Der verstorbene Schauspieler Val Kilmer soll in einem neuen Film mithilfe generativer KI wieder auf der Leinwand erscheinen. Sein Nachlass und seine Familie unterstützen das Projekt ausdrücklich.
In dem historischen Archäologie-Drama „As Deep as the Grave“ wird Val Kilmer eine Rolle übernehmen, obwohl er keine einzige Szene gedreht hat. Regisseur und Autor Coerte Voorhees setzt dafür auf aktuelle generative KI-Technologie, um fotorealistische, bewegte Bilder des Schauspielers zu erzeugen. Kilmer war als Teil des Ensembles vorgesehen, starb jedoch 2025 im Alter von 65 Jahren an den Folgen von Kehlkopfkrebs und konnte den Dreh nicht mehr absolvieren.
Der Film erzählt die wahre Geschichte eines Archäolog:innenpaares, das in den 1920er-Jahren mit den Navajo zusammenarbeitete, um mehr über die frühesten Zivilisationen auf dem Gebiet der heutigen USA zu erfahren. Kilmer sollte darin Pater Fintan spielen, einen katholischen Priester indigener Herkunft mit Tuberkulose. Laut Voorhees sagte Kilmer dieser Rolle bereits vor fünf Jahren zu. Er betrachtete die Geschichte als so wichtig, dass er unbedingt mit seinem Namen dafür stehen wollte.
Voorhees betont, dass er die digitale Wiederbelebung Kilmers in enger Abstimmung mit dessen Nachlass umsetzt. Die Familie habe ihm zahlreiche Bilder und Aufnahmen aus den letzten Lebensjahren des Schauspielers zur Verfügung gestellt. Diese Materialien bilden die Grundlage für die KI-generierten Szenen, mit denen Kilmer in den fertigen Film integriert werden soll.
Die Tochter des Schauspielers, Mercedes Kilmer, erklärte, ihr Vater habe neue Technologien stets optimistisch als Werkzeuge gesehen, um die Möglichkeiten des Geschichtenerzählens zu erweitern. Dieses Selbstverständnis versuche man im Rahmen des Films zu ehren, an dem er ursprünglich wesentlich beteiligt gewesen sei. Laut Variety unterstützt auch Kilmers Sohn Jack das Vorhaben. Unklar bleibt, welche konkrete Video-KI Voorhees einsetzen will; klar ist lediglich, dass die benötigten Bildrechte vorliegen.
Bereits zu Lebzeiten arbeitete Kilmer mit dem Unternehmen Sonantic zusammen, das eine künstliche Version seiner Stimme erstellte, nachdem seine Stimmbänder durch einen medizinischen Eingriff beschädigt worden waren. Ob diese Sprach-KI nun ebenfalls für den Film genutzt wird, geht aus den Berichten jedoch nicht hervor.
Das Projekt erscheint vor dem Hintergrund einer intensiven Debatte in Hollywood über generative KI. Die Technologie wird längst nicht mehr nur zum Schreiben von Drehbüchern, sondern auch zur Erzeugung digitaler Abbilder und Stimmen von Schauspieler:innen eingesetzt. In einigen Fällen entstehen vollständig künstliche „KI-Darsteller:innen“, die nie ein Set betreten haben. Das wirft grundlegende Fragen nach Einwilligung, Bezahlung und kreativer Kontrolle auf, da Auftritte und Identitäten von Menschen durch Algorithmen reproduziert oder verändert werden können.
Die Künstler:innen-Gewerkschaft SAG-AFTRA stellt sich solchen Entwicklungen seit Längerem entgegen. Nach einem mehr als hundert Tage dauernden Streik konnten Mindeststandards durchgesetzt werden, darunter klare Einwilligungsvorgaben und Forderungen nach fairer Vergütung beim Einsatz generativer KI. In laufenden Verhandlungen mit Film- und TV-Studios sollen diese Schutzmaßnahmen noch ausgeweitet werden. Zu dem konkreten Fall von „As Deep as the Grave“ äußerte sich die Gewerkschaft bislang nicht.
Ob die digitale Wiederbelebung Val Kilmers am Ende ein Kinopublikum überzeugen kann, ist offen. Einen Veröffentlichungstermin für „As Deep as the Grave“ gibt es derzeit noch nicht.
Via: gizmodo.com · www.cnet.com
Bild Youtube
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