Die Kritik an LinkedIn wird immer lauter, denn das einstige seriöse Business-Netzwerk verkommt zunehmend zu einer bizarren Plattform für Selbstdarsteller, rechte Narrative und heimliches KI-Training. Es ist höchste Zeit, den Wahnsinn der Microsoft-Tochter zu hinterfragen.
Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, in denen man sich auf bestimmten Plattformen im Internet anmeldete, um schlichtweg seinen digitalen Lebenslauf zu hinterlegen? Man trug seine beruflichen Stationen ein, vernetzte sich mit ein paar Kollegen, bestätigte vielleicht noch die Expertise eines Vorgesetzten in „Projektmanagement“ und schloss den Tab wieder. Das war das alte LinkedIn. Ein staubiger, aber funktionaler digitaler Karteikasten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Wenn man heute die App öffnet – oder schlimmer, die Desktop-Version –, wird man von einer Welle derart geballter Selbstdarstellung, toxischer Positivität und pseudointellektueller Banalität überrollt, dass man unweigerlich das Bedürfnis verspürt, seinen Router aus dem Fenster zu werfen.
Das, was einst als seriöses Netzwerk für Professionals gedacht war, hat eine Metamorphose durchgemacht, die an einen schiefgelaufenen Science-Fiction-Film erinnert. Wir haben einem Punkt erreicht, an dem die Realität der Plattform nichts mehr mit echter beruflicher Leistung zu tun hat. Stattdessen bewegen wir uns in einem mediokren Paralleluniversum. Schnallen Sie sich an, es wird unangenehm.
Lassen Sie uns das Kind beim Namen nennen: LinkedIn ist mittlerweile nichts anderes mehr als Facebook für Menschen mit Erwerbshintergrund. Jene, die sich auf Instagram nicht trauen, im Bikini zu posieren, und für TikTok zu alt oder zu ungelenk sind, haben hier ihr Biotop gefunden. Auf LinkedIn wird das Private gnadenlos ins Berufliche gezerrt, solange man am Ende noch einen halbgaren Business-Takeaway anflanschen kann. Da wird das Foto des Neugeborenen gepostet. Nicht etwa aus purer Freude, sondern um in einem ellenlangen Text im Broetry-Stil (jeder Satz ein eigener Absatz) zu erklären, was das Wickeln eines Säuglings über agiles Change-Management und B2B-Sales-Strategien lehrt.
Es ist eine schmerzhafte Ansammlung von Selbstdarstellern, schamlosen Verkäufern und recht banalen Angebern, die sich gegenseitig in ihren Kommentarspalten mit Raketen-Emojis abfeiern. Die eigentliche berufliche Leistung ist völlig in den Hintergrund getreten. Wer heute auf LinkedIn Erfolg haben will, muss nicht gut in seinem Job sein. Er muss nur gut darin sein, so zu tun, als ob. Das Ende der Leistungsgesellschaft, das von klugen Beobachtern schon länger prophezeit wird, lässt sich auf LinkedIn in Echtzeit beobachten. Nicht derjenige gewinnt, der das beste Produkt entwickelt oder die komplexeste Problemlösung findet. Sondern derjenige, der am lautesten in die digitale Echokammer brüllt und seine Morgentoilette als inspirierende Hustle-Culture-Reise verkauft.
Früher wusste man: Wer im echten Leben mit teuren Uhren und dicken Autos prahlt, hat meistens etwas zu kompensieren und wird im seriösen Geschäftsleben eher milde belächelt. Auf LinkedIn hingegen ist das Protzen und Posen salonfähig geworden. Ja, es wird geradezu als Tugend zelebriert. Ein Bild vom Lenkrad des neuen Porsche 911, am Handgelenk blitzt die Rolex, und darunter steht ein Text über Humble Leadership, Mindset und wie man aus Rückschlägen lernt. Das ist keine Satire, das ist der winding Feed.
Diese Art der Selbstdarstellung hat Formen angenommen, die selbst den härtesten Narzissten erröten lassen müssten. Es ist ein endloser Strom an aufmerksamkeitsheischenden Banalitäten. Man postet Bilder von sich selbst auf einer Bühne vor leeren Stühlen vor Beginn eines Vortrags und faselt etwas von Impact und Gamechanging Paradigms. Kein Wunder, dass sich bei vielen echten Unternehmen und B2B-Marken eine tiefe LinkedIn-Müdigkeit breitmacht. Echte Kommunikation findet zwischen all dem Lärm kaum noch statt. Wer ein ernsthaftes, komplexes Produkt erklären will, geht im Algorithmus gnadenlos unter, weil der Post des Visionärs, der weinend sein Unternehmen an die Wand gefahren hat und dies als wichtige Learning-Journey feiert, den gesamten Sauerstoff im Raum absaugt.
