macOS Tahoe steht bereits wegen „Liquid Glass“ und blassen App-Symbolen in der Kritik. Jetzt rücken auch die Menü-Symbole in den Fokus – und hier wird es richtig unübersichtlich.
Rund um macOS Tahoe gab es bereits zahlreiche Beschwerden über „Flüssiges Glas“, das häufig mit dem stark kritisierten Windows Vista verglichen wird. Zusätzlich bemängeln viele, dass die App-Symbole inzwischen matt und charakterlos wirken. Nun zeigt sich ein weiteres Problem, das Ihr vermutlich noch gar nicht bewusst wahrgenommen habt: In macOS Tahoe gibt es deutlich mehr Menü-Symbole als zuvor.
Designer Jim Nielsen und Softwareentwickler Niki Tonsky weisen darauf hin, dass Apple in Tahoe entschieden hat, die Menüs seiner Apps mit zusätzlichen Symbolen zu versehen. Überall tauchen kleine Piktogramme auf, die Euch eigentlich schneller zur gesuchten Funktion führen sollen. In der Praxis ist Apple damit jedoch über das Ziel hinausgeschossen. Die Menüs wirken überladen, und der Nutzen der Symbole nimmt spürbar ab.
Ein Beispiel liefert das Ablage-Menü im Finder. Links ist der Zustand vor Tahoe zu sehen, rechts das gleiche Menü in macOS Tahoe – mit deutlich mehr Icons in der neuen Version.
Nielsen und Tonsky betonen, dass dieser Ansatz im Widerspruch zu Apples eigenen Richtlinien für die Benutzeroberfläche steht, die es seit 1992, 2005 und 2020 gibt. In den Human Interface Guidelines von 2020 heißt es ausdrücklich:
Verwendet Symbole sparsam. Nutzt Symbole in Menüs nur, wenn sie einen deutlichen Mehrwert bieten. Ein Menü mit zu vielen Symbolen kann überladen wirken und schwer lesbar sein.
Human Interface Guidelines, Apple (2020)
Vor macOS Tahoe setzte Apple Menü-Symbole sehr gezielt und selten ein. Das lenkte den Blick zuverlässig auf zentrale, häufig verwendete Funktionen. Mit Tahoe geht dieser Effekt verloren. Wie Nielsen und Tonsky herausarbeiten, ergeben viele der neuen Icons wenig Sinn und vermitteln die dahinterliegende Funktion kaum. Teilweise nutzt Apple sogar identische Symbole für unterschiedliche Aktionen, etwa für „Neuer Tab“ und „Duplizieren“. Damit wird die Symbolsprache faktisch entwertet.
Warum Apple diesen Kurswechsel vollzogen hat, ist nicht bekannt. Das Unternehmen hat seine Entscheidung bislang nicht erläutert. Nielsen verweist darauf, dass auch andere Anbieter wie Google Menü-Symbole stark ausreizen. Möglicherweise will Apple Nutzer:innen solcher Plattformen abholen und sie so eher zu einem Mac bewegen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die für diese Gestaltung verantwortliche Person sich Menüs in macOS stärker an Google orientiert wünschte.
Unabhängig vom konkreten Auslöser ist das Ergebnis bedauerlich. Apple galt lange als Anbieter mit sauberem, konsistentem und durchdachtem Design. Diese Prinzipien scheinen aktuell aufgegeben zu sein. Da die Person, die für diese Entwicklung verantwortlich gemacht wird, inzwischen das Unternehmen verlässt, besteht zumindest die Chance, dass Apple seinen Designanspruch wieder ernster nimmt und erneut eine Führungsrolle in diesem Bereich einnimmt.
Via: https://www.macworld.com
Titelbild: Apple
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