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„Made in America“-Trump-Handy entpuppt sich als HTC-U24-Klon aus China

Das „Made in America“-Versprechen des Trump Mobile T1 hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Ein Teardown zeigt: Hinter dem patriotischen Design steckt ein nahezu unverändertes HTC U24 Pro aus chinesischer Produktion.

Teardown zeigt: Trump T1 ist fast identisch mit HTC U24 Pro

Die Reparaturplattform iFixit hat das Trump Mobile T1 zerlegt und bestätigt: Das Gerät ist im Kern ein HTC U24 Pro mit nur wenigen optischen Anpassungen. Damit werden Zweifel bestätigt, die seit Anfang des Jahres kursierten und die ursprüngliche Aussage von Trump Mobile infrage stellen, das T1 werde in den USA gefertigt.

Die technischen Daten des T1 – ein 6,78-Zoll-AMOLED-Display mit 120 Hertz, ein Snapdragon-Prozessor, eine 50-Megapixel-Hauptkamera, ein 50-Megapixel-Teleobjektiv und eine 8-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera – entsprechen weitgehend den Spezifikationen, die HTC für das U24 Pro angibt. Als NBC ein T1-Gerät zu iFixit brachte, ließ es sich mit denselben Schritten öffnen wie das HTC-Modell.

Scans der Innenseite zeigten nahezu identische Layouts und Platzierungen der Bauteile. iFixit konnte das Trump-Handy sogar mit einem Mainboard aus einem HTC U24 Pro starten. Ein Unterschied betrifft den Arbeitsspeicher: Im T1 kommt LPDDR5-RAM von Micron statt von SK Hynix zum Einsatz. iFixit führt das auf Schwankungen in der Lieferkette zurück, nicht auf ein eigenes Design.

Optische Anpassungen und peinliche Flagge

Die übrigen Änderungen sind überwiegend kosmetischer Natur. Das T1 besitzt ein goldenes Gehäuse mit einer US-Flagge auf der Rückseite, bei der allerdings nur elf statt der korrekten 13 Streifen zu sehen sind. Außerdem wurden die Lautsprecheröffnungen neu gebohrt, das Kameramodul verändert, der Blitz versetzt und ein größerer Akku verbaut.

Die Akkukapazität steigt von 4.600 mAh im HTC U24 Pro auf 5.000 mAh im Trump T1. Im Gegenzug sinkt die maximale Ladeleistung von 60 Watt auf 30 Watt. Auf den Vergleichsbildern von iFixit sind HTC U24 Pro und Trump Mobile T1 nebeneinander zu sehen und unterscheiden sich auf den ersten Blick vor allem durch die Farbgebung und das Flaggenmotiv.

Vom „in den USA gebaut“ zur „stolz amerikanischen“ Marke

Als Trump Mobile das T1 vor einem Jahr zusammen mit seinem Mobilfunkangebot vorstellte, hieß es zunächst, das Smartphone werde „in den Vereinigten Staaten entworfen und gebaut“. Diese Aussage wurde jedoch schnell abgeschwächt. Später sprach die Firma davon, das Gerät sei „unter Berücksichtigung amerikanischer Prinzipien entworfen“, inzwischen bezeichnet die Website das Produkt nur noch als „stolz amerikanisch“.

Frühe Entwürfe zeigten eine vage Formensprache und weckten Zweifel, ob überhaupt ein echtes Produkt existiert. Spätere Bilder ähnelten einem umlackierten Samsung Galaxy Ultra. Als schließlich im Februar das tatsächliche Gerät durchsickerte, erkannten Beobachter:innen sofort das Design von HTC wieder.

Trump Mobile betont, man wolle möglichst wenig auf chinesische Teile und Arbeitskraft angewiesen sein. Die Datenbank der Nationalen Kommunikationskommission Taiwans führt jedoch Guangdong Yuanchang Electronics Co., Ltd., einen Hersteller aus China, als Produzenten des HTC U24 Pro auf. Auf manchen Verkaufspackungen des U24 Pro findet sich zudem der Hinweis „Hergestellt in China“.

Seit Google im Jahr 2017 für 1,1 Milliarden US-Dollar (rund 1,02 Milliarden Euro) einen Großteil des Hardware-Entwicklungsteams von HTC übernommen hat, ist die Fähigkeit des Unternehmens geschrumpft, eigenständig Smartphones zu entwickeln. iFixit hält es daher für wahrscheinlich, dass HTC sowohl Design als auch Fertigung des U24 an ein Unternehmen in Guangdong ausgelagert hat.

Wie schon Barack Obama zuvor hat auch Präsident Trump Konzerne wie Apple und Samsung aufgefordert zu erklären, warum sich die Smartphone-Produktion nicht in die USA zurückholen lässt. Der Lieferketten-Analyst Kevin O’Marah schätzt, dass eine vollständig inländische Smartphone-Fertigung rund ein Jahrzehnt Vorlauf benötigen würde. Dafür müsste ein Gerät von Grund auf für automatisierte US-Produktionslinien und Maschinen entwickelt werden, die derzeit im Land gar nicht vorhanden sind. Vor diesem Hintergrund wirkt es wenig überraschend, dass Trump Mobile dieses Ziel nicht innerhalb eines Jahres erreichen konnte.

Die Endmontage des T1 findet immerhin in Miami statt und könnte ein erster Schritt zu einer stärker in den USA verankerten Produktion sein. Zentrale Hürde bleiben die Arbeitskosten. Sollten US-Unternehmen die Lieferkette schrittweise besser beherrschen, könnten vollautomatisierte Fabriken in den USA die Produktion langfristig wirtschaftlich machen, aber nicht kurzfristig. Vorbestellungen für das T1 sind zu einem Aktionspreis von 499 US-Dollar (rund 461 Euro) möglich und liegen damit leicht unter dem empfohlenen Verkaufspreis des HTC U24 Pro von 579 US-Dollar (rund 535 Euro). Ein Nachfolgemodell namens T1 Ultra ist bereits geplant.

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Via: https://www.techspot.com

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Michael Reimann

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