Als sarkastischer LinkedIn Nutzender verrate ich Ihnen das wichtigste Werkzeug für Ihre Karriere auf dieser Plattform: Erfinden Sie Traumata und überwinden Sie diese vor laufender Kamera. Die Plattform verlangt nach ständiger, fast schon pornografischer emotionaler Entblößung. Der CEO, der ein Selfie postet, auf dem ihm eine Träne über die Wange kullert, weil er gerade 50 Mitarbeiter entlassen musste – aber hey, es war für ihn persönlich ein unglaublicher Wachstumsprozess! Diese toxische Positivität erstickt jede Form von echter Authentizität. Alles wird zu einer Lektion, jeder Rückschlag zu einem Sprungbrett, jeder Flugausfall zu einer Metapher für Resilienz in der Supply Chain.
Es gibt keine schlechten Tage mehr auf LinkedIn, nur Challenges, die man mit einem Kaffeebecher in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen meistert. Die Nutzer zwingen sich in ein Korsett aus ewiger Dankbarkeit und gebotoxter Begeisterung. Das ist so absurd , dass man sich wundert, wie diese Menschen im echten Leben überhaupt noch atmen können, ohne eine inspirierende Rede darüber zu halten. Alle sind Thought Leader, Disruptoren oder zumindest Evangelists für irgendetwas. Wenn aber jeder ein Leader ist, wer macht dann eigentlich noch die anfallende Arbeit? Auf LinkedIn jedenfalls niemand. Hier wird nur noch der Anschein von Arbeit simuliert.
Als ob die narzisstische Dauerschleife nicht schon unerträglich genug wäre, zeigt die Plattform auch noch eine höchst problematische politische Schlagseite. Wenn wir hinter die glitzernde Fassade der Selbstoptimierung blicken, offenbart sich ein Content-Moderations-System, das zunehmend Fragen aufwirft. Auffällig ist, dass LinkedIn politische Meinungen im Stil des US-amerikanischen Rechtsdralls geradezu bevorzugt zu behandeln scheint. Was als Business-Plattform
deklariert wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Raum, in dem rechte Influencer und populistische Narrative deutlich mehr Platz eingeräumt bekommen als noch vor der Ära Trump.Die Moderationsrichtlinien sind ein undurchsichtiges Labyrinth. So wird sachliche, fundierte Kritik an rechtspopulistischen Parteien wie der AfD mitunter rasend schnell wegen angeblicher Hassrede gelöscht. Zugleich dürfen Akteure aus dem rechten Spektrum munter ihre Dogmen verbreiten. Es ist ein perfides Spiel. Linke oder liberale Gesellschaftskritik gilt schnell als unpassend für ein berufliches Umfeld, während marktradikale, elitäre oder neurechte Positionen als legitime Wirtschaftsmeinung durchgewinkt und vom Algorithmus mit immenser Reichweite belohnt werden. Der Algorithmus liebt die Polarisierung, solange sie das richtige, unternehmensfreundliche und radikalkapitalistische Gewand trägt.
Diese asymmetrische Content-Moderation hat gravierende Folgen für den Diskurs. Man beruft sich auf den Erhalt eines sicheren Umfelds. Damit unterdrückt man aber gezielt Debatten, die dem konservativen Mainstream der Plattform widerstreben. Wenn ein kritischer Beitrag über die arbeitsmarktpolitischen Pläne von Rechtspopulisten gelöscht wird, der Post eines CEOs, der offen das demokratische System delegitimiert, aber stehen bleibt, dann ist das keine neutrale Moderation mehr. Das ist eine redaktionelle Entscheidung mit politischer Agenda.
LinkedIn mutiert in dieser Hinsicht zu einem gefährlichen Katalysator. Es gibt der reaktionären Selbstinszenierung der Musk Apologeten einen seriösen Anstrich. Da diese Plattform von den meisten Nutzern immer noch fälschlicherweise als objektives Karriere-Netzwerk wahrgenommen wird, wirken die dort verbreiteten politischen Botschaften subtiler. Sie sind gefährlicher als das offensichtliche Geschrei auf X oder Facebook. LinkedIn versteckt seine Ideologie hinter Anzügen, Kostümen und dem Deckmantel des wirtschaftlichen Pragmatismus.
