Rund ums Aufladen von Smartphones halten sich viele Tipps aus Nickel-Cadmium-Zeiten hartnäckig. Wir schauen uns sechs typische Ladegewohnheiten an und prüfen sie anhand von Herstellerangaben und Studien.
Viele von Euch achten nervös auf den Akkustand und wollen ihr Smartphone möglichst oft auf 100 % bringen. Hersteller haben deshalb Funktionen eingeführt, die den Ladevorgang bei etwa 80 % begrenzen. Apple nennt das „Optimiertes Laden“, Google bietet auf den Pixel-Geräten „Begrenzen auf 80 %“ an. Apple erklärt, diese Funktion solle die Beanspruchung des Akkus verringern und die Lebensdauer verbessern, indem das iPhone weniger Zeit vollgeladen verbringt. Google betont, dass damit die langfristige Gesundheit des Akkus im Fokus steht. Samsung formuliert es am deutlichsten: Ein dauerhaft auf 100 % geladener Lithium-Ionen-Akku steht unter höherem Stress.
Fazit: falsch.
Diese Empfehlung stammt noch aus Zeiten nickelbasierter Akkus wie Nickel-Cadmium oder Nickel-Metallhydrid, die tatsächlich einen „Memory-Effekt“ kannten. Lithium-Ionen-Akkus, wie sie heute in allen Smartphones stecken, haben dieses Problem nicht. Google stellt klar, dass Ihr den Akku nicht „anlernen“ müsst, indem Ihr ihn regelmäßig von voll auf leer oder umgekehrt fahrt. In der Google-Dokumentation steht lediglich, dass der Akku etwa bei jedem zehnten Ladezyklus einmal vollständig geladen werden sollte, um die Daten zur Akkuabnutzung korrekt zu halten. Das dient also der Anzeige, nicht dem Verschleißschutz. Auch die Fachseite Battery University empfiehlt ausdrücklich, vollständige Entladungen möglichst zu vermeiden und lieber häufiger zwischenzulegen.
Fazit: falsch.
Viele von Euch lassen das Smartphone nachts am Kabel und fragen sich, ob der Akku dabei Schaden nimmt. Samsung beantwortet diese Frage eindeutig: Ein Überladen über Nacht finde nicht statt, der Akku sei dadurch nicht gefährdet. Moderne Ladeelektronik verhindert, dass über die volle Ladung hinaus Energie in den Akku gepresst wird. Gleichzeitig sorgt eine weitere Samsung-Seite für Verwirrung, weil dort empfohlen wird, nach Erreichen von 100 % den Stecker zu ziehen, um einem Aufblähen des Akkus vorzubeugen. Technisch ist Überladen zwar abgesichert, dennoch ist es für die Lebensdauer sinnvoll, das Gerät nicht dauerhaft im vollgeladenen Zustand zu halten.
Fazit: falsch.
Ein besonders schädlicher Irrglaube betrifft das Laden bei extremen Temperaturen. Battery University weist darauf hin, dass handelsübliche Lithium-Ionen-Akkus nicht unter 0 °C (32 °F) geladen werden sollten. Zwar wirkt der Ladevorgang äußerlich normal, im Inneren kann sich jedoch metallisches Lithium am Minuspol ablagern und den Akku dauerhaft schädigen. Hitze ist ebenso kritisch: Alle großen Hersteller sehen hohe Temperaturen als zentrales Risiko und nennen denselben sicheren Bereich fürs Laden, nämlich 0 bis 35 °C (32 bis 95 °F). Aufladen im Auto in der Sonne, auf dem Armaturenbrett oder unter einem Kissen solltet Ihr deshalb vermeiden. Wird das Gerät beim kabellosen Laden zu heiß, hilft es, die Hülle abzunehmen.
Fazit: falsch.
Samsung geht auf diese Frage direkt ein und bestätigt, dass Ihr Euer Smartphone oder Tablet während des Ladevorgangs verwenden könnt. Der Nachteil: Es lädt schlicht langsamer. Auf einer anderen Support-Seite ergänzt Samsung, dass Surfen, Videos und Spiele beim Laden die Geschwindigkeit weiter reduzieren, weil das System zur Vermeidung von Überhitzung die Ladeleistung drosselt. Entscheidend ist also die Temperatur. Nutzung während des Ladens ist erlaubt, Ihr solltet aber im Blick behalten, ob das Gerät ungewöhnlich warm wird.
Fazit: richtig – mit Einschränkungen.
Hersteller unterscheiden beim Thema Netzteil deutlich. Samsung rät ausdrücklich zu originalen Ladegeräten und Kabeln, um Schäden am Akku oder am Anschluss zu vermeiden. Google empfiehlt den mitgelieferten Adapter, da andere Netzteile langsamer laden, gar nicht funktionieren oder Schäden verursachen können. Apple lässt auch zertifiziertes Zubehör von Drittherstellern zu, betont aber, dass Netzteile Sicherheitsstandards einhalten müssen und ungenormte Ladegeräte ein Risiko für Gesundheit und Sicherheit darstellen können. Entscheidend ist weniger der Markenname, sondern die Technik im Inneren. Billige, nicht zertifizierte Ladegeräte können Spannung und Strom unzureichend regeln, was zu übermäßiger Hitze und damit zu Akkuschäden führen kann.
Fazit: falsch – mit Einschränkungen.
Wenn Ihr diese sechs Mythen ausblendet und Euch an die Hinweise der Hersteller haltet, ladet Ihr Eure Smartphones nach aktuellem Stand der Technik und schont den Akku langfristig.
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