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KI-Songs überschwemmen Apple Music – doch fast niemand hört sie

Auf Apple Music landet immer mehr komplett von Künstlicher Intelligenz erzeugte Musik. Nach Angaben von Apple spielt sie im Hörverhalten der Nutzer:innen aber bisher kaum eine Rolle.

Ein Drittel KI-Tracks, aber kaum Abrufe

In einem am 22. April veröffentlichten Interview beschreibt Apple-Music-Vizepräsident Oliver Schusser ein klares Ungleichgewicht auf der Plattform. Mehr als ein Drittel der eingereichten Titel bestehe inzwischen aus „100 Prozent KI“, doch beim tatsächlichen Musikkonsum liege der Anteil dieser Stücke unter 0,5 Prozent.

Apple will reagieren, bevor KI-Musik das Profil des Dienstes spürbar verändert. Schusser berichtet, Apple habe intern eigene Technologien entwickelt, um eingehende Inhalte genau zu analysieren. So könne das Unternehmen erkennen, welche Musik mit welchem KI-Modell produziert wurde und in welchem Umfang KI im Entstehungsprozess zum Einsatz kam.

Parallel fordert Apple die beteiligten Musikfirmen auf, die Nutzung von KI in ihren Songs offen zu kennzeichnen. Die internen Systeme dienen dabei als Kontrollinstanz, um die Angaben der Labels und Vertriebe zu überprüfen und die Entwicklung im Katalog im Blick zu behalten.

Warum KI-Musik die Playlisten kaum erreicht

Werkzeuge, die mit wenigen Eingaben komplette Tracks erzeugen, erleichtern es Distributoren, große Mengen neuer Musik auf Streaming-Plattformen zu bringen. Laut Billboard hat sich das Verhalten der Hörer:innen aber deutlich langsamer verändert als das Angebot, die Abrufzahlen der KI-Stücke bleiben niedrig.

Schusser betont, dass die Nutzung von KI-Musik auf Apple Music „wirklich winzig“ sei und mit der genannten Marke von unter 0,5 Prozent deutlich hinter dem Anteil an den Einreichungen zurückbleibe. Für die Entdeckung neuer Musik seien kulturelle Relevanz, klare Künstleridentitäten und redaktionelle Empfehlungen entscheidend. Anonyme, massenhaft produzierte Songs hätten es daher schwer, in kuratierte Playlists oder Radioformate vorzudringen.

Kennzeichnungspflicht, Betrugsbekämpfung und Fokus auf Bezahlmodell

Apple überträgt den Labels und Distributoren die Verantwortung, KI-Inhalte bei der Anlieferung zu markieren. Zugleich räumt Schusser ein, dass viele Unternehmen vermutlich noch keinen vollständigen Überblick darüber haben, wie stark KI ihre Kataloge inzwischen durchzieht.

Die hauseigenen Erkennungssysteme bilden eine zweite Kontrollebene. Apple kann damit Einreichungen prüfen, KI-Nutzung identifizieren und die gemeldeten Informationen mit den eigenen Analysen abgleichen. So lassen sich auch Betrugsmuster besser erkennen.

Betrugsversuche bleiben für Apple ein wichtiges Thema. Laut Schusser zeigt das aktuelle Strafsystem aber Wirkung, weil die verhängten Sanktionen erfolgreich abschrecken. Über die Zeit habe Apple dadurch eine Reduktion von Betrugsfällen um rund 60 Prozent erreicht.

Beim Geschäftsmodell grenzt sich Apple von kostenlosen, werbefinanzierten Angeboten ab. Schusser argumentiert, solche Gratis-Tarife entwerteten Musik. Apple Music setze stattdessen auf ein Bezahlmodell mit stabilen Preisen und der Priorität, Songschreiber:innen und Künstler:innen zu entlohnen. Inhalte einfach kostenlos zu verschenken, halte er angesichts der geringen Erlöse auf diesen Plattformen für den falschen Weg.

Apple kann diese Position einnehmen, weil der Dienst in ein größeres Hardware-Ökosystem eingebettet ist und nicht allein für den Umsatz sorgen muss. Entsprechend legt das Unternehmen Wert auf kuratierte Inhalte, Radiosendungen und die enge Integration mit Geräten, anstatt auf möglichst viele Titel oder rein algorithmische Funktionen zu setzen.

In diesem Rahmen sieht Apple auch 3D-Audio. Schusser erklärt, man habe gemeinsam mit Dolby ein Klangformat entwickelt, das nicht nur von links und rechts, sondern aus allen Richtungen wahrgenommen wird und auf nahezu allen Geräten funktioniert. Auf verlustfreie Formate verzichte Apple dagegen bewusst, weil sich diese mit der verbreiteten Bluetooth-Nutzung und drahtlosen Kopfhörern technisch schwer vereinbaren lassen.

Damit prägt KI-generierte Musik bislang weniger das, was auf Apple Music gehört wird, sondern vor allem die Menge der eingehenden Inhalte. Apple zieht nun Leitplanken ein, um dieses Ungleichgewicht zu kontrollieren und die Integrität der Plattform zu schützen.

Via: https://appleinsider.com

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Michael Reimann

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