Und weil wir gerade beim dystopischen sind: Wir dürfen den Verrat an den Nutzenden nicht unerwähnt lassen. LinkedIn gehört zu Microsoft. Und Microsoft hat ein großes, sehr hungriges Haustier namens OpenAI. Um künstliche Intelligenz zu trainieren, braucht man Daten. Unmengen davon. Was liegt da näher, als einfach die Ergüsse der Millionen LinkedIn-Nutzenden in den Rachen der Maschine zu werfen? Ohne großartige Vorankündigung und ohne die Nutzenden klar, transparent und aktiv aufzuklären, bedient sich die Plattform an den Inhalten, um die KI von Microsoft und OpenAI zu trainieren.
Der Datenschutz wird hier mit Füßen getreten. Die Einstellungen der Verbraucher werden systematisch ignoriert oder so tief in den Menüs versteckt, dass man ein abgeschlossenes Informatikstudium braucht, um das Opt-out zu finden. Alles, was Sie schreiben – jede peinliche Lobeshymne auf Ihren Chef, jeder erfundene Kunden-Dialog, jede private Anekdote, die Sie für Klicks ausgeschlachtet haben –, wird genutzt, um Chatbots beizubringen, wie man noch menschlicher klingt. Die Ironie ist offensichtlich. Eine Plattform, auf der Menschen wie Roboter miteinander kommunizieren und Floskeln austauschen, nutzt genau diese Daten, um Robotern beizubringen, wie Menschen zu kommunizieren. Es ist ein geschlossener Kreislauf des Absurden.
Dass sich LinkedIn diesen Umgang mit Nutzerdaten überhaupt erlauben kann, zeigt, wie abhängig wir von diesen digitalen Monopolen sind. Es gibt keine Konkurrenz, keinen Ort, an den man flüchten könnte, wenn man seine beruflichen Kontakte nicht verlieren will. Also schlucken die meisten Nutzer die Kröte. Sie akzeptieren, dass ihre intellektuelle (oder eben pseudointellektuelle) Arbeit ungefragt für kommerzielle KI-Modelle ausgebeutet wird. Das ist der ultimative Raubtierkapitalismus. Man baut eine Plattform auf, lockt die Menschen mit dem Versprechen auf Reichweite und Karrierechancen an und verkauft sie dann still und heimlich als Trainingsfutter an die eigenen Serverfarmen.
Ich hier natürlich den Kopf schütteln. Während Apple sich (zumindest im Marketing) die Privatsphäre groß auf die Fahnen schreibt. Und das Geschäft mit den Daten der Nutzer einschränken will, zeigt der Microsoft-Konzern mit LinkedIn die dunkle Seite der Macht. Nutzende ist sind keine Kunden, sind nicht einmal das Produkt. Sie sind lediglich der Rohstoff für die nächste Generation von Algorithmen.
Fassen wir zusammen: Wenn Sie heute LinkedIn nutzen, begeben Sie sich in eine Arena der Peinlichkeiten. Sie lesen die halbgaren Kalendersprüche von Selbstdarstellern, die glauben, der Besitz einer teuren Uhr mache sie zu Philosophen der Neuzeit. Wir müssen eine künstlich weichgezeichnete Welt ertragen, in der jedes Scheitern ein Growth Hack ist. Man wird Zeuge einer politischen Rechtsverschiebung, bei der legitime Kritik mundtot gemacht und populistische Hetze im Anzug hofiert wird. Und als Dankeschön für Ihre Teilnahme an diesem absurden Theater werden Ihre Texte, Gedanken und Daten ungefragt genutzt, um das KI-Imperium von Microsoft weiter aufzublähen.
Hören Sie auf, dieses Spiel mitzuspielen. Verfassen Sie keine Broetry-Beiträge mehr. Posten Sie keine Bilder Ihrer Kaffeetasse mit tiefschürfenden Zitaten. Gehen Sie in die Einstellungen und deaktivieren Sie das KI-Training (suchen Sie gut, es ist absichtlich schwer zu finden). Oder besser noch: Nutzen Sie die Plattform wieder für das, was sie ganz am Anfang einmal war. Suchen Sie nach Jobs, pflegen Sie ein paar echte Kontakte und loggen Sie sich danach wieder aus. Die echte Arbeit, die echte Leistung und die echten Innovationen finden ohnehin nicht im LinkedIn-Feed statt. Sie passieren dann, wenn der Bildschirm schwarz ist und wir aufhören, uns gegenseitig zu blenden.
Bild Gemini KI
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