Polizeikräfte aus mehreren europäischen Ländern und Europol haben ein internationales SIM-Farm-Netzwerk ausgehoben. Das Netzwerk unterstützte weltweit betrügerische Aktivitäten durch den Aufbau von Millionen gefälschter Online-Profile.
Am 10. Oktober starteten Strafverfolgungsbehörden aus Österreich, Estland, Finnland sowie Lettland, zusammen mit Europol, die koordinierte „Operation Simcartel“ in Lettland. Dabei durchsuchten die Beamten 26 Standorte und nahmen fünf Verdächtige fest. Sie stellten rund 1.200 sogenannte SIM-Box-Geräte, etwa 40.000 SIM-Karten und fünf Server mit zusätzlicher technischer Infrastruktur sicher.
Eine SIM-Box ist ein Gerät, das viele SIM-Karten aufnehmen kann und für das Umleiten internationaler Anrufe über lokale Mobilfunknetze dient. Dadurch sparen Kriminelle, aber teils auch Unternehmen, die offiziellen Gebühren der Mobilfunkanbieter. Internationale Anrufe erscheinen dank dieses Systems als lokale Gespräche. So können die Verantwortlichen nicht nur Geld sparen, sondern auch ihre Identität und die Herkunft ihrer Aktivitäten verschleiern.
Im Rahmen der Operation wurden laut Europol insgesamt „mehrere Hunderttausend“ SIM-Karten sichergestellt. Zusätzlich legten die Einsatzkräfte zwei Webseiten still, nahmen zwei weitere Personen fest und beschlagnahmten hohe Bargeldbeträge in unterschiedlichen Währungen. Die Polizei stellte außerdem vier Luxusfahrzeuge sicher, die von den mutmaßlichen Tätern genutzt wurden.
Laut Europol handelte es sich um eine technisch sehr ausgefeilte und international agierende kriminelle Struktur. Sie ermöglichte es Täter:innen weltweit, mithilfe der bereitgestellten SIM-Box-Dienste verschiedenste Telekommunikations-bezogene Cybercrime-Aktivitäten sowie weitere Vergehen durchzuführen. Die Gruppe bot Telefonnummern an, die auf Personen aus mehr als 80 verschiedenen Ländern registriert waren. So konnten Kriminelle massenweise gefälschte Benutzer-Konten für soziale Medien und Kommunikationsplattformen einrichten.
Europol schätzt, dass durch dieses Netzwerk über 49 Millionen Online-Konten erstellt wurden. Die Ermittler:innen ordneten das Netzwerk mindestens 1.700 Betrugsfällen in Österreich und 1.500 Fällen in Lettland zu. Die dabei entstandenen finanziellen Schäden belaufen sich auf mehrere Millionen Euro. Allein in Österreich beträgt der erfasste Schaden rund 4,5 Millionen Euro, in Lettland etwa 420.000 Euro.
Das Netzwerk unterstützte eine Vielzahl schwerer Straftaten. Dazu gehören Betrügereien auf Online-Marktplätzen für Gebrauchtwaren, sogenannte Tochter-Sohn-Betrugsmaschen, Investmentbetrügereien, Fake-Shops, fingierte Bankwebsites sowie Betrüger:innen, die sich als Polizeikräfte ausgaben.
Mit der erfolgreichen Zerschlagung dieses SIM-Farm-Netzwerks konnten Strafverfolgungsbehörden einen wichtigen Schlag gegen die weltweite Cyberkriminalität und Identitätsbetrug im digitalen Raum erzielen.
Via: https://www.techradar.com
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