik am unübersichtlichen App‑Design und an allzu geschwätzigen Textzusammenfassungen. Einige Kund:innen kündigen ihre KI‑Abos und spekulieren öffentlich, die App könne komplett von KI‑Agenten programmiert worden sein. Ein Hinweis auf das Ausmaß der Frustration. Google hat auf entsprechende Anfragen bislang nicht reagiert. Der Fall zeigt, wie wenig Fehlertoleranz Nutzer:innen bei sensiblen Gesundheitsdaten haben. Gerade wenn KI‑Auswertungen zur Grundlage für Entscheidungen über Training, Schlaf oder Lebensstil werden.
Via: thenextweb.com · www.techradar.com · www.zdnet.com · www.zdnet.com · gizmodo.com · www.cnbc.com · techcrunch.com
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