Papst Leo XIV. warnt in seinem ersten großen Lehrschreiben vor den Risiken Künstlicher Intelligenz und fordert klare rechtliche sowie ethische Leitplanken. Das Schreiben „Magnifica Humanitas“ stellt die Würde des Menschen ins Zentrum.
Das am Montag veröffentlichte Rundschreiben „Magnifica Humanitas“ trägt den Untertitel, den Menschen in der Zeit der Künstlichen Intelligenz zu schützen. Papst Leo beschreibt darin die Gefahren von KI-gestützter Kriegsführung, die Folgen für Arbeit und Beschäftigung sowie die Notwendigkeit neuer Regeln für den Umgang mit Technologie. Er spricht von wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen durch den raschen KI-Einsatz, denen zu wenig Schutz für Einzelne gegenübersteht und die die Menschenwürde bedrohen.
Als Vergleich zieht er den Turmbau zu Babel heran. Die Gesellschaft müsse das „Babel-Syndrom“ vermeiden, das er als Götzendienst des Profits beschreibt, der Schwache opfert, Verschiedenheit einebnet und so tut, als könne eine einzige Sprache – auch eine digitale – alles in Daten und Leistung übersetzen, selbst das Geheimnis der Person. Der Papst betont, KI sei inzwischen tief in zentrale Lebensbereiche eingedrungen: von Arbeitsplatzverlust und Arbeit insgesamt über automatisierte Kriegsführung bis hin zu Kindern, die früh mit KI-Werkzeugen und -Inhalten in Berührung kommen.
Über allem stehe der Anspruch, die Würde des Menschen zum Maßstab von Entscheidungen und Regulierung zu machen. Gefordert sei eine moralische und soziale Unterscheidung, die den Vorrang der Person wahrt, schreibt Leo. So solle sichergestellt werden, dass menschliche Intelligenz mit Gewissen und Freiheit technische Innovationen lenkt und verantwortungsvoll über ihren Einsatz und ihre Grenzen entscheidet.
Das über 42.000 Wörter lange Schreiben ruft zu Besonnenheit, gründlicher Prüfung und mitunter auch zu einem langsameren Tempo bei der Einführung von KI auf. Der Papst versteht dies als verantwortungsvolle Sorge für die menschliche Familie. Er schlägt unter anderem soziale Kriterien für den Einsatz von Automatisierung und KI vor, verbunden mit Schutzmaßnahmen und Umschulungsprogrammen für Arbeitnehmer:innen. Entscheidungen über den Einsatz tödlicher Gewalt müssten bei Menschen liegen, nicht bei undurchsichtigen technischen Systemen.
Außerdem fordert Leo Unterstützung für Lehrkräfte und Schüler:innen, damit sie neue Technologien verantwortlich, kritisch und kreativ nutzen können. Wo Algorithmen über Einstellungen oder den Zugang zu Leistungen und Chancen mitentscheiden, verlangt er Transparenz und Rechenschaftspflicht. Auch die Entwicklung ökologisch nachhaltiger KI-Technologien ist Teil seiner Forderungen.
Die Auswirkungen von KI auf die Menschheit sind ein zentrales Thema des Pontifikats. Papst Leo wählte seinen Namen in Anlehnung an die Industrielle Revolution, in der Papst Leo XIII. eine Enzyklika zum Schutz von Arbeiter:innen in Zeiten technischer Fortschritte veröffentlichte. Leo XIV. sucht zudem den Austausch mit der KI-Branche: Bei der Vorstellung von „Magnifica Humanitas“ war Christoph Olah, Mitgründer von Anthropic, anwesend. Laut Politico haben sich Vertreter:innen von Amazon, Meta und Google vor der Veröffentlichung mit Vatikanvertreter:innen getroffen, um Einfluss auf die Positionen der Kirche zu nehmen. Eine explizite Erwähnung Allgemeiner Künstlicher Intelligenz findet sich in der Enzyklika nicht.
Das Schreiben lehnt KI nicht grundsätzlich ab. Der Papst ruft stattdessen zur „Abrüstung“ der Technologie auf – militärisch ebenso wie wirtschaftlich und gesellschaftlich. KI dürfe nicht für ein Rennen um Macht oder zur Monopolisierung der Gesellschaft missbraucht werden. Abrüsten bedeute, so Leo, die Annahme infrage zu stellen, dass technische Macht automatisch ein Recht zur Herrschaft verleiht. Es heiße nicht, Technologie zurückzuweisen, sondern zu verhindern, dass sie die Menschheit beherrscht.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenVia: https://www.theverge.com
Titelbild: Vatican Media
Den Beitrag in unserem Forum kommentieren
Apple und Microsoft müssen in Russland Kommunikationsdaten ihrer Nutzer:innen drei Jahre lang speichern. Russische Behörden können die Herausgabe von Nachrichten,…
Das neue iPad mini bringt ein OLED-Display, ein dünneres Gehäuse und den A20 Pro. Erste Testberichte loben die Verbesserungen, sehen…
Ein Flüssigkeitsschaden kann auch dann noch entstehen, wenn die Oberfläche längst trocken ist. Schaltet Euren Mac deshalb sofort aus und…
Apple hat mit dem Test von iOS 27.3 begonnen. Das Update ergänzt neue Funktionen für Safari, Siri und die Health-App…
Apple Fitness+ soll mit Gym Strength individuelle Kraftpläne fürs Fitnessstudio anbieten. Zugleich zeigen Gesundheitsberichte, dass gezielte Gewichtsabnahme das Risiko für…
Apple öffnet Siri AI für Entwickler:innen. Zugleich rücken neue KI-Funktionen für die Apple Watch in den Blick, weil sie auf…
Diese Website benutzt Cookies um Ihr Nutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.
Mehr lesen