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Kommentar: Voller Preis aber nicht volle Leistung – Creator Studio in Deutschland

Apple hat erst kürzlich mal wieder auf sein Creator Bundle (Creator Studio) hingewiesen und die viele neuen (intelligenten) Funktionen, die die Apps nun bieten. Man kann sicher über die Auswahl der Apps im Bundle geteilter Meinung sein. Dass eines der Hauptprodukte in Deutschland immer noch nicht alle Features bekommt, ist allerdings ziemlich peinlich.

Final Cut Pro ist Apples Videoschnitt-Programm und ist sowohl im angesprochenen Creator Studio (12,99 Euro pro Monat), als auch als Kaufversion (349,99 Euro) erhältlich. Derzeit aktualisiert Apple beide Varianten unregelmäßig und stattet sie gelegentlich mit neuen Features aus. Seit Version 11 (erschienen am 13. November 2024) kann FCP durch automatische Transkription Untertitel erzeugen. Ebenfalls seit Version 11 ist das nur in US-Englisch möglich.

Jetzt, zahlreiche Versionen später – wir sind bei 12.3 – kann Final Cut Pro weiterhin nur Untertitel in US-Englisch erzeugen. Das ist mehr als ärgerlich. Denn Untertitel haben in mehrfacher Hinsicht eine große Bedeutung erlangt. Zum Einen ermöglichen sie es, Videos barriereärmer zu erstellen, ohne dass man sich auf die Algorithmen von YouTube und co. verlassen muss. Zum Anderen haben sie gerade bei Produktionen für Social Media eine enorme Bedeutung. Videos bei Instagram, Tik Tok und co. laufen in der Regel stumm. Hier ist eine ansprechende Untertitelung quasi Pflicht.

Nur auf Englisch

Gerade Letzteres adressiert die neue Version von Final Cut. Untertitel lassen sich ansprechender gestalten, direkt ins Video „einbrennen“ und somit an das Design der Marke, oder des Produktes anpassen. Transkribiert wird das Video übrigens auf dem Gerät (wenn dieses einen Apple-Chip vorweisen kann!) Leider eben nur auf US-Englisch. Damit ist diese Funktion für Creator in Ländern, die nicht US-Englisch sprechen, oder die Videos für Märkte außerhalb der USA erstellen leider nicht nutzbar.

Auch eine weitere eigentlich praktische Funktion ist nur für US-Englisch verfügbar. Wird Videomaterial in die Mediathek hinzugefügt, wird dieses ebenfalls intern transkribiert. Damit kann man sehr schnell nach bestimmten Stellen im Video suchen. Wenn es in US-Englischer Sprache ist. Äußert praktisch, wenn man in dem Videomitschnitt der WWDC-Keynote nach bestimmten Worten sucht. Für alles andere in Deutschland leider nicht zu gebrauchen.

Apple bewirbt diese Funktionen aktiv auch in den Releasenotes. Beim Update auch mit dem Hinweis auf die einzige Sprache, die derzeit vorhanden ist. Geht man auf die deutsche Produktseite zu Final Cut Pro erfährt man folgendes unter Punkt 5 im Kleingedruckten.

Die Transkriptsuche in Final Cut Pro erfordert einen Mac mit Apple Chip und macOS 15.6 oder neuer oder ein iPad mit Apple M1 Chip oder neuer, ein iPad (A16) oder iPad mini (A17 Pro) mit iPadOS 26 oder neuer. Nur auf Englisch (USA) verfügbar.

Aber streng genommen wird hier nur auf die Suche und nicht das Erstellen von Untertiteln verwiesen. Denn zu den Untertiteln erfährt man dort nur das hier:

Durch die Analyse von gesprochenem Audio erstellt Final Cut Pro Unter­titel mit super­schnellen, exakten Ergeb­nissen.

Es kann also gut sein, dass man als zahlender Kunde außerhalb der USA erst nach dem Kauf (oder Abo-Abschluss) merkt, dass man gar keine Untertitel in Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch oder anderen Sprachen erstellen kann. Auch wenn es im App Store beiläufig erwähnt wird. Warum die Untertitel-Funktion allerdings seit fast zwei Jahren nur auf US-Englisch verfügbar ist und ob und wann auch andere Sprachen kommen, erfährt man dort nicht.

Voller Preis aber nicht volle Leistung

Man könnte argumentieren, dass die Funktion nur ein Beiwerk ist, dass man im Zweifel ja auch mit anderen Tools nachrüsten oder nachstellen kann. Ja, das stimmt. Apple bewirbt aber gerade die hohe Integration seiner Apps und des Creator Studios und kassiert ja auch dafür. Man könnte außerdem argumentieren, dass Englisch eine sehr verbreitete Sprache ist. Auch das ist richtig, wenn auch Spanisch und Chinesisch verbreiteter sind. Dann müsste sich Apple aber die Frage gefallen lassen, warum sie nicht wenigstens ein allgemeines Englisch anbieten und nicht wie jetzt speziell nur US-Englisch. Selbst wenn man als US-Produzent vielleicht multimodale Videos erzeugen möchte, kann man Final Cut nur mit externen Plugins verwenden.

Interessant ist, dass Apple für das Produkt auch Hierzulande den vollen Preis berechnet, obwohl nicht die volle Leistung ankommt. Auch wenn die Funktion technisch natürlich vorhanden ist. Peinlich ist es allemal. Es ist auch nicht so, dass Apple Computer (mit Apple Chip) keine deutsche Transkriptionen könnten. Ich unterstelle keine böse Absicht, aber einen schalen Beigeschmack hat das Ganze schon. Auch und gerade weil sich Apple ja immer die Barrierefreiheit auf die Fahnen schreibt. In diesem Fall ist das sehr schlecht umgesetzt. Schade.

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Michael Reimann

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