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KI-Creator könnten die Influencer-Ökonomie ins Wanken bringen

Der Influencer-Markt steht unter Druck: Immer mehr KI-generierte Videos fluten TikTok, Instagram und Co. Der Creator Jeremy Carrasco warnt vor den Folgen für die gesamte Branche.

Er nutzt seine Reichweite, um über KI aufzuklären – und zeigt, wie leicht sich mit künstlich erzeugten Clips Geld verdienen lässt.

Vom Produzenten zum Aufklärer über KI-Videos

Jeremy Carrasco veröffentlichte seine ersten Videos erst im Juni auf TikTok und Instagram. In kurzer Zeit sammelte er dort jeweils mehr als 300.000 Follower:innen und zählt inzwischen zu den bekanntesten Stimmen für KI-Kompetenz in sozialen Netzwerken.

Ursprünglich wollte Jeremy YouTuber werden, landete aber zunächst hinter der Kamera als Produzent und Regisseur für Mehrkamera-Livestreams. Er entschied sich erst umzusteigen, als er bemerkte, dass die Debatte um generative KI fast ausschließlich von Tech-Konzernen geführt wurde. Aus seiner Sicht fehlen Stimmen, die das Thema aus der Perspektive von Creator:innen und Produzent:innen betrachten.

Zwar betreibt er auch einen YouTube-Kanal, seine Community hat er aber vor allem auf TikTok und Instagram aufgebaut. Sein Kanalname „showtoolsai“ spiegelt seine anfängliche Haltung wider: Er war optimistisch, KI ethisch für Videoproduktionen nutzen zu können. Diese Zuversicht hielt jedoch nicht lange an.

Schnell stellte Jeremy fest, dass kaum jemand erklärt, wie sich KI-Videos überhaupt erkennen lassen. Er sah eine Lücke und verfügte nach eigener Aussage über das nötige Wissen, um sie zu schließen. Von den damals prägenden KI-Influencer:innen erwartete er diese kritische Perspektive nicht.

Er fand seine Nische mit Clips, in denen er typische Merkmale von KI-Videos zeigt: unscharfe Texturen, flackernde Augen oder Objekte, die im Hintergrund erscheinen und verschwinden. Neben der Erkennung von mit Sora erzeugten Inhalten thematisiert er zunehmend Risiken und mögliche Gefahren der wachsenden Zahl und Qualität KI-generierter Videos, insbesondere für Creator:innen.

Aufmerksamkeitsökonomie trifft KI-Flut

Die Creator-Ökonomie beruht auf Aufmerksamkeit. Nun konkurrieren Menschen mit einer endlosen Flut KI-erzeugter Inhalte. Jeremy betont, wie niedrig die Hürden inzwischen sind: Sora 2 ist kostenlos, erzeugt auch Audio und liefert auf den ersten Blick überzeugende Clips.

Dafür braucht es nicht einmal böswillige Absichten. Oft gehe es einfach um Aufrufe und Einnahmen aus dem TikTok-Creator-Fonds. Ein sieben Sekunden langer KI-Clip mit einer absurden Katzenaktion bringt einzeln wenig. Zusammengeschnitten zu einer Minute und mit fünf Millionen Aufrufen könne das laut Jeremy aber rund 1.000 US-Dollar (etwa 930 Euro) einbringen. Für Menschen in Entwicklungs- oder Schwellenländern kann das eine wichtige Einnahmequelle sein.

Daneben gibt es deutlich problematischere Akteur:innen. Jeremy verweist auf den Account „Yang Mun“ beziehungsweise „Yang Mugs“, der angebliche chinesische Medizin bewirbt. Dort gibt eine stereotyp dargestellte Heilerfigur Gesundheitsratschläge, offenbar vor allem für ein westliches Publikum. Mit über 1,5 Millionen Abonnent:innen auf Instagram entstehen Einnahmen schon über die Aufrufe. Der eigentliche Betrug liegt jedoch in der Verlinkung auf eine Website, auf der ein E-Book für 11 US-Dollar (etwa 10 Euro) verkauft wird. Selbst wenn es existiert, dürfte es nach Jeremys Einschätzung vollständig per KI erzeugt sein – ebenso wie die Videos.

Noch weiter gehen Accounts wie „Maddie Quinn“. Dort wird nicht nur Geld erschlichen, sondern fremder Content und das Aussehen realer Personen gekapert. Videos, meist von weiblichen Creator:innen, werden übernommen und die echte Person durch einen KI-Avatar oder ein KI-Gesicht ersetzt. In manchen Fällen werden komplette Erscheinungsbilder entwendet, durch Generatoren gejagt und landen schließlich auf Plattformen wie OnlyFans.

Ethik, Plattformregeln und der drohende Kollaps

Gefragt nach ethisch vertretbaren Einsatzmöglichkeiten generativer KI im Creator-Bereich ist Jeremy skeptisch und antwortet grundsätzlich mit „nein“. Ausnahmen sieht er nur für Barrierefreiheit und bestimmte kulturelle Kontexte, die ihn von einer pauschalen Ablehnung abhalten.

Einige Unternehmen versuchen, vermeintlich saubere Systeme aufzubauen. So hat Lionsgate ein Videomodell entwickelt, das ausschließlich mit dem eigenen Archivmaterial trainiert wurde. Laut Jeremy reicht diese Datenbasis aber nicht aus, um brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Seiner Meinung nach ist die derzeitige Herangehensweise an generative KI-Videos nur möglich, indem massenhaft Daten von Menschen genutzt werden. Das hält er für grundlegend fehlerhaft und lehnt es ab.

Gleichzeitig verstärken die Plattformen aus seiner Sicht den Druck auf die Creator-Ökonomie. Instagram, Facebook, TikTok und YouTube lassen ihre Feeds weitgehend mit KI-Inhalten volllaufen und setzen eigene Regeln zur Kennzeichnung solcher Clips nicht konsequent durch. Das erschwert es Creator:innen, sich sichtbar zu machen, und macht die Plattformen für Nutzer:innen unattraktiver.

Zugleich entwickeln alle großen Anbieter ihre eigenen generativen KI-Werkzeuge. Jeremy beschreibt Creator:innen inzwischen als Mini-Werbeagenturen, denn Sponsoring ist eine zentrale Einnahmequelle. KI wird aber bereits eingesetzt, um Werbeclips – oft in fragwürdiger Qualität – automatisch zu erzeugen. Wenn KI-Video-Werbung sich durchsetzt, könne das die gesamte Creator-Ökonomie massiv schädigen.

Meta, Amazon und DirecTV experimentieren bereits mit generativen Werbediensten. Langfristig, so Jeremy, werden sie Werbeleistungen direkt an Kund:innen verkaufen. Einige Creator:innen könnten versucht sein, selbst auf KI zu setzen, um davon zu profitieren. Jeremy hält es allerdings für berechtigt zu fragen, ob das tatsächlich ein tragfähiges Geschäftsmodell für Creator:innen ist – und verneint dies.

Via: https://www.theverge.com

Bild Gemini KI

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Andreas Vogel

Autor Apfeltalk

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