Ein erneuter Ausfall bei Microsofts Cloud-Diensten legt wichtige Services lahm und macht unsere Abhängigkeit von wenigen großen US-Anbietern deutlich. Was ist passiert und was bedeutet das für euch?
Am Mittwochmittag, etwa um 18 Uhr deutscher Zeit, kam es bei Microsoft zu Ausfällen in der Azure-Cloud und den verbundenen Angeboten wie Microsoft 365, Xbox und Minecraft. Betroffen waren auch die eigene Unternehmens Website sowie der Bereich für Investor:innen-Informationen. Microsoft nannte als Ursache eine „unbeabsichtigte Konfigurationsänderung“ im Bereich Azure Front Door, einem wichtigen Content-Delivery-Netzwerk.
Während des gesamten Nachmittags konnte Microsoft keine durchgehende Verfügbarkeit der eigenen Statusseite gewährleisten. Das Unternehmen begann, mehrere kürzlich eingeführte Konfigurationsänderungen schrittweise wieder zurückzunehmen. Ziel war es, jenen Zustand wiederherzustellen, bei dem das System zuletzt stabil lief. Gegen 21 Uhr deutscher Zeit gab Microsoft bekannt, diesen stabilen Zustand gefunden zu haben. Erste Nutzer:innen konnten ab diesem Zeitpunkt wieder auf die Dienste zugreifen. Es wurden weitere Knotenpunkte und der Datenverkehr über funktionierende Systeme wiederhergestellt.
Microsoft riet allen Kund:innen, den Bereich „Service Health Alerts“ weiterhin zu überprüfen, da es wiederholt zu Einschränkungen kommen konnte. Während der Fehlersuche verhinderte Azure, dass Nutzer:innen ihre Instanzen selbstständig konfigurieren konnten. Erst nach Abschluss aller Maßnahmen, voraussichtlich am Abend gegen 1:20 Uhr, sollte das Problem vollständig gelöst sein.
Besonders brisant: Der Ausfall ereignete sich kurz vor der anstehenden Veröffentlichung der neuesten Geschäftszahlen. Zudem wurde erst neun Tage zuvor Amazon Web Services von einer ähnlichen weltweiten Störung betroffen. Solche Ereignisse belegen, dass riesige Cloud-Dienste ausfallen und für tausende Dienste zum sogenannten Single Point of Failure werden können. Obwohl große US Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Amazon grundlegende Sicherheit und Zuverlässigkeit bieten, reichen Störungen weit über ihre eigenen Plattformen hinaus.
Die Abhängigkeit weiter Teile der deutschen und europäischen Wirtschaft von US Clouddiensten, macht die hiesige Ökonomie nicht nur von der technischen Stabilität der USA abhängig. Jeder Ausfall von Azure oder AWS ist eine Aufforderung endlich ein europäisches und zugleich dezentrales Angebot zu forcieren.
IT-Sicherheitsexperte Davi Ottenheimer hebt hervor, dass bereits die Azure-Statusseite nicht immer funktionierte – ein weiteres Anzeichen für fehlende Resilienz. Die digitale Infrastruktur, auf der zahlreiche Anbieter:innen und deren Kund:innen gleichzeitig aufbauen, birgt das Risiko, dass Fehler vielerorts auftreten. Unternehmen glauben häufig, sie seien durch den Wechsel zu einem bestimmten Cloud-Anbieter geschützt, doch tatsächlich laufen viele Abhängigkeiten und Dienste im Hintergrund dennoch über die Plattformen anderer Anbieter weiter. Die Einführung von Künstlicher Intelligenz als weiterer Kernbestandteil der Infrastruktur erhöht diese gegenseitige Abhängigkeit noch einmal.
Die jüngsten Vorfälle zeigen: Trotz technischer Fortschritte und regelmäßiger Verbesserungen bleibt die digitale Infrastruktur anfällig für Konfigurationsfehler und Ausfälle – und mit jedem neuen Service, der an diese Cloud-Angebote angeschlossen wird, steigt auch das Risiko eines weitenreichenden Zusammenbruchs.
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