Große Musiklabels wollen KI-generierte Songs aus den Hitparaden heraushalten. Hintergrund ist eine wachsende Flut synthetischer Titel auf Streaming-Plattformen.
Eine Allianz großer Musikunternehmen, darunter Sony Music, Universal Music Group und Warner Music Group, verlangt, dass sogenannte KI-Schrott-Tracks nicht mehr in weltweite Musikcharts aufgenommen werden. Der Vorstoß folgt auf Fälle, in denen synthetische Songs Spitzenplätze in bekannten Ranglisten wie den Charts des US-Magazins „Billboard“ oder in verschiedenen Top-Songs-Listen von Spotify erreicht haben.
Wie der „Hollywood Reporter“ berichtet, wird die Initiative auch von mehreren kleineren Labels und unabhängigen Anbietern unterstützt. Gemeinsam fordern sie von Chartbetreiber:innen neue Regeln, die strengere Vorgaben für KI-generierte Musik festlegen. Nach ihrer Auffassung sollen nur Songs berücksichtigt werden, die in erster Linie von Menschen geschaffen wurden, wobei jede Beteiligung von KI nachweisbar rechtskonform sein muss.
Der Appell fällt in eine Phase, in der große Labels wie Sony bereits mehrere Klagen eingereicht haben. Sie werfen Anbietern von KI-Musikgeneratoren wie Suno und Udio vor, ihre Modelle ohne Erlaubnis mit urheberrechtlich geschützter Musik trainiert zu haben. Die Allianz argumentiert zudem, dass potenzielle Streaming-Manipulationen durch solche Inhalte unterbunden werden müssten und entsprechende Tracks daher keinen Zugang zu Charts rund um den Globus erhalten sollten.
Streamingdienste stehen zunehmend unter Druck, offenzulegen, wie sie mit KI-generierten Inhalten umgehen. Zuletzt haben der Verband der Musikindustrie der Vereinigten Staaten (Recording Industry Association of America, RIAA) und der internationale Dachverband der Tonträgerindustrie (International Federation of the Phonographic Industry, IFPI) ein neues Kennzeichnungssystem vorgeschlagen. Es soll in Musik-Apps anzeigen, ob ein Titel vollständig oder teilweise von künstlicher Intelligenz erzeugt wurde.
Apple hat bereits sogenannte KI-„Transparenz-Tags“ eingeführt, die ähnlich funktionieren. Der Einsatz dieser Kennzeichnungen liegt derzeit jedoch im Ermessen der Labels und Vertriebe. Eine einheitliche, verpflichtende Lösung gibt es bislang nicht, was die Forderungen der Branche nach klareren und verbindlichen Vorgaben verstärkt.
Parallel dazu machen Technologiekonzerne es immer einfacher, Musik mithilfe kurzer Texteingaben zu erzeugen. Googles System Lyria Pro 3 kann inzwischen Stücke mit einer Länge von bis zu drei Minuten erstellen und ermöglicht es Nutzer:innen, gezielt einzelne Songteile wie Intros, Refrains oder Bridges zu generieren.
Für Streamingdienste wird diese Entwicklung zur Herausforderung, denn täglich werden zehntausende KI-generierte Tracks auf Plattformen wie Deezer hochgeladen. Spotify sah sich im vergangenen Jahr gezwungen, mehr als 75 Millionen „Spam-Tracks“ aus seiner App zu entfernen. Vor diesem Hintergrund versuchen große Labels nun, mit strengeren Chart-Regeln und mehr Transparenz Vorgaben für den Umgang mit KI-Musik zu setzen.
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