Mit iOS 27 öffnet Apple die Wallet-App für selbst erstellte digitale Karten und Tickets. Statt auf Entwickler:innen zu warten, sollen künftig Nutzer:innen die Lücken selbst schließen.
„Pass erstellen“: Eigene Wallet-Karten aus jedem QR-Code
In iOS 27 führt Apple die neue Funktion „Pass erstellen“ in der Wallet-App ein. Darüber könnt Ihr aus nahezu jedem vorhandenen QR-Code einen eigenen digitalen Wallet-Pass generieren, etwa für Kino- oder Konzerttickets, Fitnessstudio-Karten oder andere Mitgliedschaften. Die Option findet Ihr über das „+“-Symbol in Wallet, also dort, wo bisher vor allem Kreditkarten und bestehende digitale Karten hinzugefügt wurden.
Die App schlägt vor, Pässe für Tickets, Mitgliedschaften, Geschenkkarten und weitere Einsatzzwecke anzulegen. Wenn ein QR-Code vorhanden ist, scannt Ihr ihn direkt mit der iPhone-Kamera, und Wallet baut darum den Pass. Gibt es keinen QR-Code, könnt Ihr einen Pass manuell von Grund auf erstellen und die benötigten Daten selbst eintragen.
Apple testet drei Vorlagen, die sich farblich unterscheiden und typische Anwendungsfälle abdecken: einen Standard-Pass in Orange für allgemeine Karten, einen Mitgliedschafts-Pass in Blau für wiederkehrende Zugänge wie Fitnessstudios sowie einen Event-Pass in Violett für Konzerte, Sportereignisse oder Kinobesuche. Alle Vorlagen bieten Anpassungsmöglichkeiten für Stil, Bilder, Farben und Textfelder, sodass Ihr entscheiden könnt, welche Informationen auf dem Pass sichtbar sind.
Von Entwickler-fokussiert zu nutzergetrieben
Seit iOS 6 im Jahr 2012 stellt Apple mit PassKit ein Framework bereit, über das Entwickler:innen Boardingpässe, Tickets, Gutscheine, Kundenkarten und andere digitale Pässe für Wallet erstellen können. PassKit erlaubt serverseitige Updates, standortbasierte Mitteilungen und eine enge Verknüpfung mit Apple Pay. Die Schnittstelle ist dokumentiert, kostenlos nutzbar und wird von zahlreichen Drittanbieter-Tools unterstützt.
Trotzdem haben viele kleine und mittelgroße Unternehmen PassKit nie integriert. Häufig fehlen eine eigene Entwickler:innen-Infrastruktur, ein Server für Pass-Updates oder schlicht die Priorität für eine Funktion, die eher als Komfort-Detail wahrgenommen wird. Das Ergebnis: Eine zersplitterte Nutzererfahrung, in der einige Karten und Tickets in Wallet landen, andere jedoch in separaten Apps, PDFs oder E-Mails verstreut bleiben.
Mit „Pass erstellen“ ändert Apple nun die Strategie. Statt weiter darauf zu setzen, dass Dienstanbieter:innen Wallet-Pässe entwickeln, bekommen Nutzer:innen selbst Werkzeuge an die Hand, um bestehende QR-Codes in das bekannte Wallet-Layout zu überführen. Apple öffnet Wallet damit nicht für völlig freie Inhalte, sondern schafft eine strukturierte Brücke: vorhandene QR-Codes werden in klar definierte, gestaltete Vorlagen eingebettet. So kann praktisch jeder Dienst, der einen QR-Code für Zugang, Bezahlung oder Identifikation nutzt, im Wallet auftauchen, auch ohne PassKit-Integration.
Einordnung in das iOS‑27‑Update
Die neue Wallet-Option reiht sich in mehrere größere Neuerungen ein, die Apple mit iOS 27 plant und zur Entwicklerkonferenz WWDC im Juni offiziell vorstellen will. Eine zentrale Rolle spielt dabei eine überarbeitete Siri, die teilweise auf Googles Gemini-Modellen basiert und laut Berichten auf Basis eines mehrjährigen Vertrags rund 1 Milliarde US‑Dollar (rund 930 Millionen Euro) pro Jahr kosten soll. Siri soll eine eigene App, eine neue Darstellung in der Dynamic Island und einen textbasierten Konversationsmodus zusätzlich zur Sprachsteuerung erhalten.
Parallel baut Apple KI-Funktionen in der Fotobearbeitung aus, darunter generative Werkzeuge zum Erweitern und Umgestalten von Bildern. Vor diesem Hintergrund wirkt „Pass erstellen“ zwar wie ein kleineres Detail, adressiert aber ein praktisches Alltagsproblem: Wallet soll sich stärker zu einem zentralen Ort für möglichst viele digitale Karten und Nachweise entwickeln – unabhängig davon, ob der lokale Anbieter PassKit je in seine Systeme integriert.
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